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Erntejagd: Kugelhagel in Perwenitz

Besserer Überblick: Jäger nutzen auch Hochsitze.
Besserer Überblick: Jäger nutzen auch Hochsitze. © Foto: MZV/Lindl
S. Schulz / T. Lindl / 27.07.2015, 23:20 Uhr
Perwenitz (MZV) Zwei Welten prallten im Schönwalder Ortsteil Perwenitz aufeinander. Bei einer Erntejagd trafen Schützen auf empörte Anwohner, die nicht nur um ihre eigene Sicherheit fürchteten, als keine zehn Meter vom Ortsrand entfernt plötzlich gut zwei Dutzend Wildschweine aus den Rapsfeldern in alle Himmelsrichtungen liefen.

"Die Kugeln pfiffen, und angeschossene Tiere rasten aus dem Feld über die Straße. Dass es dabei nicht zu einer Kollision kam, war ein Wunder", verschaffte Anwohnerin Anina Michalski ihrem Entsetzen Luft. "Die Jäger haben sich aufgereiht und alles abgeknallt, was von den Erntefahrzeugen aus den Feldern getrieben wurde. Manche von ihnen hatten sogar Kinder zu dieser grausamen und gefährlichen Aktion mitgebracht!" Die Polizei habe einen entsprechenden Notruf lediglich zur Kenntnis genommen. Das Ganze geschah am Freitag um 17 Uhr, einer Uhrzeit, zu der Straßen und Wege rund um Perwenitz durchaus belebt sind, in der Nachbarschaft die Pferde auf der Koppel stehen und auch auf der nahegelegenen A10 der Berufsverkehr rollt.

Stephan Otten, Betriebsleiter bei der Agro-Glien GmbH, der die Felder gehören, versteht die Aufregung nicht: "Wenn ein Jäger die Jagd gepachtet hat, dann darf er da auch Schweine schießen, das ist völlig legitim. Wir haben am Freitag dort Raps gedroschen und den Jägern vorher Bescheid gesagt. Es gibt immer jede Menge Aufregung, wenn wir irgendetwas auf den Feldern machen, diese Leute sind einfach total abgedreht."

Zur Vermeidung von Wildschäden kann eine Reduzierung des Wildbestandes notwendig sein. Dies sieht das Jagdrecht so vor. Eine Erntejagd, bei der ein Raps- oder Maisfeld quasi umstellt wird, um die Rotte dann beim Ausbrechen zu schießen, gilt dabei als effektive Methode, Überpopulationen zu vermeiden.

"So etwas geht nur ad hoc. Der Landwirt entscheidet nach Wetterlage, die Jäger halten sich bereit für ein Treffen. Eine solche Jagd muss geduldet werden, denn der Jäger ist verpflichtet, den Schwarzwildbestand gegebenenfalls zu reduzieren. Das Umherlaufen in dem Bereich kann unter Umständen sogar eine Behinderung der Jagd darstellen - der Jäger könnte theoretisch die Polizei rufen", erläutert Udo Appenzeller, Präsidiumsmitglied des Landesjagdverbandes Brandenburg, auf Anfrage.

Dennoch scheint die Erntejagd auch unter Jägern ein umstrittenes und kontrovers diskutiertes Thema zu sein - nicht zuletzt deshalb, weil es genau diese Jagden sind, die jährlich die meisten Unfälle fordern. "Die Erntejagd ist eine der gefährlichsten und dynamischsten Jagden überhaupt", warnt etwa ein Infoblatt des Kreisjagdverbands Nordwestmecklenburg. Am Freitag ist wohl alles gut gegangen. Offenbar haben da eine Menge Leute eine große Portion Glück gehabt.

Leserforum

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Kopf ab Holzkeule oder Schuss 30.07.2015 - 09:27:06

Ich glaube

wenn das allgemeine Urteil dann zu trifft, isst die Mehrheit vorläufig nur noch vegan. Wenns dann später aus dem Hals heraus guckt, wird wieder zur Fleischmahlzeit übergegangen. Ja ja. Jeder sollte mal beim Töten eines Tieres dabei gewesen sein, um entscheiden zu können, ob er dann noch Fleisch essen möchte.

