(MOZ) Brigitte Horn, Kai-Uwe Krakau und Sabine Rakitin
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Bernau (MOZ) Schwere Kritik gab es in letzter Zeit gegen den Jugendklub Dosto. Er sei vor allem Treff junger, linksextremer Erwachsener, behauptet Petér Vida (Unabhängige). Die Klubleiterin dagegen beteuert, es gebe vielschichtige Projekte auch mit jüngeren Jugendlichen. Wir haben uns umgesehen.
Mittwoch, 2. November: Auf dem Programm steht heute der Mädchentreff und die Kreativwerkstatt (Fliesen besprühen, T-Shirtdruck, Kleidertauschbörse), ab 16 Uhr Kreativprojekte für alle. Gegen 15 Uhr sind neben Sozialarbeiterin Katrin Schudde lediglich drei junge Leute im Alter von etwa 20 Jahren im Klub, außerdem zwei Jugendliche, die die Computerarbeitsplätze nutzen. Sie habe alles abgesagt, erklärt Katrin Schudde. Grund sei, dass der Bernauer Ausschuss für Jugend, Soziales, Sport und Kultur am Nachmittag den Klub besuchen wolle, erklärt Katrin Schudde.
2007 hat die Stadt den neuen Jugendtreff auf dem Gelände des Kulturhofes an der Breitscheidstraße gebaut. Wie hoch die Investitionssumme genau ist, kann die Stadtverwaltung nicht sagen. Für das Kulturhofgelände insgesamt seien damalsrund ?1,4 Millionen Euro verbraucht worden. Die neuen Nutzer des Jugendklubs hätten viel in Eigenleistung eingebracht, heißt es aus dem Rathaus.
Vier Jahre danach sorgt der Zustand des Gebäudes für Kritik unter den Bernauer Stadtverordneten. „Die Toiletten sehen schlimmer aus als Bahnhofsklos“, erzürnte sich jüngst Frank Goral (CDU). Die WC‘s sind fast vollständig mit Graffiti besprüht, die ursprüngliche Farbe der Fliesen ist kaum mehr zu erkennen. „Das ist eben ein Jugendklub“, so die Begründung von Katrin Schudde. Man habe da offenbar andere Auffassungen von Jugendarbeit. „Die Jugendlichen gestalten ihre Räume sicherlich anders, als Erwachsene das tun würden.“
Ein Argument, dass Frank Goral nicht nachvollziehen kann. „Sie nutzen fremdes Eigentum. Wir müssen da offenbar in Zukunft besser drauf achten.“
Auf Stadtverordnete Sabine Schmalz (SPD), die dem Klub mit einigen Mitgliedern des Jugendausschusses am Mittwoch den besagten Besuch abstattet, macht das Dosto einen aufgeräumten Eindruck. „Ich finde es einem Jugendklub entsprechend. Nur kaputte Dinge, wie beispielsweise Toilettentüren sollten repariert werden“, sagt sie. Den Umgang mit Andersdenkenden jedoch könne sie so nicht hinnehmen. „Egal, ob es um Petér Vida oder Dirk Weßlau geht – niemand hat das Recht,?einen anderen so anzuprangern“, findet Sabine Schmalz.
Donnerstag, 3. November: Das Programm, veröffentlicht unter der Rubrik „Dostowoche“ auf der Internetseite des Jugendklubs, klingt vielversprechend: Ab ?14 Uhr gibt es die Kreativwerkstatt und Artistik-Jonglage, anderthalb Stunden später ist gemeinsames Kochen angesagt und um 16 Uhr findet das Feuershow-Treffen statt. Nur, für das Angebot scheint sich niemand zu interessieren. Gegen 16.30 Uhr liegt das „Dosto“ im Dunkeln, die Tür ist verschlossen.
Einen Tag später, Freitag, 4. November, ist dann wieder Leben im Klub auf dem Kulturhof an der Breitscheidstraße. Vor dem Gebäude diskutieren ein paar Jugendliche – ein Krisen-Treffen, sagt Katrin Schudde. In einem großen Raum sitzen ein paar Mädchen, etwa 13 oder ?14 Jahre alt, sie unterhalten sich. An zwei Computern beschäftigen sich wieder zwei Mädchen mit dem weltweiten Web. Im Band-Raum greifen zwei Jugendliche in die Saiten einer Gitarre. Von „Boxen am Boxsack“, das eslaut Plan am Freitagnachmittag ab ?15 Uhr gibt, ist weit und breit nichts zu sehen.
