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Woodee schwebt über die Baumkronen zu seinen Besitzern / Erstes mobiles Wohngebäude am Wandlitzer See errichtet.

Fliegendes Haus in Wandlitz gesichtet

Jana Reimann-Grohs / 12.10.2017, 07:00 Uhr
Wandlitz (MOZ) Es ist genauso spektakulär wie es aussieht, wenn das 10 bis 15 Tonnen schwere Modulhaus mit 40 Quadratmeter Grundfläche auf das Grundstück von Henry Eipper und Kati Birr gehoben wird. "Fliegende Häuser" sind derzeit voll im Trend. Sie werden von einem Ort zum anderen transportiert und über Spezial-Kräne wieder abgesetzt.

So ein Landeanflug will gut vorbereitet sein. Am Zaun stehen die ersten Neugierigen, um die Premiere mitzuerleben. Was sonst mehrere Wochen und Monate dauert, findet bei dieser ungewöhnlichen Hausbau-Szenerie im Zeitraffer statt.

So ein "fliegendes Haus" kommt nicht selten allein. Seine Besitzer beobachten besorgt, wohin sich der Kran dreht, als ihr Wohnzimmer aufs Grundstück fliegt. Kritisch beäugt der Bauherr, ob auf der Zielgeraden genug Platz ist. Die stolze Hauseigentümerin versucht, dem Schützling mit Argusaugen über herausragende Äste und Baumkronen hinwegzuhelfen. In nur wenigen Stunden schon werden die beiden ihr zukünftiges Heim betreten und mit Möbeln bestücken. Das Bad ist bereits gefliest und mit allen sanitären Anlagen versehen. Der Strom wird bis zum Abend angeschlossen sein, Wasser und Gas folgen in den kommenden Tagen. Großstädterin Kati Birr wird es sich in Kürze trotzdem darin gemütlich machen, wie sie erwartungsfroh schwärmt: "Ich kann nachher schon mal in der Badewanne Probe liegen!" Henry Eipper sitzt dann wahrscheinlich in seinem Wohnzimmer und lässt den Blick beseelt in die Ferne, über die Terrasse seines 3000 Quadratmeter großen Grundstücks hinweg, auf den schönen Wandlitz See schweifen.

Bis dahin wird er noch beobachten wie der Weg für den Schwerlasttransport frei geräumt wird und gegebenenfalls mit anpacken, Äste wegzuräumen. Die Aufstellung des vollwertig ausgestatteten Mobilhauses in Wandlitz verzögert sich. Noch steht das Holzhaus in zweifacher Ausführung, jeweils perfekt gedämmt und verkleidet, vor dem Grundstück. Der Abflug war zu 9 Uhr terminiert, Kranpilot und Bodenpersonal warten ungeduldig auf Anweisungen und ihre endgültige Starterlaubnis.

Die beiden Module des winkelförmigen Fertighauses mit Flachdach sind optimal miteinander kombinierbar. Ein schlüsselfertiger Bausatz kostet wenigstens 60 000 Euro. Darin enthalten: alle nötigen Anschlüsse, teilweise sind die Armaturen schon installiert. Innenausstattung und Fassade können im Vorfeld nach persönlichen Wünschen gestaltet werden. Im Innern von "Woodee" sieht es schon mal sehr gemütlich aus: verlegter Holzfußboden Fußboden, eingebaute Steckdosen, komplett gemalerte Wände, fertige Türen und Fenster. Fehlt nur noch die Inneneinrichtung und natürlich Patchworkfamilie Birr-Eipper, die mit insgesamt drei Kindern in die Phillip-Müller-Straße zieht.

Ob Alltag oder Urlaub - bei Modulhäusern ist alles erlaubt. Der feste und gleichzeitig mobile Bau eignet sich zum Wohnen und Urlauben, kann aber auch Bürogebäude sein. Mittlerweile werden etwa 20 Stück pro Jahr ausgeliefert. Es wird auf Flexibilität und natürliche Baustoffe gesetzt. Woodee-Geschäftsführer Ernst-Otto Rönnau hat sich die Idee des Mobilheimwohnens aus einem Schwedenurlaub mitgebracht. Von dortigen Campingplätzen abgeschaut - es mussten nur noch Dach- und Fassadenkonstruktion an die Wohnverhältnisse hierzulande angepasst werden. Der Gedanke, die Wohnräume nach Ankunft der Module sofort nutzen und damit jederzeit umziehen zu können, stellt er als wesentliche Vorteile gegenüber feststehenden Wohnhäusern heraus: "Wenn wir um 8 Uhr anfangen, ist es 13 Uhr bezugsfertig."

Gegen 10.30 Uhr hebt das Haus endlich ab und wird an den Baumwipfeln des Grundstücks vorbei gelotst. Nach nur einer Stunde dann die Erleichterung: Die beiden miteinander zu verschränkenden Modulkörper werden auf Fundamentpunkte abgesetzt, welche die Bauherren eigenhändig gegossen haben. Genau dort, wo sie vor zwei Jahren einen idyllischen Platz zum Leben fanden: "Ich musste nicht lange überlegen, hierher zu ziehen, als ich hier am See stand", sagt Kati Birr. Möglichst viel Sichtfläche auf den See sollte es sein. Der erste Hausentwurf dazu war mehrstöckig geplant mit 150 Quadratmeter Grundfläche. Eine unter Naturschutz stehende Eiche stand da im Weg. Am Ende war sie dafür verantwortlich, dass beide ihre Pläne über Bord warfen und die altersgerechte Modulhaus wählten. "Erst war es eine Überwindung, aber als wir drinsaßen, haben wir uns gleich dafür entschieden", resümiert die 40-jährige.

Um ihren Traum auf dem Waldgrundstück doch noch verwirklichen zu können, suchten Kati Birr und Henry Eipper lange nach Baualternativen bis sie ein Musterhaus in Bernau fanden. "Normalerweise steht ein Haus unter Wertverlust. Das transportable Haus kann jedoch jederzeit umgesetzt und woanders wieder aufgestellt werden", betont der für den Vertrieb verantwortliche Immobilienkaufmann Martin Zimmermann. Den vielen Bäumen drum herum und der einen Eiche im Besonderen gefällt's. Kati Birr und Henry Eipper finden die äußeren Umstände mittlerweile auch "ideal": Freunde wohnen fast nebenan und ihr persönlicher Lebensraum sei jetzt "so viel größer" geworden.

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