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Kornkammer Uckermark

Daniela Windolff / 18.05.2010, 07:54 Uhr
Angermünde/Schwedt (In House) Die Uckermark ist als flächengrößter Landkreis und Agrarkreis Deutschlands auch Brandenburgs wichtigste Kornkammer neben dem Oderbruch. Der Getreideanbau spielt auf den fruchtbaren Böden die größte Rolle. Doch die rasant wachsende Biogaserzeugung als ein neues Standbein der Landwirtschaft lässt die Sorge wachsen, dass Maismonokulturen bald Roggen und Weizen den Rang ablaufen. Zudem dämpft der Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten die Freude der uckermärkischen Bauern über das gute Erntejahr 2009 und den für Landwirte idealen kühlen, nassen Mai.

Sonnengelb strahlt der Mai in der Uckermark. Rapsfelder leuchten golden, wohin das Auge blickt. „Der Rapsanbau hat in der Uckermark in den vergangenen Jahren immens zugenommen“, bestätigt der Leiter des Landwirtschaftsamtes, Ehrenfried Hartwig, diesen Eindruck.

Die Gründe dafür sind einfach: Raps sei eine optimale Fruchtfolge nach dem Getreideanbau und Getreide ist nach wie vor wichtigste Anbaukultur in der Region. „Außerdem sind die Preise für Raps im Gegensatz zu vielen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen gestiegen“, erklärt Ehrenfried Hartwig. Rapsöl hat sowohl in der Ernährungswirtschaft als auch bei der Biodieselproduktion großen Wert erlangt.

Kein Wunder, dass die Anbaufläche für Winterraps seit 1995 auf über 30 000 Hektar gestiegen ist und sich damit mehr als verdreifacht hat. Sie ist somit zweitwichtigste Kultur auf uckermärkischem Ackerboden nach dem Winterweizen, der mit fast 50 000 Hektar ungebrochen Spitzenreiter ist. Raps und Weizen füllen damit rund die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Ackerfläche der Uckermark.

Allerdings haben sie einen Konkurrenten: den Mais. Noch ist die Anbaufläche entgegen der öffentlichen Wahrnehmung mit rund 13 000 Hektar relativ konstant geblieben, doch ein Zuwachs ist zu erwarten. „In der Vergangenheit wurde Silomais hauptsächlich als Futter angebaut, inzwischen ist er ein wichtiger Rohstoff für die Biogaserzeugung geworden. Der Rinderbestand in der Uckermark ist deutlich gesunken, dafür entstehen immer mehr Biogasanlagen“, konstatiert Ehrenfried Hartwig.

Das Problem sei nicht der Maisanbau an sich, sondern die Konzentration auf wenige Standorte, nämlich rund um Biogasanlagen. Obwohl Raps dreimal so viel angebaut wird wie Silomais, tragen die blühenden gelben Rapsfelder ein positives Image. „Kein Mensch würde sich darüber aufregen. Große Maisanbauflächen werden jedoch zunehmend kritisch betrachtet.“ Problematisch seien Maismonokulturen vor allem im Hinblick auf die Artenvielfalt, die hier kaum Lebensraum finden kann. Jägern machen riesige Silomais-Schläge ebenso zu schaffen und letztlich steige das Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen, die ganze Ernten vernichten können, gibt Ehrenfried Hartwig zu bedenken.

Neben Winterweizen, Raps und Mais reift viel Gerste auf uckermärkischen Äckern. Roggen dagegen sieht man immer seltener auf den Feldern wogen – dessen Fläche hat sich auf rund 12 000 Hektar halbiert. Lediglich Nischenprodukte sind heute noch Tabak, der ausschließlich bei Schwedt gedeiht, Hanf oder auch Kartoffeln.

2009 war für die uckermärkischen Bauern eines der besten Erntejahre des Jahrzehnts. „Die guten Erträge bringen jedoch nicht automatisch höhere Einnahmen, die Preise sind gerade für Getreide im Keller“, sagt Ehrenfried Hartwig.

Besonders problematisch ist nach wie vor die Situation der uckermärkischen Milchbauern. Die Rahmenbedingungen verschlechterten sich 2009 weiter und die Milchpreise erreichten einen absoluten Tiefpunkt. „Bei unter 30 Cent je Liter ist die Milcherzeugung für die Betriebe einfach nicht rentabel. Aus diesem Grund wird die Zahl der Milchviehhalter in der Uckermark weiter sinken. Ein Stopp dieses Trends ist nicht in Sicht.

Viele Betriebe geben auf oder stellen um. Derzeit gibt es nur noch 45 Milcherzeuger im Landkreis. Da tröstet es wenig, dass die Milchleistung der Uckermärker Kühe mit 9449 Liter je Kuh deutlich über dem Landesdurchschnitt mit 8900 Liter liegt. Die Bauern hoffen nun darauf, dass von höheren Endverkaufspreisen in den Supermärkten auch etwas beim Erzeuger ankommt“, so Hartwig. Und dass die Verbraucher dies auch würdigen.

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