Frauenhagen/Biesenbrow (MOZ) Schon von Weitem war zu sehen, dass die trächtige Kuh ein Problem hatte. Offenbar kam das Kalb nicht von allein heraus, hatte sich möglicherweise verdreht. Das gestresste Tier suchte abseits der Herde einen ruhigeren Platz und verschwand dann aus dem Blickwinkel.„Die braucht Hilfe“, so Bauer Maik Manke. Seit Tagen verfolgt er das Drama auf den Ländereien eines angrenzenden Agrarbetriebs. Auf der betreffenden Koppel in den Wiesen von Frauenhagen und Biesenbrow verenden immer wieder Pferde und Rinder, die sich völlig selbst überlassen sind. Dann das Unvermeidliche: Die kalbende Kuh überlebte nicht. Sie ist das vierte Opfer innerhalb von zwei Wochen.
Nachdem das Kreisveterinäramt bereits einen zerflederten Pferdekadaver vom Abdecker abholen ließ, hat der Amtstierarzt nach einer erneuten Besichtigung auch die Beseitigung aller weiteren toten Tiere veranlasst. Eine Kuh hat Nachbar Maik Manke im Wasser der Sernitz entdeckt. Die muss dort schon vor längerer Zeit ertrunken sein. Ein Ohr fehlte bereits. Sie stank entsetzlich.
„Dieser Zustand ist unhaltbar“, schimpft Manke. „Was passiert wohl, wenn erst das Wasser durch die Kadaver verseucht wird?“ Die Sernitz mündet in die Welse und fließt weiter zur Oder.
Inzwischen begutachteten auch Pferdefreunde, Tierschützer und Tierärzte aus der Umgebung die Todes-Koppel bei Frauenhagen. „Kein Futter, kein Wasser, die Koppelzäune sind heruntergetreten – schlimm“, so Cathlen Tetzner aus Kunow. „Für mich als Pferdefreundin war das ganze Wochenende gelaufen. Ich verstehe nicht, warum man solchen Tierhaltern nicht das Handwerk legt.“
Tatsächlich beschäftigen die elendig verendeten Tiere auf dem immer gleichen Gelände bereits seit Jahren Veterinäramt, Tierschutz, Gerichte und die Bahn. Denn die ausbrechenden Rinder und Pferde legen auch permanent die Stettiner Bahnlinie lahm. Der Bauer erhielt ein Tierhalteverbot. Inzwischen soll eine auswärts wohnende Halterin die Bewirtschaftung vor Ort übernommen haben. Sie war allerdings für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
„Das alles ist hier eine große Katastrophe“, so Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverbands Tierschutz. Er kam aus Berlin, um sich die Tierhaltung bei Frauenhagen anzusehen. „Wer solche großen Bestände hält, ist verpflichtet, täglich danach zu sehen.“ Nach seiner Ansicht müsse sich das Veterinäramt die regelmäßige Betreuung der Pferde und Rinder notfalls sogar protokollieren lassen.
Nach Angaben des Bundesverbands Tierschutz sind auf der Weide bei Frauenhagen wesentliche Voraussetzungen der Tierhaltung nicht gegeben. Entsprechend einer Einschätzung von Dr. Jörg Styrie fehlen Pferden und Rindern Futtergrundlagen und Wassertränke. Ebenso sei eine Geburtshilfe bei Komplikationen nicht gewährleistet. Dadurch könne es zu den jüngsten Todesfällen gekommen sein. Eine ausreichende Betreuung der Bestände (vermutlich mehr als 150 Tiere) fehle. Styrie fordert das Veterinäramt auf, den Tierschutz sofort umzusetzen.
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