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Metallbildhauer Eckhard Herrmann führt Feinschliff an Vier-Meter-Statue aus / Umzug im Oktober vereinbart

Neptun schmückt Anklamer Kreisel

Einsatz auf der Leiter: Eckhard Herrmann bearbeitet den Ölmantel aus Edelstahl, den Neptun trägt. Für jede Lageänderung benötigt er einen Flaschenzug.
Einsatz auf der Leiter: Eckhard Herrmann bearbeitet den Ölmantel aus Edelstahl, den Neptun trägt. Für jede Lageänderung benötigt er einen Flaschenzug. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 24.08.2015, 20:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) In Anklam wird mitten auf einem Kreisverkehr ein überlebensgroßer Neptun Durchreisenden den Weg zur Ostsee weisen. Der Eberswalder Metallbildhauer Eckhard Herrmann arbeitet unter Hochdruck an der Statue für die Hansestadt, in der er bereits Otto und Gustav Lilienthal ein Denkmal setzen durfte.

Der Meeresgott aus Edelstahl bringt es auf stattliche vier Meter Leibeshöhe. Auf seinem Kopf trägt Neptun eine Hanse-Kogge. In der rechten Hand hält er als Zeichen seiner Macht einen Dreizack, mit der ausgestreckten linken Hand zeigt er gen Norden - jedenfalls, wenn er seinen Bestimmungsort, die Kreuzung vor der Marienkirche, erreicht hat. Dort dürfte die Skulptur noch herrschaftlicher als im Atelier wirken, thront sie doch auf einem ein Meter hohen Podest. Beinahe im Kontrast zu seiner sonst imposanten Erscheinung trägt der Meeresgott Ölzeug- wie die Schiffer und Fischer, die das Leben an der Ostsee immer noch prägen. "Ich wollte keine mystische Figur erschaffen, sondern einen Bezug zur Hanse herstellen", sagt Eckhard Herrmann, der mit seinem Kunstwerk schon so weit ist, dass er es bald zum Verzinken nach Bernau bringen kann.Wegen der bestimmt 500 Kilogramm, die Neptun auf die Waage bringt, lässt sich jede Lageänderung nur mit einem Flaschenzug bewältigten. So wird sein Transport zu einem Kraftakt, bei dem auch Präzision unverzichtbar ist.

Ob die feierliche Übergabe der Statue, wie zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vereinbart, am 3. Oktober erfolgen kann, weiß der Metallbildhauer nicht. Die Arbeiten am Kreisverkehr seien noch nicht abgeschlossen, hat er von Anklams Bürgermeister Michael Galander erfahren, als der mit seinem Gefolge zu einem Atelierbesuch in Eberswalde war. "Ich bin schon froh, dass ich meinerseits den Abgabetermin halte", betont Eckhard Herrmann, für den die 13 000-Einwohner-Stadt in Mecklenburg-Vorpommern mehr und mehr zur weiteren künstlerischen Heimat wird. Das Denkmal für die Gebrüder Lilienthal war im vorigen Jahr erst der Anfang gewesen. In Sichtweite des Steintores gibt es seither eine vier Meter hohe Säule aus Kupfer, auf der eine zwei Meter hohe Statue steht. Das ist Otto Lilienthal mit einem seiner Flugapparate. Der berühmteste Sohn Anklams blickt, zum Abflug bereit, Richtung Markt. Lässig, aber konzentriert lehnt Gustav Lilienthal, ebenfalls zwei Meter hoch, am Fuß der Säule und skizziert eine Idee für eines seiner Patente.

Für den Metallbildhauer aus Eberswalde war seine künstlerische Verbeugung vor dem Flugpionier und seinen Bruder, einem Baumeister und Sozialreformer, so etwas wie ein Türöffner. Das Kunstwerk hat ihm die Teilnahme an der beschränkten Ausschreibung ermöglicht, in der sich fünf Künstler Gedanken um die Gestaltung von fünf Kreisverkehren machen sollten. Mit gleich drei seiner Vorschläge war Eckhard Herrmann erfolgreich. "Für einen freischaffenden Künstler ist es wie ein Sechser im Lotto, Aufträge für zwei, drei Jahre im Voraus im Buch zu haben", sagt der Eberswalder, dessen Entwürfe sich wie schon bei seinem Gebrüder-Lilienthal-Denkmal bei einer Online-Abstimmung, per Jury-Entscheidung und in der Stadtverordnetenversammlung durchsetzen konnten.

Für den Neptun hat der Feinschliff begonnen, das erste Kreisverkehr-Kunstwerk von Eckhard Herrmann ist bereits übergeben. "Es handelt sich um vier 3,50 Meter hohe Stehlen aus Stahl, die um eine fünfte, 3,70 Meter hohe Stehle aus dem gleichen Material angeordnet sind. Die große Stehle in der Mitte steht für Anklam selbst, die anderen ringsum für Anklams Partnerstädte Heide in Schleswig-Holstein, Gmina Ustka in Polen, Limbazi in Lettland und Burlöv in Schweden", sagt der Metallbildhauer.

Für den dritten Auftrag aus Anklam ist der Vertrag zwar noch nicht unterschrieben. Doch dieser Akt gilt als reine Formsache und soll spätestens vollzogen werden, wenn Neptuns Hüllen nach der feierlichen Übergabe gefallen sind. "Für Anklam werde ich noch eine Figurengruppe fertigen, der ich den Arbeitstitel Windsbräute gegeben habe", verrät Eckhard Herrmann. Das Modell weist gewisse Ähnlichkeiten mit "Erlkönigs Töchtern" auf, die in Eberswalde vor der ehemaligen Goethe-Realschule bekannt wurden. Die Windsbräute sind für den Platz am Anklamer Theater bestimmt.

Aus dem Eberswalder Stadtbild sind die Werke des Metallbildhauers nicht mehr wegzudenken. Aus seinem Atelier stammen Beispiel der Bäckerbursche am Bahnhof und die Ruferin auf dem Markt. Doch auch in Anklam hinterlässt er mehr und mehr Spuren. Dessen Volksvertreter legen großen Wert auf Kunst im Stadtbild. Pro Kreisverkehr setzen sie 28 500 Euro ein. Das Geld stammt aus Fördertöpfen und dem eigenen Haushalt.

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