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Berliner Erfinder brauchen Geduld und Geld

Maijan Jordan, einer der beiden Geschäftsführer und Gründer des Erfinderladens Berlin, zeigt Milch-Puzzles in Flaschen, jeweils 266 milchweiße Teile.
Maijan Jordan, einer der beiden Geschäftsführer und Gründer des Erfinderladens Berlin, zeigt Milch-Puzzles in Flaschen, jeweils 266 milchweiße Teile. © Foto: dpa
dpa / 12.04.2014, 07:21 Uhr
Berlin (dpa) In Berlin werden wenige Patente angemeldet. Kosten und Zeitaufwand gelten als abschreckend hoch. Neue Apps und andere pfiffige Erfindungen gibt es trotzdem.

Der erste Computer, der erste Fernseher, das erste Kondom - viele große Erfindungen stammten aus Berlin. Heutzutage ist die Hauptstadt nach der Anzahl von Patentanmeldungen bundesweit nur Mittelmaß, bei den Erfindungen im Bereich Elektrotechnik sieht es besser aus, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Deutsche Firmen und Erfinder haben dem Deutschen Patent- und Markenamt zufolge im vergangenen Jahr 47 336 Patente angemeldet. Davon kamen 897 aus Berlin und damit 41 mehr als im Vorjahr, aber 35 weniger als 2008. Der Anteil Berliner Erfindungen an allen Patentanmeldungen in Deutschland lag 2013 bei 1,9 Prozent. Das macht 27 Anmeldungen pro 100 000 Einwohner - weit weniger als der bundesweite Schnitt von 59. Drei Viertel der Anmelder hatten ihren Sitz in Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen.

Auch Katharina Krist vom Erfinderhaus Berlin stellt fest, dass sie die meisten Anfragen aus diesen Bundesländern bekomme. Gut 200 Erfinder betreue die Patentvermarktungsagentur jährlich, berichtet sie. In den letzten beiden Jahren seien nur 15 Erfinder aus Berlin darunter gewesen, insgesamt kämen wenige aus den östlichen Ländern. Mit einer Erklärung dafür tut sich Krist schwer. "Im Prinzip kann jeder Erfinder werden", sagt sie. Die entscheidenden Faktoren seien Kreativität, Mut, Geduld und vor allem auch der finanzielle Hintergrund. Eine Patentanmeldung könne gut und gerne anderthalb Jahre dauern - und sie sei teuer.

Der Berliner Tüftler Lieven Glimpel ist im vergangenen Juni in das Verfahren der Patentanmeldung für seine Erfindung, die "Hundeparkscheibe", eingestiegen. Seitdem hat er etwa 12 000 Euro für die Patentamtsgebühren, einen Patentanwalt, die Betreuung durch das Erfinderhaus und die Herstellung eines Prototyps ausgegeben. Die "Hundeparkscheibe" ist eine mit einem Thermometer ausgestattete Anzeige. Sie kann in einem parkenden Auto angebracht werden, in dem ein Hund sitzt. Sie macht für Passanten sichtbar, wie lange das Tier bei welcher Temperatur ausharrt und löst einen Alarm aus, wenn kritische Werte erreicht sind. Glimpel hofft, bald einen endgültigen Bescheid des Patentamtes zu bekommen, um die "Hundeparkscheibe" produzieren und verkaufen zu können.

Nach der Studie "Technologieradar" der Technologie Stiftung Berlin aus dem vergangenen Jahr hatte der Bereich Elektrotechnik mit 33,8 Prozent den größten Anteil an den Berliner Erfindungen seit 1993. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil von Erfindungen aus diesem Bereich bei 24,7 Prozent. Berlin trage daher zu Recht den Spitznamen "Silicon Allee", urteilten die Autoren der Studie. Die Computer-Technologie habe sich mit einem Wachstum von 3,3 Prozent binnen zehn Jahren in Berlin von allen Technologiefeldern am dynamischsten entwickelt.

Im Erfinderhaus meldeten sich immer mehr Menschen mit Ideen für Apps, erzählt Katharina Krist. Den wenigsten könne man helfen, da es schwierig sei, solche Ideen schützen zu lassen. Bei drei Berlinern hat es geklappt. Im März erhielten die Informatiker Sebastian Winkler, Christian Beier und Benjamin Werner für ihre App "Shoutr" den ersten Preis des CEBIT Innovation Award. Diese App ermöglicht den drahtlosen Austausch von Bildern und Musik mit Smart-phones und anderen mobilen Endgeräten.

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