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Pflegedienst findet totes Ehepaar / Leichen weisen Schussverletzungen auf / Suizid vermutet

Familiendrama in Rauen

Grausiger Fund: Am Nachmittag trugen Bestatter die Leichen der Eheleute aus dem Haus.
Grausiger Fund: Am Nachmittag trugen Bestatter die Leichen der Eheleute aus dem Haus. © Foto: moz
Manja Wilde / 13.11.2014, 20:46 Uhr
Rauen (MOZ) Ein Familiendrama hat sich in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag in Rauen abgespielt. Am Morgen fand ein Pflegedienst die Leichen eines älteren Ehepaares. Beide Personen wiesen Schussverletzungen auf. Vermutet wird, dass ein Partner zunächst den anderen und dann sich selbst erschossen hat.

"Als der Pflegedienst am Abend kam, war noch alles in Ordnung. Am Morgen hat er dann die Leichen gefunden", sagt Staatsanwältin Dorina Dubrau, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die Ermittler fanden am Tatort eine Waffe, die nun näher untersucht wird. Sowohl die Frau als auch der Mann wiesen Schussverletzungen auf, sagt die Staatsanwältin. Ob die Schüsse die Todesursachen sind, werde nun geprüft. Ebenso, ob es sich um einen erweiterten Suizid handelt - bei dem ein Partner zunächst den anderen und dann sich selbst tötete. Oder ob es Einwirkungen eines Dritten gab, sagt Dorina Dubrau. Der erste Eindruck weise aber auf einen Suizid hin.

Von außen sieht das kleine Einfamilienhaus, in dem sich die Tat abspielte, eher unscheinbar aus. Im Vorgarten verlieren die dichten Bäume und Sträucher langsam ihr Laub. In der Luft liegt das permanente Rauschen der nahen Autobahn. Dass in den Räumen irgendwann zwischen Mittwochabend und Donnerstagmorgen Schüsse fielen, haben nicht einmal die Nachbarn mitbekommen. Ein Mann verweist auf den Lärm der Autobahn. Eine Frau sagt, dass sie nur gesehen hat, dass am Morgen erst ein Krankenwagen, dann ein Notarzt in die kleine Straße einbogen. Gedacht habe sie sich dabei aber nicht. Später stand ein Fahrzeug der Kriminalpolizei vor dem Gebäude. Männer und Frauen in weißen Ganzkörperanzügen gingen durch die Räume, suchten nach Spuren. Gegen 14 Uhr trugen Bestatter die beiden Leichen aus dem Haus.

Das Paar habe sich in einer schwierigen Situation befunden, berichten Nachbarn. Die Frau litt an einer schweren Krankheit, konnte sich zeitweise nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Nun stand auch für den Ehemann eine Operation an. Er versuchte vergeblich, für seine Frau eine Tagespflegestelle in einem Altersheim zu bekommen, nennen Menschen, die das Paar kennen, mögliche Hintergründe für das Drama. Zudem sollen sich Säbel und Pistolen in einer Vitrine im Haus befunden haben. Die Staatsanwältin wollte die möglichen Hintergründe der Tat weder bestätigen noch dementieren. "Sie werden geprüft", sagt Dorina Dubrau.

Obwohl die Polizei laut einem Sprecher nicht von einem Tötungsverbrechen ausgeht, gehört der Fall statistisch gesehen in die Rubrik "Straftaten gegen das Leben". Für das Jahr 2013 weist diese für den Schutzbereich Oder-Spree/Frankfurt (Oder) 15 Fälle aus, für 2012 sind es drei. Für das Jahr 2011 sind 11 Fälle erfasst, für 2010 ebenfalls.

Zuletzt erschütterte die Öffentlichkeit der Fall eines vierjährigen Mädchens, das im April 2012 tot in einer Wohnung in Erkner lag. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass die Mutter des Kindes dessen Tod herbeigeführt hatte. 2005 sorgte der Absturz eines Doppeldeckers über dem Reichstag für Schlagzeilen. Die Gründe für den spektakulären Freitod fanden die Ermittler später in Erkner. Dort lag die Ehefrau tot im Keller; sie musste offenbar sterben, weil sie ihren Mann verlassen wollte.

Kommentare

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egal 14.11.2014 - 07:32:59

Armes Deutschland

falls die vermuteten Gründe bzgl. des fehlenden Tagespflegplatzes und der damit verbundenen Angst vor der Zukunft stimmen.

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