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Jens Sell 24.06.2013 07:50 Uhr
Red. Bad Freienwalde, freienwalde-red@moz.de

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Landwirtschaft trotz Naturschutz

Bad Freienwalde (MOZ) Zwischen Landwirtschaft und Naturschutz herrsche Kalter Krieg. Das sagt der Professor von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Eckart Kramer. Mit Argumenten bemüht er sich auch im Haus der Naturpflege, die verhärteten Fronten aufzuweichen.

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Professor Dr.-Ing. Eckart Kramer (51) , Hochschule f¸r Nachhaltige Entwicklung Ebeswalde

© MOZ

"Das konventionell können Sie streichen, auch die ökologische Landwirtschaft ist nicht immer so, wie sie sein müsste", sagt Eckart Kramer gleich zum Thema seines Vortrags im Haus der Naturpflege am Freitagabend "Zur Vereinbarkeit von Naturschutz und konventioneller Landwirtschaft". Der Professor für Prozessmanagement und Technologie im ökologischen Landbau und promovierte Ingenieur ist ein Spezialist für landwirtschaftliche Produktion und ihre Auswirkungen auf den Boden und die Natur allgemein. "Zwischen Landwirtschaft und Naturschutz herrscht heute eine Polarisierung wie im Kalten Krieg, diese Front will ich mit Argumenten aufweichen", beschreibt Kramer sein Anliegen.

Sein Vortrag zeigt eine Fülle von Konfliktpunkten zwischen Landwirtschaft und Naturschutz und gibt auch viele Lösungsvorschläge wieder, mit denen sie entschärft werden können. Doch Grundprinzip seiner Argumentation bleibt: Der Landwirt muss wirtschaftlich produzieren können.

Wenn die Gesellschaft Wert auf Naturschutz legt und ihn deshalb zu veränderten Technologien bewegen will, die Ertragseinbußen zur Folge haben, muss sie den Ausgleich bereitstellen. Beispiel: In der Weidewirtschaft ist es ökologisch wünschenswert, nach der ersten Mahd eine längere Zeit als landwirtschaftlich sinnvoll bis zur zweiten Mahd verstreichen zu lassen - die Bodenbrüter sollen erst ihre Brutpflege beenden. Für das Grünfutter bedeutet das, auszuwachsen, den Zuckeranteil zugunsten eines höheren Zelluloseanteils zu reduzieren. "Damit hat der Bauer eine geringere Milchleistung der Kühe. Er büßt rund 350 bis 400 Euro je Hektar ein, damit die Bodenbrüter fertig werden. Die Gesellschaft muss ihm diese Einbuße erstatten, damit er Futter hinzukaufen kann, wo immer das dann herkommt." Kramers Ausführungen wirken lakonisch und nehmen immer die Gesellschaft in die Pflicht, die Naturschutz nicht zum Nulltarif haben kann. Dem Landwirt die Lasten aufzuerlegen, stellt er kategorisch in Abrede: "Bodenbrüter oder Wildkräuter kann der Landwirt nicht verkaufen."

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung berate Landwirte in naturschutznaher Landnutzung. Spezialist Kramer zählt praktikable Methoden auf. So könne man bei der Grünlandmahd im Zentrum des Schlags beginnen und sich kreisförmig oder streifenförmig nach außen vorarbeiten, wodurch Nieder- und Jungwild die Möglichkeit zur Flucht bleibe. Der Einsatz von Mähbalken sei mit einer geringeren Todesrate verbunden als der von Rotationsmähwerken. Die Gabe von Kalk erschließe die vorhandenen Nährstoffe im Boden. Zwillings- und Drillingsräder an schweren Maschinen, geringer Reifendruck oder Mähdrescher mit Gleisbahnenfahrwerk verminderten die Bodenverdichtung und wirkten der Erosion entgegen. Auch hinsichtlich der zweckmäßigsten Fruchtfolgen und Standortwahl wie auch der Düngung und des Einsatzes von Nützlingen berate sein Lehrstuhl interessierte Landwirte. Im Sinne der Erhaltung der Artenvielfalt und gegen Bodenerosion plädiert Kramer für Schutzstreifen, die mit Gehölzen oder Pappeln bepflanzt würden. Unkraut oder "Beikräuter" gehörten grundsätzlich nicht aufs Feld, sondern an den Rand.

Auf Nachfrage von Gisela Ziehm (NABU) spricht sich Eckart Kramer strikt gegen gentechnische Veränderungen der Pflanzen aus: "Die Nulltoleranz droht jetzt im Zuge der Verhandlungen eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA aufgeweicht zu werden. Da sehe ich ein großes Risiko für die Betriebe der Region, die sich zum Verzicht auf Gentechnik verpflichtet haben." Grund sei die Unbeherrschbarkeit des Pollenflugs gentechnisch veränderter Pflanzen und die zu kurze Dauer von Tests ihrer Nachwirkungen.

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