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Maria Neuendorff 21.11.2011 21:17 Uhr

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Gourmet-Zelt statt Wurst-Bude

Berlin (MOZ) Seit gestern duftet es wieder an vielen Ecken der Stadt nach Glühwein und Weihnachtsgebäck. Die ersten der etwa 60 Weihnachtsmärkte sind in die Saison gestartet. Als einer der schönsten gilt der „WeihnachtsZauber“ auf dem Gendarmenmarkt in Mitte.

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Waffelpaul (Paul de Haan) auf dem Weihachtszauber auf dem Gendarmenmarkt in Berlin,

© MOZ

Der Markt hat kaum zehn Minuten geöffnet, schon fliegen den Besuchern die ersten Häppchen entgegen. „Ohne Zucker, ohne Butter, ohne Weizen, ohne Geschmacksverstärker“, bewirbt Giuliano Bertuzzi das Stück Früchtebrot zwischen seiner großen Pinzette, das trotzdem süß schmeckt. „Das liegt an den geriebenen Äpfeln“, sagt der Händler mit dem roten Fleece-Turban stolz. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen ist er extra aus dem Spessart angereist, um in Berlins Mitte sein edles Gebäck feil zu bieten. Einen Vortrag über friedfertigen Landbau mit bodenfreundlicher Dreifelderwirtschaft bekommt der Gast zum Häppchen gratis.

Schließlich setzt der nostalgische Weihnachtsmarkt am Konzerthaus seit jeher auf Qualität. Neben den Märkten am Potsdamer Platz, an der Gedächtniskirche und am Charlottenburger Schloss ist er auch dieses Jahr wieder einer der ersten, der seine Pforten öffnet. Es sind vor allem Touristen, Rentner und Kita-Gruppen, die sich an diesem Vormittag auf dem Gendarmenmarkt verlaufen. Die preußischen Soldaten mit ihren Spitzhüten an den Eingängen wollen noch keine Karten sehen. Der eine Euro Eintritt für das tägliche Showprogramm mit Tenören, Kosaken und Ballerinas sowie für Charity-Projekte wird erst ab 14 Uhr verlangt.

Während die ersten Besucher gemächlich durch die großzügigen Gassen flanieren, ist unter den Händlern schon Hektik ausgebrochen. In und an den weißen beheizten und mit goldenen Herrnhuter Sternen geschmückten Zelten ist noch einiges zu tun. Die Tanne wird mit Zapfen dekoriert, Weinfässer mit künstlichem Schnee bestäubt, Lüftungsrohre mit Stoff ummantelt und der Feuerzangenbowle-Tresen mit Heinz-Rühmann-Bildern drapiert. Damen mit dicken Daunenwesten über der Schürze beschreiben die Kreidetafeln mit kulinarischen Köstlichkeiten.

Schließlich ist Weihnachten das Fest der Gaumen. Und auf dem Edel-Weihnachtsmarkt kann man leicht 28 Euro für das Entrecôte am weiß eingedeckten Tisch berappen. Pommes mit Cheddar und Soße heißt hier „Poutine“ (fünf Euro). „Für Sara Wiener reicht es nicht, aber wenigstens für eine Tüte Mandeln“, scherzt ein älteres Ehepaar und wärmt sich an einem Punsch.

All die feinen Häuser rund um den Platz wollen sich auch bei der neunten Auflage präsentieren, von Guy im Riehmers über Edelweiß Catering bis Luther & Wegner. „Es war gar nicht so einfach, hier noch einen Platz zu bekommen“, sagt Leander Roerdinik-Veldboom vom Hilton Berlin. Auch das Fünf-Sterne-Hotel ist nach langer Zeit wieder dabei. Vor Jahren habe man es schon einmal versucht, allerdings mit dem falschen Konzept, erzählt der Gastronom. Damals gab es Palmen statt Tanne. „Das hat natürlich nicht funktioniert.“ In „Leanders Wohnzimmer“ steht nun ein Imbiss-Wagen auf rotem Teppich. Statt Curry-Wurst gibt es Puten-Bratwurst mit Studentenfutter und Pommes aus Süßkartoffeln. „Die sind etwas gesünder“, erklärt Roerdinik-Veldboom.

Draußen vor der Tür hat „Waffelpaul“ sein Eisen angeheizt. Der Holländer lebt seit neun Jahren in Berlin. Eigentlich verdient er sein Geld mit Stadtführungen. Waffeln verkaufen sei eher ein Hobby, erklärt der 54-Jährige.„Ich muss doch in Deutschland Entwicklungshilfe leisten. Denn die Berliner kennen eigentlich nur die dicken belgischen Waffeln.“

Das holländische Gebäck dagegen ist pappedünn. Trotzdem schafft es Paul de Hann, die Waffeln mit einem großen Messer aufzuschneiden und innen mit warmem Sirup zu bestreichen. Neben den orangefarbenen Clogs, die als Serviettenständer dienen, teilt sich die holländische Fußballmannschaft von 1974 einen Fotorahmen mit Königin Beatrix. „So kommt man mit den Menschen leicht ins Gespräch“, sagt Waffelpaul.

Rund sechs Stunden steht er am Stück hinter dem Stand. Die Hitze des Waffeleisens lässt ihn das gut aushalten. „Nur untenrum trage ich manchmal drei paar Socken“, sagt Paul de Hann. Er mag die Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt. „Hier ist die ganze Welt zu Gast“, sagt er. Der Weihnachtsmarkt sei international, eben typisch Berlin.

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