Frauenhagen (MOZ) Durch das Treiben eines einzigen Bauern gerät die gesamte Landwirtschaft der Uckermark in Verruf. Tagelang liegen elendig zugrunde gegangene Tiere unter offenem Himmel. Krähen zerfetzen ihre blutigen Leiber. Im Wasser der Sernitz treiben aufgedunsene Kadaver. Wer es sieht, schüttelt sich vor Ekel.
Tierschützer, private Veterinärärzte, Pferdefreunde, Bauern und Anwohner reagieren mit Empörung auf die Vernachlässigung von weit über 150 Rindern und Pferden, die nach Angaben des Bundesverbands Tierschutz ohne ausreichende Nahrungsgrundlage und ohne Tränke auf einer abgefressenen Koppel gehalten werden. Seit Jahren beschäftigt der Betrieb ganze Behörden, Polizei und Tierärzte. Sogar Menschenleben gerieten in Gefahr, weil immer wieder der Triebwagen auf der Stettiner Eisenbahnlinie zum Nothalt gezwungen wurde.
Obwohl der Bauer aus Frauenhagen per Gerichtsbeschluss kein einziges Pferd und kein Rind mehr halten darf, geht das Elend weiter. Denn eine neue Eigentümerin – angeblich aus der Prignitz – bewirtschaftet die betreffenden Flächen. Und da gegen sie das Tierhalteverbot nicht wirkt, laufen jetzt neue Ordnungs- und Bußgeldverfahren.
Landrat Dietmar Schulze, selbst leidenschaftlicher Landwirt, schmerzt das Desaster. Er hat sich bei einer Krisensitzung mit seinen Veterinärärzten in der Kreisverwaltung einen Überblick über das Tierdrama in Frauenhagen verschafft. Demnach liegt hier ein mehrfacher Verstoß gegen die Tierkörperbeseitigungspflicht vor. Eingeschläferte oder verendete Pferde und Rinder wurden nicht sofort vom Abdecker abgeholt, sondern tagelang im Wasser und auf der Weide liegengelassen.
„Ich bin sehr froh, dass Bauer Manke und andere Menschen aus der Bevölkerung uns helfen, gegen diese Missstände vorzugehen“, so Dietmar Schulze. Wenn sich die Lage auf der vernachlässigten Wiese weiter zuspitzt, ist mit weiteren Todesfällen zu rechnen.
Rein rechtlich fängt die Kreisverwaltung wieder beim Punkt null an, will man ein neues Tierhalteverbot erreichen. Eigentlich hatte man gehofft, mit dem Eigentümerwechsel bessere Zustände zu bekommen. Doch durch den bisherigen Instanzenweg könnte der Gerichtsweg zügiger ablaufen, hoffen Juristen und Tierschützer.
Eine von wütenden Bürgern geforderte Enteignung steht völlig außer Frage. Nach Auskunft der Kreisverwaltung sei das nicht ohne Weiteres durchzusetzen. Auch die Kreisärzte befinden sich in der Klemme. Da Tiere nicht sprechen können, können sie auch nichts über ihre Lage berichten. Und der Zustand der Tiere scheint nicht ausnahmslos mies. Das kann sich bei Wetterverschlechterung und Futtermangel schlagartig ändern.
Der Wasser- und Bodenverband „Welse“ hat es mittlerweile aufgegeben, an die Vernunft des betreffenden Bauern zu appellieren. Denn durch ihren Durst beschädigten die Tiere immer wieder Grabenböschungen und das Sernitzufer. Ursprünglich ließ der Verband sogar einen Wasserzugang für die Tiere an den Gräben bauen. „Was hier läuft, ist eine einzige Schweinerei“, so Karsten Stornowski, Chef des Wasser- und Bodenverbands.
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