Landwirtin 30.07.2015 - 08:23:59

Untere Jagdbehörde

Wer schießt und gefährdet dabei Menschen, ist ein Fall für die untere Jagdbehörde. Dem gehört der Jagdschein entzogen. Dank der intensiven Landwirtschaft mit endlosen Maisfeldern wird diese Vermehrung der Wildschweine erst möglich. Biber werden auch von Wölfen gefressen. Nicht jeder Jäger ist ein Trophäenjäger, sondern sieht die Hege als seine Aufgabe. Es gibt Jäger, die zahlen für Trophäen abartige Preise und finden Spass am Morden. Politiker rufen immer zu dem auf, was die Lobbyisten Ihnen erzählen oder sind selber Jäger. Jeder sollte mal beim Töten eines Tieres dabei gewesen sein, um entscheiden zu können, ob er dann noch Fleisch essen möchte.

Brandenburger Jäger 29.07.2015 - 16:51:28

Liebe " MOZ "

.... Am Freitag ist wohl alles gut gegangen. Offenbar haben da eine Menge Leute eine große Portion Glück gehabt..... Vielleicht haben die ortsansässigen Jäger auch einfach Alles nur richtig gemacht! Was soll diese dämliche Fragestellung? Passt hier jemandem das nicht?

gluema 29.07.2015 - 11:18:05

Grüne Ökoterroristen

Das größte Risiko bei der Jagd sind solche fanatischen Ökoterroristen, die sich über alles und jeden aufregen können. Auf dem Land gehört die Landwirtschaft und genauso die Jagd zum täglichen Geschäft dazu. Dann sollt ihr Grünen nicht aufs Land ziehen sondern direkt neben euren Biomarkt in der Stadt. Aber wehe wenn der Vorgarten von einer Rotte Wildschweine verwürstet wird, oder gar noch vor das Auto rennt und Totalschaden ist, dann ist das Geschrei dieser Ökofanatiker riesengroß. Ein Jäger weiß, wie er die Wildtierpopulation auf ein erträgliches Maß für Mensch und Natur reduzieren könnte, wird aber durch diverse grüne Vollidioten eingebremst. Bestes Beispiel ist hier ein Bibermanager, damit die Plage genauso unkontrollierbar wird wie in Polen. Ich hoffe spätestens beim nächsten Hochwasser werden einige grüne Vollidioten mit Ihren Häuser bis zum Dach absaufen, weil das Wasser nicht mehr abfließen kann durch unzählige Biberdämme im Oderbruch. 90% der Ökos haben soviel Ahnung von Natur wie eine Kuh von Quantenphysik. Hauptsache meckern und große Klappe haben.

Leser 28.07.2015 - 19:05:06

der deutsche Wutbürger schlägt zurück

Wie können die Jäger auch auf Wildschweine schießen und die auch noch treffen? Die Politik ruft nicht zuletzt wegen der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Osteuropa zur verstärkten Bejagung und damit Reduzierung der Wildschweinbestände auf. Und jetzt gehen diese Jäger einfach her und setzen diese Forderung am hellichten Tage um. Ein Skandal! Und dann nehmen diese Jäger auch noch Kinder mit und zeigen denen, dass ein Wildschweinbraten nicht von selbst in die Pfanne springt. Unerhört! Wo Jäger nicht so erfolgreich sind und die Sauen innerorts die Gärten umdrehen, schreibt der nächste Schreiberling von unfähigen "Hobbyjägern", die mit der Aufgabe der Wildbestandsregulierung überfordert sind. Auch das natürlich und sicher ein Skandal! Bitte mehr Sachlichkeit bei solchen Berichten. Das ist hier noch die MOZ und nicht BZ oder Bild.

Die 3 !!! 28.07.2015 - 09:07:40

Das ist doch kein Krieg oder kein Kriegsgebiet

Ich finde die Überschrift schon beleidigend, ebenso den Abschlusssatz, dass eine Menge Leute sehr viel Glück hatten. Von den Anwohnern scheint sich niemand zu fragen wie Fleisch in den Laden und somit auf den Teller kommt. Jagen ist ein altes Kulturgut welches es zu erhalten gilt. Es ist richtig, dass es eine schnelle, sich stets wandelnde Jagd ist, bei der aber nicht wahllos geballert wird. Jäger sind verpflichtet alle Risiken abzuwägen und wenn man sich nicht sicher ist, kann auch nicht geschossen werden. Das zeigt das Verhalten der Jäger, denn es ist ja nicht zu Schaden gekommen, trotzt des oben erwähnten Munitionsvernichtungsschiessen.

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