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Mathias Hausding 19.06.2017 20:42 Uhr

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Kindesentführung beendet

Potsdam (MOZ) Vor einigen Wochen hatte diese Zeitung über die Entführung eines Kindes durch die eigene Mutter berichtet. Nun ist der Junge wieder da - und der Vater überglücklich. Das Agieren der Behörden in dem Fall sieht er aber weiterhin sehr kritisch.

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Nun ist der Junge wieder da – und der Vater überglücklich.

© privat

Seit Ende Januar war der Zweijährige verschwunden. An einen unbekannten Ort entführt. Das ist eine Straftat, denn der Vater hat das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht und seit April auch das alleinige Sorgerecht. Dennoch unternahmen die Behörden kaum etwas, um den Jungen zurückzuholen. Die Anwältin des Vaters zeigte sich im Gespräch mit dieser Zeitung ratlos: "Ich könnte Befangenheitsanträge, Dienstaufsichtsbeschwerden oder Untätigkeitsklagen verfassen - aber auf die Schnelle würde all das nicht helfen."

Schließlich war es eine Privatperson, die Christian Steinke am 1. Juni den Tipp gab, der ihn zu seinem Sohn führte. 127 Tage nach der Entführung. "Es war nicht die Arbeit der Ermittler", betont der 35-Jährige. Jener Tippgeber sagte ihm, dass sich die Mutter mit dem entführten Kind gerade in einer bestimmten Wohnung in der Bernauer Innenstadt aufhalte. Steinke rief die Polizei an, die schließlich mit drei Einsatzfahrzeugen zu der Wohnung fuhr und sicherheitshalber auch einen Krankenwagen dazu beorderte.

Etwa 45 Minuten später war Christian Steinke selbst vor Ort und nahm seinen Sohn im Treppenhaus aus den Armen eines Polizisten in Empfang. "Ich war überglücklich und sehr erleichtert", erzählt der in einem großen Berlin-Brandenburger Unternehmen beschäftigte IT-Experte. "Die Bindung zwischen meinem Sohn und mir war sofort wieder da." Eine Polizeisprecherin bestätigt auf Nachfrage, dass es den Einsatz am 1. Juni in Bernau gab: "Die Übergabe des Kindes ist einvernehmlich und ohne Komplikationen verlaufen."

Also Ende gut, alles gut? Christian Steinke findet, dass es durchaus noch einiges zu sagen gibt. Nachdem er in früheren Gesprächen mit dieser Zeitung zum Schutz seines Kindes um Anonymität gebeten hatte, nennt er nun zumindest seinen Namen. Der seines Sohnes soll weiterhin nicht in der Zeitung auftauchen.

Steinke kritisiert die Tatenlosigkeit der Behörden, nachdem sein Junge von einem gerichtlich genehmigten Aufenthalt bei der Mutter nicht zurückkehrte. Die Polizei in Berlin, wo er mit seinem Sohn wohnt, habe ihn überhaupt nicht ernst genommen. Die Staatsanwaltschaften von Berlin und Brandenburg haben den Fall zudem wochenlang untereinander hin- und her geschoben. "Es ging überhaupt nicht voran", erzählt der Vater. Ein Rätsel sei ihm, wie sich die Mutter in der Zwischenzeit beim Jobcenter Geld holen konnte, ohne dass bei dieser Gelegenheit ein Zugriff erfolgte.

Dabei hätten die Beamten in besonderem Maße alarmiert sein müssen, findet er. Denn die Kindsmutter gilt laut Aktenlage als psychisch labil und selbstmordgefährdet. Auch neigt sie zum Konsum illegaler Drogen und zu Gewaltausbrüchen. Ein psychologisches Gutachten in dem Sorgerechtsstreit bescheinigt ihr Rücksichtslosigkeit gegenüber dem eigenen Kind. Mehrfach hat sie gegen Absprachen mit dem Kindsvater zum Umgang mit dem gemeinsamen Sohn verstoßen. Ihr Untertauchen hatte sie offenbar geplant, sich eigens eine neue Handynummer zugelegt.

Christian Steinke will sich nun die Akten ganz genau anschauen und das konkrete Verhalten der Behörden hinterfragen. "Es kann doch nicht sein, dass die Staatsanwaltschaft gar nichts macht und ich meinen Sohn quasi nur zufällig zurückbekomme." Außerdem würde er gern anderen Betroffenen mit seinen gewonnenen Erfahrungen weiterhelfen.

Vor allem aber kümmert er sich jetzt um seinen Sohn. "In ein paar Tagen steht eine längere gemeinsame Kur an", erzählt Steinke. Natürlich sei die ganze Sache für den Zweijährigen ein Einschnitt gewesen. "Aber es geht ihm gesundheitlich gut, er ist voller Tatendrang." Auch seine Mutter werde weiter eine Rolle spielen. "Ich liebe meinen Sohn, und da gehört die Mama dazu", sagt Steinke. Er habe bereits entsprechende Umgänge beantragt. Aber nur in Begleitung durch das Jugendamt. "Wenn sie dem zustimmt, können sich Mutter und Kind sehen."

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