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19.05.2017 16:49 Uhr

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Skelett im Brunnen - 32-jähriger Zeuge in Mordprozess abgetaucht

Neuruppin (dpa) Ein wichtiger Zeuge im Mordprozess um die Tötung eines Neubrandenburger Geschäftsmanns ist abgetaucht. Der 32-Jährige war am Freitag unauffindbar, wie die Polizei dem Landgericht Neuruppin mitteilte. Es war nach Angaben des Vorsitzenden Richters Udo Lechtermann verabredet, dass eine Streife den Obdachlosen aus Mecklenburg-Vorpommern abholt und nach Neuruppin bringt. Doch einem Betreuer gegenüber soll er erklärt haben, dass er vor der Schwurgerichtskammer nicht aussagen wolle. Seitdem ist unbekannt, wo sich der 32-Jährige aufhält. "Wenn es nicht anders geht, dann müssen wir ihn eben fangen", erklärte Lechtermann.

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Am 19. Mai wird der Prozess fortgesetzt.

© dpa

Der 32-Jährige gilt als möglicher Entlastungszeuge für den wegen Mordes angeklagten 34-jährigen Ex-Freund des Opfers. Er hatte in einer Vernehmung bei der Polizei ausgesagt, dass ihm ein anderer Mann die Tat gestanden habe. Die Anklage hält ihn aber für nicht glaubwürdig.

Dem Ex-Lebenspartner wird Mord aus Habgier und niederen Beweggründen vorgeworfen. Ermittler nahmen ihn Anfang 2017 in Dresden fest, weil er die Geschäfte des Opfers weiterbetrieben und zum Teil auch dessen Identität genutzt hatte. Das Skelett des Opfers wurde im Juni 2015 in einem Brunnen in Schönermark (Uckermark) entdeckt.

Weil der Zeuge am Freitag nicht vor Gericht erschien, ließ Lechtermann das Video seiner Vernehmung zeigen. Er berichtete den Beamten darin von einem Urlaubstrip im Sommer 2009 an die Ostsee mit seinem Kumpel Tony P. Am Strand von Kühlungsborn habe er ihm gestanden, wie er das Opfer mit einer Flasche oder etwas ähnlichem erschlagen habe. "Er sagte, dass wir etwas gemeinsam hätten. Wir haben beide mal jemanden erschlagen", erklärte der 32-Jährige im Video. Vor Jahren habe der Zeuge zusammen mit anderen Skinheads einen Linken in Schwerin zu Tode geprügelt. Von daher habe er die Aussagen des Tony P. für bare Münze gehalten.

Zudem lebte sein Kumpel bis Ende 2008 auf dem Hof in Schönermark mit dem Opfer in einer Wohngemeinschaft zusammen. Es sei zu einem Zerwürfnis gekommen. Als P. im Februar 2009 seine letzten Sachen abholen wollte, sei es zur Tötung gekommen. "Toni hat gesagt, dass er so viel Blut noch nicht gesehen hat und dass er fast kotzen musste", berichtet der 32-Jährige. Anschließend habe er zusammen mit anderen überlegt, alles wie einen Verkehrsunfall aussehen zu lassen oder die Leiche auf einem Feld zu verscharren.

Die Verteidigung reagierte am Freitag ungehalten. So eine schlechte kriminalistische Arbeit habe sie noch nicht gesehen. Der Zeuge sei "konzeptlos" vernommen worden. Es sei erwiesen, dass der Zeuge mehrfach die Unwahrheit gesagt habe, womöglich um seine eigene Tatbeteiligung zu verschleiern, betonte Anwalt Andreas Boine. Es sei bemerkenswert, dass der 32-Jährige die Tat und die Örtlichkeiten in Schönermark sehr erlebnisorientiert schildern könne, obwohl er stets behauptete, dass er selbst nie auf dem uckermärkischen Hof war, so Boine. Es sei hanebüchen, dass die die Polizei bei der Vernehmung nicht selbst auf die Idee gekommen sei, dass der 32-Jährige sehr viel mehr mit der Sache zu tun haben könnte, unterstrich Boine.

Lechtermann stimmte der Verteidigung insoweit zu, dass die Vernehmungssituation alles andere als glücklich war. Am 31. Mai soll die Verhandlung mit der Vernehmung der Eltern des Opfers fortgesetzt werden. P. kann nicht mehr gehört werden. Er starb 2015 kurz vor dem Skelettfund.

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