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13.09.2017 21:45 Uhr

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Ex-Landsberger helfen Gorzów

Gorzów (Landsberg) Bis 1945 war es die evangelische Hauptkirche des deutschen Landsberg an der Warthe, seit einigen Jahrzehnten ist es der katholische Dom von Gorzów. Doch seit einem Brand im Sommer ist das Gotteshaus gesperrt. Jetzt gibt es Spenden von früheren Einwohnern.

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Rauch quillt aus dem Symbol von Gorzów: Nach mehr als zwölf Stunden Einsatz konnten polnische Feuerwehrleute am 1. Juli dieses Jahres den Brand im Marien-Dom der Stadt löschen.

© picture alliance / Lech Muszyñsk

"Es ist ein beklemmendes Gefühl, zu sehen, wie eine Kirche brennt." So wie Karl-Christoph von Stünzner, der sich am 30. Juni - einem Sonnabend -in Gorzów befand, ging es vielen Bewohnern des Ortes.

Das Stadtfest, das gerade erst begonnen hatte, wurde abgebrochen. Stattdessen begleiteten unzählige Menschen mit Gebeten den Kampf der Feuerwehrleute für das Gotteshaus. Es sollte bis Sonntagmittag dauern, als das Feuer endlich besiegt war. Der Dachstuhl erlitt durch die Flammen und die Orgel durch das beim Löschen eingesetzte Wasser schwere Schäden. Doch zumindest gab es keine Verletzten und der Einsturz des Turms konnte verhindert werden. Trotzdem ist die Kirche seither gesperrt.

Karl-Christoph von Stünzner war an diesem Tag nicht zufällig in der Stadt an der Warthe. Der frühere Bundeswehroberst setzt sich seit Langem für die deutsch-polnische Verständigung ein. Er ist Kurator der in Fürstenwalde ansässigen "Stiftung Brandenburg", die sich der Erinnerung an die deutsche Kultur in der einstigen Neumark widmet. "Am 30. Juni hatte ich mit Schülern aus Gorzów und dessen nordrhein-westfälischer Partnerstadt Herford über die deutsch-polnische Geschichte gesprochen", berichtet der 78-Jährige. In Herford hatten über Jahrzehnte die "Stiftung Landsberg" und die Bundesarbeitsgemeinschaft der einstigen deutschen Bewohner der Stadt ihren Sitz. Vor einigen Jahren hatte die Stiftung ihr Eigentum an die "Stiftung Brandenburg" übertragen.

Mit den Herausgebern des "Heimatblatt" Landsberg/Gorzów startete von Stünzner einen Spendenaufruf. "Innerhalb von zwei Monaten kamen knapp 4000 Euro zusammen, die die Stiftung jetzt aufgerundet hat", sagt der Ex-Offizier. Den Scheck will er heute in Gorzów an die Stadtverwaltung und die Kirche übergeben. Für ihn ist klar, "dass die Kirche nicht nur ein gemeinsames Stück Vergangenheit, sondern auch ein gemeinsames Stück Zukunft ist".

Über die Reparationsforderungen für den Zweiten Weltkrieg, die die aktuelle Regierungspartei in Warschau gegenüber Deutschland erheben will, kann der 78-Jährige dagegen nur mit der Stirn runzeln. "Es ist unglaublich", sagt er.

Auch die Stadt Frankfurt (Oder), die mit Gorzów ebenfalls partnerschaftlich verbunden ist, hat bereits 10000 Euro in Aussicht gestellt. Außerdem riefen die evangelische und die katholische Gemeinde ihre Mitglieder zu Spenden auf.

In Gorzów selbst soll am Dienstag auf einer Tagung von Stadt und Diözese über das weitere Vorgehen beraten werden. Zwar war bereits vor dem Brand eine grundlegende Sanierung des Gotteshauses geplant gewesen, doch dafür sind jetzt weitaus größere Summen vonnöten. Nach der Ursache des Feuers wird bis heute gesucht. Es wird spekuliert, dass eine Antennenanlage für den Mobilfunk, die in den Turm eingebaut worden war, nicht genug gegen Hitze und Blitze gesichert war.

Als wahre Fundgrube für Lokalhistoriker erwies sich dagegen eine Zeitkapsel, die bei der letzten deutschen Sanierung des Turms im Jahr 1934 auf dessen Spitze angebracht worden war. Sie konnte von den Feuerwehrleuten geborgen werden. "Darin befand sich unter anderem Notgeld aus den Jahren 1917 bis 1923, zum Beispiel ein Schein über eine Million Reichsmark aus der Inflationszeit, auf dem die Kirche selbst abgebildet ist", berichtet der Regionalhistoriker Robert Piotrowski.

Zudem hatte der damalige Landsberger Museumschef Fritz Buchholz Dokumente über Erneuerungen der Kirche aus den Jahren 1781 und 1825 in die Kapsel gepackt, darunter Listen mit Preisen, wie viel seinerzeit Kartoffeln, Fleisch und andere landwirtschaftliche Produkte kosteten. "Natürlich wurde 1934 auch eine Art Ergebenheitsadresse an den damaligen Reichskanzler Adolf Hitler verfasst", erzählt Piotrowski. Das sei aber auch ein Zeitzeugnis.

Spenden für die Kirche sind auf das Konto der "Stiftung Brandenburg" bei der Sparkasse Oder-Spree möglich. IBAN: DE 48 17055050 3000706266; Kennwort: Kirchturm Gorzow

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