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Start ins Getreidemeer

Langsam ziehen die Mähdrescher der Agrarproduktion Grünow (bei Prenzlau) über die Felder.
Langsam ziehen die Mähdrescher der Agrarproduktion Grünow (bei Prenzlau) über die Felder. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 07.07.2015, 20:00 Uhr
Grünow (MOZ) Ein Drittel des Brandenburger Weizens wächst im Landkreis. Ein Viertel des Rapses und ein Fünftel der gesamten Wintergerste. Die Uckermark ist die Kornkammer des Landes. In diesen Tagen starten die Bauern die Mähdrescher, um den Lohn ihrer Arbeit zu ernten.

Es juckt den Landwirten in den Fingern. Wenn die Sonne lacht und ein frisches Lüftchen über die Ähren pfeift, trippeln sie unruhig mit den Füßen. Die Tore der Landtechnikhallen stehen offen. Und wenn der Chef nickt, starten die schweren Maschinen auf die Sekunde ihre Erntefahrt durchs Getreidemeer.

Den Anfang in der Uckermark machte in diesem Jahr die Agrarproduktion Grünow bei Prenzlau. Das ist schon symbolisch, denn im September startet hier das Kreiserntedankfest. Bis dahin will man fertig sein, um feiern zu können. Der Betrieb bewirtschaftet 1700 Hektar. Doch nach einer Stunde lässt der Chef die Drescher wieder ausschalten. Das Getreide ist wider Erwarten doch noch ein wenig zu feucht. "Aber die Ernte fängt in der Uckermark ja auch traditionell am Sonnabend an", weiß Ehrenfried Hartwig, Leiter des Landwirtschaftsamtes der Kreisverwaltung. Hartwig sitzt mit Basecap auf einem Traktoranhänger auf einem grünen Hügel bei Grünow. Neben ihm die Landwirte aus dem Bauernverband. Sie wissen, dass die kommenden Wochen entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der Agrarunternehmen sind. Spielt das Wetter mit, klingelt es in den Kassen.

Eine Rekordernte wie im Vorjahr wird es wohl nicht. Zwar fiel der Winter aus landwirtschaftlicher Sicht komplett aus, was sich auf die Gesundheit der Druschfrüchte auswirkte. Jedoch fehlte im Mai und Juni der Regen. So konnten die Betriebe jede Menge Pflanzenschutz einsparen. Aber sie rechnen mit geringeren Erträgen, weil die Qualität des Getreides nachlässt. Und auf leichteren Böden kann es Ausfälle bis zu 50 Prozent geben, schätzt Manfred Mesecke, Vorsitzender des Bauernverbands Uckermark. Allerdings ist die Zeit noch zu früh für genauere Prognosen zum Ernteausgang.

Rund eine Woche später als im Landesdurchschnitt starten die Mähdrescher auf den guten Böden der Uckermark. Hier wächst ein gewichtiger Teil des gesamten brandenburgischen Getreideanbaus. Vor allem Brotgetreide. Fast ein Drittel des Weizens, ein Viertel vom Raps, ein Fünftel der Wintergerste - diese Zahlen zeigen die Bedeutung des Agrarkreises im Norden des Landes.

Einwohner und Gäste müssen in den kommenden Wochen mit der Landwirtschaft leben. Die Traktoren und Drescher sind groß, laut, schwer, langsam und machen Staub. "Wir bitten alle Leute um Verständnis", so Friedhelm Rogasch, Geschäftsführer des Bauernverbands Uckermark. "Wir müssen wegen der von uns erwarteten Qualitäten zügig ernten, also auch in den Nachtstunden."

Obwohl sich die Agrarpolitik der EU mal wieder einige Besonderheiten einfallen ließ, bleiben die Bauern optimistisch. Die Anbaukulturen haben sich kaum verändert. Auffällig ist die steigende Fläche für Hafer, was aber dem sogenannten Greening geschuldet sein dürfte. Bauern müssen einen bestimmten Teil ihrer Flächen mit klimaschutzfördernden Methoden bewirtschaften. Wenn Stilllegungsflächen aber länger als fünf Jahre still liegen, werden sie als Grünland bewertet. Das müssen die Bauern verhindern. Die Folge: Hafer. Oder Erbsen und Bohnen.

Die neuen Regelungen führen bei den Bauern zu Frust. Einige von ihnen haben gerade rund um die alten Sölle, an Waldrändern oder in Senken bewusst auf eine Bewirtschaftung verzichtet, um die Natur zu schonen. Es gab sogar Beteiligungen an wissenschaftlicher Forschung. Jetzt richten sich die EU-Vorgaben genau gegen solche freiwilligen Leistungen. Grüne Streifen verschwinden unter dem Pflug aus Furcht vor Flächenverlust. "Das ist bitter", sagt Friedhelm Rogasch.

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