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Kremmener Gespräche der CDU rund um die Jamaika-Pleite / Danach gab's Martinsgans

Viel Redebedarf zur Jamaika-Pleite

Mit Trump-Geste, aber ohne Populismus: Steeven Bretz, Generalsekretär der CDU Brandenburg ist für Peter Tauber von der Bundes-CDU als Redner in Kremmen eingesprungen. Eingeladen hatten Oberhavels Christdemokraten um Frank Bommert (links).
Mit Trump-Geste, aber ohne Populismus: Steeven Bretz, Generalsekretär der CDU Brandenburg ist für Peter Tauber von der Bundes-CDU als Redner in Kremmen eingesprungen. Eingeladen hatten Oberhavels Christdemokraten um Frank Bommert (links). © Foto: MZV
Burkhard Keeve / 21.11.2017, 20:24 Uhr
Kremmen (OGA) Eine halbe Stunde vor Beginn erhält Frank Bommert per SMS eine Absage. Sein Ehrengast, Generalsekretär der CDU Deutschland Peter Tauber, kann doch nicht nach Kremmen kommen, um seine Martinsgans zu verspeisen.

So richtig verwundert war Oberhavels CDU-Chef aber nicht, dass Tauber Berlin im Moment nicht verlassen kann. Herrscht doch mächtig Krisenstimmung in der Hauptstadt nach der Jamaika-Pleite. Es besteht viel Redebedarf und ein Generalsekretär kann da nicht einfach in die Provinz fahren, um stammtischmäßig gemütlich beim Weißbier zu sitzen, wenn in der Republik die Luft brennt.

Aber es gibt ja noch andere Generalsekretäre, wenn auch von einer kleineren Armee, um im Militärbild zu bleiben. Für Tauber springt kurzfristig Bommerts Duz-Freund Steeven Bretz von der Landes-CDU ein.

Auch unter den rund hundert Gästen aus Politik und Wirtschaft, die zum achten Kremmener-Gespräch der CDU in den gemütlichen Spargelhof gekommen waren, ist das Ende der schwarz-grün-gelben Koalition, bevor sie überhaupt begonnen hat, das alles beherrschende Thema. Jeder hat da so seine Thesen und Ansichten. Nicht immer bekommen nur die Koalitionszerstäuber der FDP um Lindner und Kubicki ihr Fett weg, auch die CDU erhält ein schlechtes Zeugnis für ihr Krisenmanagement seit der Wahl im September. Natürlich bekommen auch die Sozis ordentlich Zunder.

Doch einhellig wurde die Ansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beklatscht. Der hatte am Nachmittag mit seinen klaren Worten vielen aus der Seele gesprochen, als er nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Wer sich in Wahlen um politische Verantwortung bewirbt, der darf sich nicht drücken, wenn man sie in den Händen hält."

So war es denn auch nicht verwunderlich, dass die "Verantwortung" zum Lieblingswort von Steeven Bretz aufstieg und mal als Mahnung, mal als Moralkeule und auch zur persönlichen Anekdote aus Kindertagen pointiert eingesetzt wurde. "Schon mein Großvater sagte: Du musst lernen, Verantwortung anzunehmen und darfst dich nicht wegducken." So müsse die SPD jetzt "raus aus ihrer Schmollecke". Von Neuwahlen hält er nichts. So erwartet Bretz jetzt ein "deutliches Zeichen von den Sozialdemokraten".

Bretz selbst setzte ein solches mit Blick auf die brandenburgische Landesregierung. Nach den verschiedenen Desastern bei den Reformen im Land durch die SPD und die Linke, so der Generalsekretär, "werden wir uns mit aller Kraft dafür einsetzen, die SPD als stärkste Kraft abzulösen." Dafür schicke die CDU Brandenburg die SPD "dahin, wo sie hingehört - in die Opposition. Wir schlagen uns nicht in die Büsche."

"Es ist wie es ist", sagte Frank Bommert in seiner unnachahmlich hemdsärmeligen Art über die gescheiterten Sondierungsgespräche. Und nachdem alle Fragen aus dem geduldigen Publikum an den Generalsekretär beantwortet waren, die Luft durch die offene Feuerstelle verbraucht, die Kehlen trocken und der Appetit auf Gänsekeulen & Co. groß war, sagte Bommert endlich die erlösenden Worte: "Das Büfett ist eröffnet."

Wenige Augenblicke später war die Schlange bereits so lang, dass sich ein Gang zum Tresen für ein erfrischendes Kalt-getränk lohnte, um die Zeit zu überbrücken. 4,45 Euro wurden für ein Weizenbier (ohne Alkohol) verlangt - echte Flughafenpreise. Das zum Thema Provinz.

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