Am Montag, 7. November, klebt ein Zettel an der Eingangstür: „Liebe Gäste, vom 7. bis 11. November muss das Dosto leider geschlossen bleiben“. Eine Begründung gibt es dafür nicht. Die liefert Katrin Schudde einen Tag später, Dienstag, 8. November, telefonisch nach. Sie und ihr Kollege müssten die Pläne fürs kommende Jahr ausarbeiten, sagt sie, behauptet dann aber, der Klub sei trotz der angekündigten Schließung offen. Am Mittwoch, 9. November, ist der Zettel vom Eingang verschwunden. Die Tür ist am Nachmittag weit offen. Ungehinderter Zutritt für Jugendamtsleiterin Yvonne Dankert und Jugendhilfeplanerin Karin Marlik von der Kreisverwaltung, die gegen 15 Uhr zu einer unangemeldeten Kontrolle im Dosto erscheinen.
Seit gut einem Jahr nehmen sie die Einrichtungen der Jugendhilfe im Landkreis unter die Lupe, immer unangemeldet. Sie sehen sich beispielsweise die Rahmenbedingungen an, prüfen die Einhaltung des Kinder- und Jugendschutzes, die Qualifizierung der sozialpädagogischen Fachkräfte, die Qualität der Betreuung, aber auch, ob tatsächlich stattfindet, was in den Konzeptionen niedergeschrieben ist und ob die Einrichtung die Zielgruppe erreicht, für die ihre Angebote gedacht sind.
Bei den meisten Klubs habe es bislang keine oder nur geringfügige Mängel gegeben, sagt Jugendamtsleiterin Dankert. Bei stark problembehafteten Einrichtungen werde der Träger zur Auswertung einbestellt. Was die Prüfung des Dosto ergab, will sie konkret nicht sagen. Nur soviel: Anfang Dezember wird es in der Kreisverwaltung mit dem Vorstand des Trägervereins bif eine detaillierte Auswertung geben.
Die Arbeit in den Kinder- und Jugendeinrichtungen im Barnim ist seit diesem Jahr erstmals strengen Regeln unterworfen. Spezifisch, messbar, ausführbar, realistisch und terminiert (kurz: SMART) müssen die Vorhaben und Projekte sein. Wer keine klugen Konzepte einreicht, kann auch nicht mit Förderung rechnen. Dabei legt der Kreis vor allem auf familienfördernde Maßnahmen und solche Projekte Wert, die die Alltagskompetenz und die Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken. Zudem müssen nach einer Vorgabe des Landes etwa zehn Prozent der Jahresarbeitszeit der sozialpädagogischen Fachkräfte in Kooperationen mit Schulen fließen.
Im Falle des Dosto gibt es einen Kooperationsvertrag mit der Oberschule am Rollberg. In dem sei vereinbart, dass die Rollberg-Schüler nach dem Unterricht ins Dosto gehen können und dort Betreuung finden, sagt Schulleiterin Verena Kuhl. Doch derzeit ruhe der Vertrag. Zu den Gründen will sie sich nicht äußern.
Die Ziele ihrer Arbeit legen die Jugendeinrichtungen in sogenannten Umsetzungskonzeptionen fest. Das Dosto habe sich zu Beginn dieses Jahres mit seiner Konzeption auf „gesellschaftskritische Arbeit“ konzentriert, sagt Yvonne Dankert. „Das ist nach der Jugendhilfe-Planung für den Landkreises nicht tragbar.“ Die Stadt Bernau hingegen lege besonderen Wert auf diese gesellschaftskritische Arbeit. Das Dosto-Konzept musste dennoch entsprechend geändert werden. Denn Land, Kreis und Stadt finanzieren die Personalkosten der Einrichtungen gemeinsam.
Im Dosto gibt es 1,5 Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte. Vom Land kommen rund 15 Prozent, vom Kreis 30 Prozent und von der Stadt 40 Prozent des Geldes, den Rest finanziert der Trägerverein bif.
Aus dem Haushalt der Stadt beziehungsweise des Landkreises erhielt der Jugendklub in diesem Jahr nach Auskunft des Schulverwaltungsamtes 7000 Euro für Projekte der Jugendarbeit, 4500 Euro für Jugendsozialarbeit, 13?000 Euro für die Bewirtschaftung und den Erhalt des Jugendklubs und 1155 Euro für die Geschäftsbesorgung. Für das Haus auf dem Kulturhof zahlt der Verein bif den symbolischen Preis von einem Euro Miete im Monat. Die reguläre Jahresmiete in Höhe von 13?200 Euro verbucht die Stadt als internen Zuschuss.
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Neueste Kommentare
21.05.2012 18:08:40 Skeptiker
Wenn er recht har, hat er recht!
21.05.2012 18:05:38 Martin Hampel
Sprachkompetenz
21.05.2012 18:02:48 Ulrike
Unfaßbar....
21.05.2012 17:53:06 Lothar
Wahrheit
21.05.2012 17:48:53 Pro SMC-Ausbau
@ Marco Habeck