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Aufräumen nach Sturm "Xavier"

Ein Arbeiter zersägt einen umgestürzten Baum an einem Wohnhaus in Berlin-Tempelhof.
Ein Arbeiter zersägt einen umgestürzten Baum an einem Wohnhaus in Berlin-Tempelhof. © Foto: dpa
dpa / 06.10.2017, 18:02 Uhr
Potsdam (dpa) Bäume auf Fahrbahnen und Schienen, Unmengen an Ästen am Rand vieler Straßen oder auch ausgebrochene Kühe - in Brandenburg hat das große Aufräumen begonnen. Die Folgen von "Xavier" dürften aber noch lange zu spüren sein.

Nach den verheerenden Schäden durch das Sturmtief "Xavier" hat am Freitag das große Aufräumen begonnen. Während die Fahrbahnen und Schienen überwiegend rasch geräumt werden konnten, lagen am Rand vieler Straßen noch Unmengen abgebrochener Äste. Die Polizei berichtete auch von ausgebrochenen Kühen, freilaufenden Schafen und beschädigten Wildzäunen. Die Arbeiten zur Beseitigung der Schäden sollen noch Tage andauern. Eine Schätzung der Kosten war laut Innenministerium zunächst nicht möglich.

Bei dem Sturm waren im Land Brandenburg vier Menschen ums Leben gekommen. Drei wurden von umgestürzten Bäumen und herumfliegenden Ästen in ihren Autos getötet. Ein Mann wurde am Donnerstag von einem Baum erschlagen, als er gerade Äste von einer Straße wegräumen wollte.

Nach einer Bilanz des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam war "Xavier" einer der schlimmsten Stürme der vergangenen Jahrzehnte in Berlin und Brandenburg - und erreichte damit bundesweit Spitzenwerte im Flachland. In Berge in der Prignitz und in Holzdorf im Kreis Elbe-Elster wurden jeweils bis zu 122 Stundenkilometer gemessen, wie Meteorologin Ulrike Maiwald mitteilte. In Manschnow (Märkisch-Oderland) wurde mit 119 Stundenkilometern der dritthöchste Wert in Brandenburg gemessen.

Damit stehe der Sturm in etwa auf einer Stufe mit "Xaver" im Dezember 2013, mit "Emma" im Februar/März 2008 und mit "Kyrill" im Januar 2007, ergänzte Meteorologin Linda Noel. Das besondere am aktuellen Sturmtief "Xavier" sei gewesen, dass es bereits Anfang Oktober über das Land zog, als die Bäume noch viel Laub trugen. Zudem war durch vorherigen Regen der Boden aufgeweicht, und die Äste wurden durch das nasse Laub mehr belastet.

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) warnte vor weiteren Schäden. Äste von Bäumen könnten noch herabstürzen. Rehe und anderes Wild könnte zudem wegen umgestürzter Wildzäune ungehindert über die Fahrbahnen wechseln. Landesweit seien Straßenwärter dabei, Warnschilder aufzustellen und Zäune wieder aufzurichten. Angesichts der erheblichen Schäden sollen die Aufräumarbeiten mehrere Tage dauern. Mit Straßensperrungen aus Verkehrssicherheitsgründen sei auch am Wochenende zu rechnen.

Reihenweise umgekippte Bäume, dicke Äste, die vom Stamm brechen: Der Sturm ließ vielen Bäumen in der Region Berlin-Brandenburg keine Überlebenschance. "Egal ob alt oder jung, klein oder groß, mit Nadeln oder Blättern, das Unwetter machte kaum Unterschiede", sagte der Andreas Jende, Geschäftsführer des Landes Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg.

Die Schlossgärten in Berlin und Brandenburg bleiben bis mindestens Montag geschlossen. Es gebe "erhebliche Schäden", sagte ein Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Auch im Branitzer Park bei Cottbus stehen nun neu gepflanzte Robinien schief. "Die Aufräumarbeiten laufen, allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis alle Spuren beseitigt sind", sagte eine Sprecherin. Auch bei der Bahn gab es in Folge des Sturms weiter Beeinträchtigungen.

Im Einsatz- und Lagezentrum der Brandenburger Polizei waren am Donnerstag zwischen 14.00 Uhr und 20.00 Uhr nach aktuellen Angaben rund 5300 Notrufe eingegangen. Bis zu 60 Anrufer versuchten in Spitzenzeiten den Notruf gleichzeitig zu erreichen. Sonst werden durchschnittlich 1000 Notrufe innerhalb von 24 Stunden registriert. Allein die Polizei rückte zu etwa 800 witterungsbedingten Einsätzen aus.

Zahlreiche Landespolitiker reagierten bestürzt auf die Toten, Verletzten und Schäden. "Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Angehörigen", erklärte Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen", sagte auch Oppositionsführer Ingo Senftleben (CDU). Beide dankten den Einsatzkräften und freiwilligen Helfern, die die Sturmfolgen bekämpfen.

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