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Gabi Rataj 15.12.2016 20:04 Uhr

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Großer Münzfund in Altlandsberg

Altlandsberg (MOZ) Ein deutschlandweit bedeutsamer Münzfund ist in den vergangenen Tagen bei Bauarbeiten im ehemaligen Schlossviertel von Altlandsberg (Märkisch-Oderland) gemacht worden. Gut 8000 Münzen lagen vergraben im Domänenhof.

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Während der archäologisch begleiteten Neugestaltung der Außenanlagen im Umfeld des um 1658 errichteten Brau- und Brennhauses stießen die Experten in einer Torfschicht auf ein irdenes Gefäß mit mehr als 8000 Geldstücken unterschiedlicher Prägungen und Größenordnungen. Diese seien in einem Zeitraum von zirka 130 Jahren geprägt worden und sind auf "nach 1300 bis etwa 1430" datiert, wie einer Beschreibung des Archäologiebüros an den Bauherrn, die Stadt Altlandsberg, zu entnehmen ist, die dieser Zeitung zugespielt wurde.

Altlandsbergs Bürgermeister Arno Jaeschke bestätigte die Tatsache, erklärte jedoch sein Befremden, da zum Fund und zu ersten, noch wissenschaftlich ungesicherten Erkenntnissen zunächst Stillschweigen vereinbart worden war. Zur Erstpräsentation durch Forschungsministerin Martina Münch (SPD) in der kommenden Woche werde mehr gesagt werden können.

In der Beschreibung ist "nach erster Einschätzung" von "13 Prager u. Meißner (Silber-)Groschen", von "11 rheinischen Reichsgoldgulden" sowie "ca. 8000 (silbernen) Hohlpfennigen" die Rede, die auf dem heutigen Domänenhof vergraben waren. Besonders hervorgehoben wird, dass es sich um den bislang einzigen in dieser Größenordnung bekannt gewordenen sogenannten Münzhortfund in Brandenburg handelt, der aus einer fachlich qualifizierten archäologischen Baubegleitung stammt.

Doch nicht so sehr in Zusammenhang mit der Renaissance der preußisch-königlichen Vergangenheit Altlandsbergs und dem früheren Schloss- und Stadtherrn Otto von Schwerin, der unter dem Großen Kurfürsten als Oberpräsident des Geheimen Rates wirkte und auf seinem Schloss in Altlandsberg auch dessen Söhne erzog, ist der Münzschatz zu sehen. Dessen Schlossanlage samt zugehöriger Gebäude datiert erst aus dem 17. Jahrhundert.

Erste vorsichtige Deutungen als "möglicher historischer Kontext" bringen das Vergraben mit den Hussitenkämpfen um 1432 in Verbindung. Damals war auch Altlandsberg belagert worden, und es ist von Lösegeld die Rede. Der heutige Fundort befand sich wahrscheinlich vor der einst geschlossenen Stadtmauer aus Feldsteinen.

Seit mehreren Jahren wird auf dem Gelände des ehemaligen Altlandsberger Schlosses und im Umfeld das groß angelegte Projekt Schlossgut verwirklicht. Bisher sind dank umfangreicher Förderung vor allem durch Bund und Land Schlosskirche, Gutshaus sowie Brau- und Brennhaus saniert worden. Weiterhin sollen innerhalb des Großprojektes auch Teile des ehemaligen Lustgartens wiederhergestellt werden sowie in den Mauern des ehemaligen Kuh- und Pferdestalls ein Hotel- und Wellnessbereich entstehen.

Auf dem Spargelfeld oder im heimischen Garten – Münzfunde gab es schon vielerorts in Brandenburg. Anlässlich der herausragenden Entdeckung von Altlandsberg hier eine Auswahl an bislang gehobenen Schätzen.

„So einen Fund macht man nur einmal in seinem Leben“, freute sich Grabungsleiterin Blandine Wittkopp, als sie vor wenigen Monaten im Wriezener Ortsteil Eichwerder eine einzigartige Entdeckung machte. Bei Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt hat sie einen Ofen zur Salzgewinnung sowie das Grab eines Kindes mit Pfeilspitzen und einer Axt als Beilagen gefunden. Beides fast 5000 Jahre alt.

Es sind eben nicht nur Münzen, die das Herz der Archäologen schneller schlagen lassen und auch die Fantasie vieler Bürger anregen. Und Schatzfunde sind auch kein reines Phänomen der Nachwendezeit mit ihrer regen Bautätigkeit. Die bedeutendsten Entdeckungen zum Beispiel in Fürstenwalde datieren aus den Jahren 1934, 1955 und 1959. Der „Talerschatz“ aus dem Jahr 1959 galt mit seinen 317 Silbermünzen als größter Fund aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland.

Schlagzeilen hat im Jahre 1997 auch ein großer Silbermünzfund im Stadtzentrum von Templin gemacht. Sage und schreibe 1354 Silber- und vier Goldmünzen vermutlich aus dem 15. Jahrhundert kamen bei Bauarbeiten zum Vorschein. Sie stammten aus den Ländern der Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen und des Erzbischofs von Salzburg.

Der größte Fund in Ostprignitz-Ruppin gelang 2004 in Plänitz. Mit 601 Münzen, einem Medaillon und einem Silbergewicht von 650 Gramm gilt er als einer der größten und schwersten Schätze der Region aus dem 11. Jahrhundert.

Vor gut einem Jahr entdeckte ein Hobbyforscher in Potsdam-Mittelmark einen Schatz, dessen Existenz schon vor knapp 100 Jahren in Zeitungen thematisiert wurde. Mario Lippert hatte im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege ein Spargelfeld mit einem Metallsuchgerät abgegrast. Und siehe da, er fand 600 Silbermünzen aus dem 13. Jahrhundert. Ebenfalls ein Hobby-Archäologe hat Anfang dieses Jahres in Lebus fast 1000 Jahre alte Silbermünzen aus der Slawenzeit entdeckt. Etwa 30 Zentimeter tief im Boden fand er die 2100 Münzen, in Leinen gewickelt in einem zerbrochenen Tonkrug.

Für Thomas Kersting, Chef der Bodendenkmalpflege im Landesdenkmalamt, gibt es unter den vielen Schätzen doch eine klare Nummer eins. Und das sind die acht spätantiken Goldmünzen von Biesenbrow in der Uckermark, gefunden im Jahre 2012. Sie wurden vermutlich Mitte des 6. Jahrhunderts vergraben. „Das war die Zeit der Völkerwanderung. Eigentlich lebte damals kaum jemand in unserer Region. Umso schöner, nun solch einen Fund zu haben“, schwärmt er.

Anspruch auf Finderlohn haben Entdecker übrigens höchst selten. Das Denkmalschutzgesetz regelt, dass nur der einen Anspruch hat, der zufällig etwas findet. So wie Martin König aus der Nähe von Niemegk, der im Herbst 2015 in seinem Garten bei Schachtarbeiten 600 Münzen von anno 1200 ausbuddelte. Sein Finderlohn: 500 Euro.

Kersting ist überzeugt, dass es in Brandenburg ähnlich viele Schätze gibt wie anderswo in Deutschland. Einen Auftrieb habe die Schatzsuche in der Mark vor etwa neun Jahren erfahren, als das Landesamt die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Forschern verstärkte.

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