Angermünde/Schwedt (MOZ) Angermünde/Schwedt. Katastrophale Ausmaße haben Firmendiebstähle erreicht. Komplette Lastwagen, Ausrüstungen und sogar Mähdrescher fallen gezielt vorgehenden Banden in die Hände. Dieselklau ist nicht mehr zu stoppen. Jetzt haben Unternehmer genug von den Zuständen im Grenzraum.
Dieselklau gehört zum Firmenalltag: Udo Schellner (l.) und Michael Branding haben jetzt eine Petition an den Landtag zur steigenden Kriminalität gestartet. Unternehmer in Uckermark und Barnim werden immer wütender.
Eine grenzenlose Wut macht sich breit. Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen klagen Firmeninhaber in der gesamten Uckermark über eine geradezu unvorstellbare Dreistigkeit von Dieben. Die Täter gehen gezielt und immer skrupelloser vor. Nichts ist sicher. Schäden aus immer häufiger werdenden Räubereien der vergangenen Jahre gehen inzwischen in die Millionen. Kleine Handwerksfirmen stehen vor dem Ruin. Die Wirtschaft eines ganzen Landkreises wird dramatisch gefährdet.
Während die ersten Unternehmer bereits von Selbstjustiz sprechen, gehen andere Firmenchefs in die Öffentlichkeit. „Das Maß ist voll“, schimpft Udo Schellner. Die teuren Maschinen seines Angermünder Holzeinschlagbetriebs kann er nirgends unbeaufsichtigt stehen lassen. Es verschwinden Teile, Kraftstoff, komplette Werkzeugausstattungen. Hinzu kommt der Schaden durch den Technikausfall. „Wir haben keine Lust mehr, uns das länger gefallen zu lassen“, ärgert sich Schellner. „Jede Nacht verschwinden im Wahlkreis von Herrn Platzeck 10?000 Euro nach Polen und die Politik spricht auch noch von Erfolgen für den Grenzraum und kürzt die Polizei.“
Gemeinsam mit Michael Branding von der Brandenburger Landtechnik GmbH in Kerkow hat Udo Schellner jetzt eine Petition an den Landtag verfasst. Unternehmer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, heißt es darin. „Unsere Wettbewerbsfähigkeit sinkt in dem Maße wie die Kriminalität steigt.“ Die Reaktion zwischen Schwedt und Eberswalde ist enorm. Jede Firma notiert ihre aufgelaufenen Schäden. Summen zwischen 1000 und 150?000 Euro halten Betriebsleiter auf Unterschriftenlisten fest. Hinter jeder Zahl verbergen sich Wut, Angst, Enttäuschung und wachsende Unsicherheit.
Am schlimmsten trifft es Bauunternehmen, Landwirtschaftsbetriebe und Autohändler. Einem Angermünder Tiefbauer kamen gleich zwei komplette Lastwagen abhanden. Schaden: ?125?000 Euro. Versicherungen zahlen nur noch Zeitwert und erhöhen den Eigenanteil. Auf ?80?000 Euro blieb die Firma sitzen. Ein Handwerker in der Umgebung büßte seinen nagelneuen Lieferwagen samt Ausrüstung ein. Kommentar: „Ein Jahr umsonst gearbeitet.“ Nachts rollen Mähdrescher und Traktoren im Wert von mehreren Hunderttausend Euro auf Tiefladern ungehindert ins Ausland. Die Täter können GPS-Empfänger und Alarmanlagen ausschalten.
In Schwedt entdeckte ein vorsichtiger Audi-Besitzer sogar einen am Unterboden installierten Sender. Organisierter Autoklau auf Bestellung. „Jedes Autohaus zwischen Schwedt und Angermünde ist betroffen“, zählt Michael Branding auf. Einer Spezialfirma in Angermünde holten die Banden sogar einen Messwagen im Wert von 150?000 Euro vom Hof. Bei der Brandenburger Landtechnik in Kerkow werden bei Anlieferung neuer Maschinen sämtliche Anbauteile vorsorglich demontiert, um Diebstähle zu verhindern.
Aus Wäldern verschwindet lastwagenweise Holz. Bootsmotoren bekommen Beine. Selbst Solaranlagen gehören zur Beute. Landwirte lassen Diesel am Abend aus den Traktorentanks ab. Verschließen hat keinen Zweck, dann ist der Vandalismusschaden höher. Oder die Täter kippen aus Wut einfach Sand hinein. „Dieselklau melden wir schon gar nicht mehr“, winkt Udo Schellner ab. In den Schränken der Betriebe stehen Aktenordner voller eingestellter Verfahren.
Auch wenn die Firmenchefs manche Ermittlung als geradezu schlampig bezeichnen, wollen sie der Polizei nicht allein die Schuld zuweisen.
„Schuld ist die Politik“, sagt Michael Branding. „Deshalb fordern wir mehr Polizeipräsenz und eine konsequente Ausschöpfung der juristischen Mittel bei der Bestrafung der ermittelten Täter.“ Andernfalls droht die Wirtschaft der Uckermark mit Konsequenzen: „Dann fahren wir eben die Betriebe herunter und müssen Leute entlassen“, sagt Udo Schellner.
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Neueste Kommentare
21.05.2012 18:08:40 Skeptiker
Wenn er recht har, hat er recht!
21.05.2012 18:05:38 Martin Hampel
Sprachkompetenz
21.05.2012 18:02:48 Ulrike
Unfaßbar....
21.05.2012 17:53:06 Lothar
Wahrheit
21.05.2012 17:48:53 Pro SMC-Ausbau
@ Marco Habeck