Gegen den uckermärkischen Amtstierarzt Dr. Achim Wendlandt sowie gegen die Leiterin des Gesundheits- und Veterinäramts Dr. Michaela Hofmann läuft eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Hintergrund sind die Zustände auf der Koppel eines Bauern bei Frauenhagen, wo seit Jahren Tiere elend zugrunde gehen und die Züge auf der Eisenbahnlinie Angermünde-Stettin gefährdet werden (MOZ berichtete).
"Durch die Untätigkeit des Amtstierarztes und der Behördenleitung wurde, zumindest indirekt, in der Vergangenheit mehrfach der Bahnverkehr an der anliegenden Bahntrasse massiv gefährdet", schreibt der Wartiner Einwohner Jens Haselow. Er bezeichnet sich selbst nicht als direkten Tierschützer, hat aber jetzt als Bürger genug von den Zuständen bei Frauenhagen. "Die Inaktivität des Amtstierarztes und der Behördenleitung hat so den Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr (§ 315 StGB) begünstigt", schreibt Jens Haselow in seiner Beschwerde. Sie richtet sich an Landrat Dietmar Schulze als Dienstvorgesetzten sowie an den Kreistagsvorsitzenden Roland Resch.
Die schweren Vorwürfe beziehen sich auf das Tierschutzgesetz, auf die Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere, auf das Tierkörperbeseitigungsgesetz sowie auf das Strafgesetzbuch. Demnach habe der Amtstierarzt nicht alle "erforderlichen und möglichen Maßnahmen" ergriffen, um Tiere durch Fortnahme oder Tötung vor weiterem Leid zu bewahren. Tagelang herumliegende Tierkadaver würden eine Gefahr für die Umwelt und andere Nutztiere darstellen.
Gleichzeitig wendet sich Jens Haselow mit einer Petition an den Kreistag Uckermark. "Die Kreisverwaltung, aber auch die Mitglieder des Kreistages müssen sich bewusst sein, dass ohne ein konsequentes Handeln der Behörden der Fall Frauenhagen zu einer Politikposse wird", heißt es darin. "Die einschlägigen Bestimmungen, insbesondere das Tierschutzgesetz, bieten den zuständigen Behörden ausreichend Möglichkeiten, das Drama in Frauenhagen zu beenden und so das Leid der Tiere dort zu lindern. Es ist wenig vertrauensbildend, sich in dieser Situation ständig hinter juristischen Instanzen zu verstecken."
Amtstierarzt Dr. Achim Wendlandt schiebt hingegen die Schuld auf lange Verfahrenswege vor Gericht. Außerdem bezeichnet er den Zustand der Herde als "mittelmäßig bis gut". Mit dieser Einschätzung in einem MOZ-Interview folgt er angeblich der fachlichen Beurteilung des Landesamtes. Benachbarte Bauern, Anwohner und vor allem Tierschutzverbände schütteln über eine solche Einschätzung nur den Kopf. Sie reden von Tierquälerei und Inzucht, haben Vorfälle auf der Weide in der Vergangenheit fotografiert und dokumentiert. Die jüngsten Skandale wurden durch massive Proteste und Hinweise von Landwirt Maik Manke öffentlich.
Amtsärztin Dr. Michaela Hofmann weist eine Verantwortung in dieser Sache von sich. Auf der jüngsten Sitzung des Gesundheitsausschusses erklärte sie, dass ausschließlich der Amtstierarzt für die fachlichen Belange der Tierhaltung innerhalb der Behörde sprechen und entscheiden könne. Dies sei so geregelt, auch wenn Veterinär- und Gesundheitsamt zusammengehören.
Inzwischen haben sich Tierschützer aus Empörung über die ihrer Meinung nach verharmlosenden Äußerungen des Amtstierarztes an Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck gewandt. Er erhielt eine Auswahl schockierender Fotos aus den vergangenen zwei Jahren.