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Rentner liegt zerstückelt in Kühltruhe

Der wegen Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat Angeklagte hält sich einen Pappkarton in einem Gerichtssaal vor das Gesicht.
Der wegen Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat Angeklagte hält sich einen Pappkarton in einem Gerichtssaal vor das Gesicht. © Foto: dpa
06.10.2017, 12:23 Uhr
Berlin (dpa) Die grausige Tat hat deutschlandweit erschüttert. Ein einsamer Witwer wird in Berlin erschossen, zerteilt und jahrelang in einer Kühltruhe versteckt. Der erste Prozesstag gegen den mutmaßlichen Mörder ist nur kurz. Doch auf dem Gerichtsflur werden viele Details der Tat bekannt.

Zehn Jahre lag die Leiche des zerstückelten Berliner Rentners versteckt in einer Tiefkühltruhe in seiner eigenen Wohnung. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder begann am Freitag am Berliner Landgericht, doch anders als erwartet. Die Verteidigung hatte die kurzfristige Einsetzung eines neuen Schöffen gerügt, das Gericht gab noch vor Verlesung der Anklage dem Antrag auf Vertagung auf den 16. Oktober statt.

Der 56-jährige Angeklagte saß mit hochrotem Gesicht, Jackett und grauem Kapuzenshirt hinter Panzerglas im Saal 500. Seine Adresse gab er mit "derzeit Moabit" an. Dort sitzt er seit Januar in U-Haft.

Die Anklage wirft ihm Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat vor. Der Mann, der sich das Vertrauen des zuletzt 80-Jährigen erschlichen habe, soll sein Opfer zwischen dem 30. Dezember 2006 und 1. Januar 2007 in dessen Wohnung im Stadtteil Prenzlauer Berg erschossen, in einer Kühltruhe versteckt und etwa zehn Jahre lang die Rente des Witwers von monatlich 2000 Euro kassiert haben.

Staatsanwalt Reinhard Albers geht von einer geplanten Tat aus: Die Tiefkühltruhe sei kurz vor dem Mord in die Wohnung geliefert worden, sagte er auf dem Gerichtsflur. Der Rentner sei mit einem Kopfschuss durch die Stirn getötet worden. Die Leiche müsse gleich danach zerteilt worden sein. "Sie war zu 100 Prozent erhalten." Die Waffe sei nicht gefunden worden. Der Angeklagte habe in der Nähe gewohnt und sich zuvor um den Senior gekümmert.

Nur durch Zufall wurde das Verbrechen entdeckt. Ein Nachbar hatte sich laut Staatsanwalt gewundert, dass er den einsam lebenden Witwer nicht mehr sah. Nach vergeblichen Anrufen bei der Hausverwaltung habe der Mann eine Polizeistreife überredet, nach dem Rechten zu sehen.

"Sie machte dann den grausigen Fund", sagte Albers. Die Wohnung sei klinisch sauber gewesen, auf der Eistruhe habe eine Tischdecke gelegen, darauf ein Blumentopf. "Alles sah aus wie in einer Puppenstube." Der Angeklagte sei nach der Tat oft dort gewesen, habe gelüftet und an der Nachttischlampe eine Zeitschaltuhr installiert.

Das Verbrechen hatte auch die Frage aufgeworfen, ob ältere Menschen gerade in Großstädten zunehmend vereinsamen. Der Staatsanwalt hoffte, dass Rentenversicherer aus dem Fall lernten, es "nicht so anonym laufen zu lassen".

Wie der Ankläger weiter berichtete, wird im Prozess zu überprüfen sein, ob der 56-Jährige spielsüchtig sei. Er habe sehr viel Geld verspielt. Gleichzeitig habe der Inhaber eines Trödelladens als nett, freundlich und unauffällig gegolten. "Er lebte ähnlich einsam wie sein Opfer", so der Staatsanwalt.

Mit gefälschter Unterschrift soll der nicht vorbestrafte Angeklagte Schreiben an die Verwaltung des Mietshauses in der Hosemannstraße geschickt, Steuererklärungen verfasst und einen Post-Nachsendeauftrag erteilt haben - um vorzutäuschen, dass der Rentner noch lebe. Die Leiche sei "im allerletzten Augenblick" gefunden worden, so der Ankläger. Der 56-Jährige habe die Wohnung bereits gekündigt gehabt. "Im Februar wäre sie vielleicht schon leer gewesen."

Laut Gericht gibt es Hinweise auf ein weiteres Gewaltverbrechen. Der Verdächtige soll auch die Rente einer Seniorin kassiert haben, die seit Ende 2000 verschwunden ist. Zwischen 500 und 800 Euro monatlich sollen auf das Konto des Getöteten umgeleitet worden sein. Die Ermittlungen liefen noch, hieß es.

Verloren stand nach kurzem Prozessauftakt ein älteres Ehepaar auf dem Flur. Die Rentner kamen als Zuschauer. "Weil wir den Angeklagten seit vielen Jahren kennen und fassungslos sind über die Vorwürfe", sagten sie. Der 56-Jährige sei ein "absolut hilfsbereiter Mensch". Und: "Wir können uns nicht vorstellen, dass er das gemacht haben soll."

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