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Dietrich Schröder 20.03.2017 20:15 Uhr

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Wettlauf gegen die Grenzkriminalität

Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Zahl der Autodiebstähle steigt wieder, beiderseits der Oder werden Bankautomaten gesprengt und Einbrüche verübt. Ein seit Montag fortgeführtes Projekt, in dem deutsche und polnische Polizisten gemeinsam Sprachen und Einsatztaktik trainieren, hat große Bedeutung.

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Sind gewöhnlich in Guben und Gubin auf Streife: Polizeiobermeister Bernd Wichmann und seine polnische Kollegin Julita Cholewinska. Auch der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, Tino Glaser (v.l.) lernt jetzt Polnisch.

© MOZ/Dietrich Schröder

"Vor ein paar Monaten konnten wir unseren Brandenburger Kollegen noch helfen, eine Bande zu fassen, die mehrere Bankautomaten gesprengt hatte. Inzwischen gab es auch bei uns sieben derartige Vorfälle. Der jüngste vergangene Woche in Gorzów." Im aktuellen Lagebild von der grenzüberschreitenden Kriminalität, das Jerzy Glabowski an diesem Montag zeichnet, folgen Erfolge und Sorgen immer kurz aufeinander.

Ein weiteres Beispiel: "Vergangenes Jahr konnten wir dank unserer Zusammenarbeit genau 101 Autos in Polen wiederfinden, die zuvor in Deutschland gestohlen worden waren. Viele waren von den Dieben bereits in Teile zerlegt. 69 Tatverdächtige wurden festgenommen", beschreibt der Vizepolizeichef der an Brandenburg grenzenden Wojewodschaft Lebuser Land. Trotzdem sei die Gesamtzahl der Autodiebstähle auf polnischer Seite der Oder seit sechs Jahren nicht gesunken und in Brandenburg 2016 erstmals wieder gestiegen - und zwar um mehr als elf Prozent auf genau 2861 gestohlene Wagen.

"Die Kriminellen verändern immer wieder ihr Vorgehen, deshalb müssen auch wir unsere Taktik weiterentwickeln", räumt Glabowski ein. Der Vizepräsident der Brandenburger Polizei, Roger Höppner, ergänzt, dass ja auch neue Probleme hinzukommen, wie etwa die Abwehr des internationalen Terrors. Deshalb haben sich beide Seiten entschlossen, das bereits seit 2009 mit EU-Förderung laufende Projekt "Im Tandem gegen die Grenzkriminalität" für weitere drei Jahre fortzusetzen. Je zehn deutsche und polnische Beamte, die seit Montag zunächst eine Woche in Frankfurt die Sprache der jeweils anderen Seite büffeln und ab kommender Woche dann in Dienststellen der Nachbarn hospitieren, sind die ersten Teilnehmer der neuen Runde.

Seit dem Beginn vor acht Jahren hat sich viel verändert. "Zwar gibt es immer wieder Neueinsteiger, die ganz von vorn beginnen. Aber auch immer mehr alte Hasen, die schon zum zweiten oder dritten Mal dabei sind. Ich selbst zum Beispiel." Das berichtet Polizeiobermeister Bernd Wichmann, der so etwas wie der ideale grenzüberschreitende Polizist ist. Denn der Mann, der bisher mit seiner Familie in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) lebte, demnächst aber nach Guben umzieht, ist seit 1997 mit einer Polin verheiratet. "Meine Frau Renata ist aber keine Polizistin, sondern Logopädin in Gubin", berichtet er freimütig. Ihr Sohn Alexander will in ein paar Jahren im deutsch-polnischen Gymnasium von Gubin das Abitur machen.

Wichmanns Tandem-Partnerin aus Polen ist die Polizistin Julita Cholewinska. Die beiden laufen oder fahren häufig Streife durch Guben und Gubin, bestrafen oder ermahnen dabei Verkehrssünder, sind manchmal aber auch Einbrechern oder anderen "harten Jungs" auf der Spur. "Die gemeinsamen Streifen sollen den Bürgern beiderseits des Flusses das Gefühl geben, dass es trotz offener Grenze ein gemeinsames Vorgehen der Behörden gibt", beschreibt Vizepräsident Roger Höppner.

Auch Kriminalpolizisten, die sich zum Teil aus den gemeinsamen Ermittlungsteams kennen, in denen Diebesbanden verfolgt und festgenommen wurden, die sich auf Autos oder Solarmodulen spezialisiert hatten, nehmen an den Projekt teil. "Durch die unmittelbar persönlichen Kontakte zu den Kollegen, wird unser Kampf gegen die Kriminellen einfach effektiver", verrät einer von ihnen. Man lerne sich zudem nicht nur persönlich kennen und schätzen, sondern verstehe auch mehr von der Politik und Mentalität des Nachbarlandes. Auch das sei wichtig für die Zusammenarbeit.

Neben der Euroregion Pro Europa Viadrina, über die die Beantragung der EU-Fördermittel erfolgt, ist die an der Frankfurter Europa-Uni ausgegründete Sprachen GmbH Viadrina der wichtigste Partner. "Wir haben inzwischen eine ganz besondere Kompetenz für die spezifische Sprache der Sicherheitsbehörden", sagt deren Geschäftsführer David Furmanek.

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