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Bei manchem reicht das Ersparte Jahrzehnte

Euroscheine
Euroscheine © Foto: dpa
Hajo Zenker / 14.11.2017, 21:30 Uhr
Berlin (MOZ) "Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebt in materieller Unsicherheit." Das liest Professor Anke Hassel, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, aus einer neuen Studie ihres Hauses heraus. Diese hat "als Gedankenexperiment" ausgerechnet, wie lange die Ersparnisse deutscher Haushalte für die weitere Lebenshaltung ausreichen würden, wenn auf einen Schlag alle Einkommen, also Löhne genauso wie Arbeitslosen- oder Kindergeld, wegfielen. Damit ist in absehbarer Zeit zwar nicht zu rechnen. Aber das WSI will so verdeutlichen, wie unterschiedlich die Vermögen verteilt sind.

Kernergebnis: 30 Prozent der Haushalte könnten maximal wenige Wochen oder Monate überbrücken, weil sie kein nennenswertes Vermögen besitzen oder unter dem Strich sogar verschuldet sind. Weitere 20 Prozent würden sich maximal knapp zwei Jahre über Wasser halten, wenn sie Hab und Gut komplett veräußern und für den täglichen Bedarf verbrauchen. Bei zehn Prozent aber reicht das Vermögen dafür, den Lebensstil 13 Jahre und mehr aufrecht zu erhalten, fünf Prozent gelingt das sogar über 21 Jahre lang. Keine Überraschung: Ost-Haushalte würden nur halb so weit kommen wie westdeutsche, im Schnitt unter ein Jahr - statt über zwei Jahre in den alten Ländern.

Das WSI fordert eine verstärkte Vermögensbildung für Familien der unteren Mittelschicht, also der Haushalte, die von ihrer Arbeit leben, aber so wenig bekommen, dass es zu echtem Sparen nicht reicht. Eine Variante sei staatliche Eigenheim-Förderung. Auch kostenlose Kinderbetreuung steht auf der WSI-Forderungsliste: Besonders arm dran nämlich seien Alleinerziehende und ihre Kinder, rund 40 Prozent von ihnen stünden ohne Erspartes da.

Das Gewerkschaftsinstitut weiß es dabei durchaus zu schätzen, wenn sich möglichst viele Menschen nennenswertes Vermögen zulegen können. Wer zehn Jahre ohne Einkommen auskommen könne, der genieße, so Anke Hassel, "natürlich eine enorme Freiheit".

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