Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gojko Mitic liest in der Märchenvilla mit Eberhard Görner aus dessen Roman „In Gottes eigenem Land“

Defa-Chefindianer auf neuer Mission

© Foto: MOZ
boris kruse / 15.11.2011, 05:41 Uhr
(MOZ) Eberswalde (MOZ) Gojko Mitic ist als Indianerdarsteller zu einer Legende geworden. In zahlreichen Defa-Produktionen mimte der gebürtige Jugoslawe seit den 60er-Jahren Rothäute. Derzeit ist er mit dem Bad Freienwalder Autor und Filmemacher Eberhard Görner auf Lesereise. Boris Kruse befragte den „Winnetou des Ostens“ über seine Sicht auf den Umgang mit Indianer-Mythen.

Herr Mitic, was fasziniert Sie an seinem neuen Roman „In Gottes eigenem Land“?

Ich finde es großartig, dass sich mit Eberhard Görner überhaupt jemand daran gemacht hat, die Geschichte von Heinrich Melchior Mühlenberg zu recherchieren. Es ist außerordentlich interessantes Material, das Görner zusammengetragen hat, von den Anfängen in Deutschland bis zu seinem Wirken in Amerika. Sein Leben steht stellvertretend für die vielen deutschen Siedler, die nach Amerika ausgewandert sind.

Unter der Feder Eberhard Görners ist dieser Stoff zur Indianer-Geschichte geworden...

Bei Mühlenberg kommen eigentlich keine Indianer vor, aber Eberhard Görner war der Auffassung, man müsste auch deren Perspektive in dem Buch darstellen. So entstand die Idee, einen Indianerhäuptling in die Handlung einzubauen. Und ich finde, die Gestalt des Häuptlings ist sehr realistisch geraten.

Wie ist der Kontakt zu dem Autor zu Stande gekommen?

Ich kannte ihn lange Zeit eigentlich nur vom Hörensagen. Als Görner dann von den Franckeschen Stiftungen in Halle den Auftrag bekommen hat, das Leben Mühlenbergs aufzuarbeiten, hat er an mich gedacht. Und wie wir es bei unseren Lesungen erleben, gefällt es den Leuten scheinbar.

Denken Sie, dass dieses Buch eine geeignete Vorlage für eine Verfilmung wäre?

Ich bin überzeugt, dass es sich sehr gut verfilmen ließe. Der Stoff beinhaltet außerdem viel Wissenswertes über Amerika.

Wie haben Sie sich früher vor einem Filmdreh auf die unterschiedlichen Indianer-Kulturen vorbereitet, denen ihre Protagonisten angehörten?

Bei den Indianerfilmen der Defa wurde viel Wert auf Recherche gelegt. Die Produktionen waren einfach sehr gut vorbereitet. Die Helden waren oft historische Gestalten wie die Häuptlinge Osceola oder Tecumseh.

Sind Sie selbst einmal bei Indianervölkern zu Gast gewesen?

Ich habe zweimal Indianer in den USA besucht. Einmal war ich bei den Sioux in South Dakota, ein anderes Mal in Seattle bei den Makah. Das waren sehr schöne Begegnungen. Aber die Indianer leben natürlich heute ganz anders, als es in den Filmen dargestellt ist.

Haben Sie Erfahrungen mit den Delaware-Indianern?

Nein, einen Delaware habe ich auch noch nie gespielt.

Später waren Sie 15 Jahre lang bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg engagiert. Bemerken Sie einen Unterschied in der Rezeption der Indianer-Mythen zwischen Ost und West?

Durch die Fixierung auf Karl May und seine Gestalten wie Winnetou ist die Lagerfeuerromantik sehr in den Mittelpunkt gerückt. Das ist in Ordnung und es sind alles sehr gut gemachte Filme, aber der Gegensatz von Gut und Böse war so in der Realität nicht gegeben. Die Defa-Filme waren da einfach gründlicher im Umgang mit der Historie.

Wo fühlen Sie sich eigentlich mehr Zuhause – beim Film oder auf der Bühne?

Beides hat gute Seiten. Auf der Bühne merkt man sofort, wie das Publikum reagiert. Man kann mit der Rolle wachsen. Beim Film gilt: Wenn eine Szene einmal im Kasten ist, kann man es nicht mehr verändern.

Würden Sie an ihren Filmen heute etwas anders machen?

(Lacht) Oh ja, sicher. Aber so ist das wohl immer. Dieses Gefühl gehört einfach dazu.

Welche Rolle würden Sie gerne noch ausprobieren?

Ach, ich habe in meinem Leben schon viele schöne Rollen gespielt. Den Alexis Sorbas beispielsweise, nach dem Roman von Nikos Kazantzakis. In Schwerin. Als Schauspieler kann man sich eigentlich nur die Finger danach lecken.

Eberhard Görner & Gojko Mitic: In Gottes eigenem Land. Lesung am 25. November um 19 Uhr in der Märchenvilla, Brunnenstraße 9. Telefon: 03334 239231

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG