Letschin/Berlin (MOZ) Am Dienstag berät der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat in der Hauptstadt zum CCS-Gesetz. Mehr als 200 Gegner der CO2-Verpressung aus dem Oderbruch haben bei der Mahnwache am Sonntag in Letschin erneut deutlich gesagt, was sie von der umstrittenen Technologie halten – nämlich nichts.
In seltener Eintracht: Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Dagmar Enkelmann (vorn, 2.v.r.) und ihr Parlamentskollege von der CDU, Hans-Georg von der Marwitz (vorn, l.) sind in Sachen CCS ebenso einer Meinung wie die Grünen-Landtagsabgeordnete Sabine Nie
Mancher Teilnehmer des traditionellen Treffens am ersten Sonntag im Monat am Letschiner Schinkelturm war davon ausgegangen, dass diese 23. Mahnwache gegen CCS wohl die letzte sein werde. Denn inzwischen steht die Front der Bundesländer gegen die umstrittene Technologie offenbar geschlossen. Doch „noch ist kein Sieg errungen“, warnte Hans-Georg von der Marwitz aus Friedersdorf. Der Vermittlungsausschuss mache ihm „große Sorgen“, erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete bei der Mahnwache. Weshalb Rolf Ignaz von der Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager auch betonte: „Die Mahnwache wird fortgesetzt, bis CCS endgültig vom Tisch ist“.
Sie jedenfalls werde im Vermittlungsausschuss „keinem Kompromiss zustimmen“ und weiter an der Seite der CCS-Gegner stehen, versicherte die Bundestagsabgeordnete der Linken, Dagmar Enkelmann. Erstmals bei der Mahnwache in Letschin dabei, dankte Enkelmann ihrem Abgeordneten-Kollegen von der Marwitz, der „einer der wenigen Aufrechten in den Kreisen der Bundes-CDU“ sei. Auch Dagmar Enkelmann geht davon aus, dass das Thema CCS „nicht beendet“ ist. Ausdrücklich sprach sich die Linke-Politikerin auch gegen den Kompromiss-Vorschlag der Grünen aus, die 100 000 Tonnen CO2 zu Forschungszwecken verpressen lassen wollen.
Für diesen „bescheuerten Kompromissvorschlag“ der Bundespartei „schäme ich mich“, bekannte die Grünen-Landtagsabgeordnete Sabine Niels. Für sie sei es „schwer, zu verdauen, von den eigenen Parteimitgliedern so torpediert zu werden“, sagte Niels, bevor erstmals auch ein Vertreter der Piratenpartei in Brandenburg ans Mikrofon trat. Seine Partei beobachte den Streit um CCS seit zwei Jahren, erklärte Sven Weller und kritisierte mit Seitenhieb auf die Linken im Land, dass manche Partei in Regierungsverantwortung nicht halte, was sie im Wahlkampf versprochen hat.
Mario Forner von der Bürgerinitiative und dem Verein Wir im Oderbruch forderte die Anwesenden auf, sich dem von Greenpeace organisierten Protest gegen den weiteren Ausbau der Tagebaue in der Lausitz anzuschließen. Dazu lagen Unterschriften-Listen und Formulare aus.
„Als damals die Volksbefragung zum Braunkohleabbau in der Lausitz stattfand, haben wir nicht richtig aufgepasst und mitgemacht. Das darf uns nicht wieder passieren“, mahnte auch Hans-Georg von der Marwitz. Für ihn gehört der Stopp des Braunkohleabbaus zum Verzicht auf die CO2-Verpressung „logischerweise dazu“.
In einer Art persönlichem Resümee seiner Teilnahme an den Letschiner Mahnwachen erklärte der CDU-Politiker, er nehme aus der Runde „viele neue Freundschaften“ mit. Marwitz hob hervor, dass das gemeinsame Ziel, die CCS-Technologie zu stoppen, Menschen mit völlig verschiedenem politischen Hintergrund zusammengebracht habe. Und er dankte speziell der evangelischen Landeskirche für ihre Unterstützung des Protestes.
Zum Zeichen dafür erklangen auch am Sonntag wieder 350 Glockenschläge vom Letschiner Kirchturm. Die Zahl 350 steht für die Höchstgrenze für eine ungefährliche CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Inzwischen würden in 29 Brandenburger Orten die Glocken gegen CCS läuten, freute sich Mario Forner. In Letschin gab es das spezielle Läuten am Sonntag zum 100. Mal.
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Neueste Kommentare
21.05.2012 18:08:40 Skeptiker
Wenn er recht har, hat er recht!
21.05.2012 18:05:38 Martin Hampel
Sprachkompetenz
21.05.2012 18:02:48 Ulrike
Unfaßbar....
21.05.2012 17:53:06 Lothar
Wahrheit
21.05.2012 17:48:53 Pro SMC-Ausbau
@ Marco Habeck