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Aufmerksamkeit durch Brottütenaktion

Keine Gewalt: Mit den grellen Brottüten erregten die Frauen Aufmerksamkeit
Keine Gewalt: Mit den grellen Brottüten erregten die Frauen Aufmerksamkeit © Foto: Passow
Silvia Passow / 20.11.2017, 18:49 Uhr
Falkensee (MOZ) Am Montagmorgen startete in der Falkenseer Filiale der Bäckerei Exner die Brottütenaktion zum Tag gegen Gewalt an Frauen. Initiiert wurde die Aktion vom Frauenpolitischen Rat Brandenburg und den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Landes Brandenburg, sowie dem Netzwerk der Brandenburgischen Frauenhäuser. Diverse Bäckereien beteiligen sich an der Aktion, überreichen ihre Waren in der rosafarbenen Tüte mit dem Aufdruck: "Gewalt kommt nicht in die Tüte".

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Falkensee, Manuela Dörnenburg, und Frauen der Gruppe Frauen in Falkensee (FIF) gaben im Café Exner den Startschuss. Sie verteilten Flyer und Informationsbroschüren zum Thema, suchten das Gespräch mit den Gästen, Passanten und umliegenden Gewerbetreibenden. Auf Plakaten trugen sie ihr Anliegen nicht nur im Wortsinn vor sich her. "Das Thema in die Öffentlichkeit bringen", erklärte auch Manuela Dörnenburg. Laut ihren Informationen wurden im Jahr 2016 im Land Brandenburg 4291 Fälle häuslicher Gewalt erfasst. In 77,2 Prozent dieser Fälle galten Männer als tatverdächtig. Unter den Geschädigten waren von insgesamt 4183 Opfern, 3060 weiblich, also 73,2 Prozent der erfassten Fälle. Und: "Die Zahlen der aktenkundig werdenden Fälle steigen", so Dörnenburg. "Allerdings werden noch bei Weitem nicht alle Fälle von physischer oder psychischer Gewaltanwendung zur Anzeige gebracht", erklärt sie weiter. Scham, sich selbst die Schuld gebend, nicht als Opfer gesehen werden wollend. Manchmal werden die Täter auch von den Opfern selbst in Schutz genommen. Und so tragen die Tüten nicht nur eine Botschaft in die Welt, sie nennen auch konkret Anlaufpunkte für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Kliniken, welche nach einer Vergewaltigung neben medizinischen Diensten auch mit vertraulicher Spurensicherung betraut sind. Kontakte zu Frauenhäusern und Beratungsstellen. Für die steigenden Zahlen der aktenkundig gewordenen Opfer hat Ulrike Legner-Bundschuh (Bündnis 90/Die Grünen) noch eine andere Erklärung: "Häusliche Gewalt ist heute keine Privatsache mehr. Wird die Polizei gerufen, muss sie auch ermitteln und anzeigen." Die Zahlen sagen aber auch noch etwas anderes aus. Denn auch die Gewalt gegen Männer geht zumeist von Männern aus. Und so ist es Dörnenburg und den Frauen der FIF sehr wichtig, auch, und vielleicht gerade die Männer mit ihren Aktionen anzusprechen. "Ich will nicht alle Männer verurteilen", sagt Dörnenburg - die Frauen um sie herum nicken zustimmend.

Sie würden sich mehr männliche Unterstützung wünschen. Erklärt ein Mann einem anderen Mann, dass Gewalt hier nicht geduldet ist, wirke sich das erheblich auf die Akzeptanz aus, schildern einige Frauen ihre Erfahrungen. Der 25. November gilt weltweit als Tag gegen die Gewalt an Frauen. Dieses Jahr will das Land Brandenburg konkret auf Hilfsangebote für Frauen mit Gewalterfahrung hinweisen.

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