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Ärger um Drogen-Ausstellung

Polizisten untersuchen in Kreuzberg von einem Drogensuchhund aufgespürte Tütchen mit Drogen.
Polizisten untersuchen in Kreuzberg von einem Drogensuchhund aufgespürte Tütchen mit Drogen. © Foto: dpa
Maria Neuendorff / 14.11.2017, 23:00 Uhr - Aktualisiert 15.11.2017, 15:22
Berlin (MOZ) Eine Ausstellung im Kreuzberger Heimatmuseum wird schon vor ihrer Eröffnung zum Politikum. Dort würden Drogendealer als Opfer dargestellt und Kriminalität mithilfe von Steuermitteln verharmlost, lautet die Kritik.

Noch wurden sie nicht einmal aufgestellt, die 13 Papp-Figuren, die in einer Woche im Kreuzberger Heimatmuseum persönliche Geschichten von Drogendealern erzählen sollen. Doch schon alleine die Ankündigung des Konzeptkünstlers Scott Holmquist sorgt im Vorfeld für heiße Debatten. Denn im Ausstellungsflyer werden die afrikanischstämmigen Dealer im Görlitzer Park als Opfer der Gesellschaft bezeichnet. Schwarze Menschen seien aufgrund von "postkolonialen Mustern zum öffentlichen Sinnbild der Drogenverkäufer geworden", denen jede Form von Menschlichkeit abgesprochen werde, heißt es da.

"Das gibt's nur in Berlin: Museum feiert Drogendealer", titelte sofort die Bild-Zeitung. "Haben die Rotrotgrünen jetzt vollkommen den Verstand verloren?", stimmte die AfD in Person von Georg Pazderski auf Facebook mit ein. Es sei ein Unding, dass Dealer in der Ausstellung als "Helden des Alltags" geehrt würden, die "tapfer" ihrer Arbeit nachgehen würden.

Timur Husein von der CDU-Fraktion regt es dagegen eher auf, dass die Schau mit Mitteln des Bezirksamtes gefördert wird. "Wenn die Ausstellung rein privat wäre, könnte man über Kunstfreiheit reden. Aber wenn Kriminalität mit Steuergeldern verharmlost wird, ist das ein Schlag ins Gesicht von Opfern", findet der Rechtsanwalt aus Friedrichshain-Kreuzberg, der auch die Legalisierung von Cannabis ablehnt.

Doch Huseins Antrag, die Förderung von 500 Euro des Bezirksamtes zurückzunehmen und die Ausstellung nicht in das Bezirksmuseum zu lassen, wurde am vergangenen Mittwoch mehrheitlich abgelehnt. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linken unterstützt sogar das Kunstprojekt.

Auch Clara Herrmann, Bezirksstadträtin für Finanzen, Umwelt, Kultur und Weiterbildung im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, sieht in der Ausstellung keine Glorifizierung von Drogen oder ihrem Handel. "Drogenhandel in Berliner Parks ist Teil der Lebensrealität der Friedrichshainer und Kreuzberger." Aufgabe des Bezirksmuseums sei es, relevante Dinge aus dem Stadtteil aufzugreifen. "Kunst darf, kann und muss irritieren und provozieren. Sie kann das nur, wenn sie frei ist", so Herrmann.

Aufgrund der vielen Anfragen lädt sie Pressevertreter nun schon am Freitag zu einer "Vorab"-Begehung der Ausstellung mit dem Titel "Andere Heimaten: Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks" ein. Neben der Kulturstadträtin Clara Herrmann will sich dann auch der Künstler erstmals ausführlicher zu seiner Schau äußern. Der in Berlin lebende Amerikaner hatte schon vor einem Jahr mit einem "Bürger*innenantrag" für Aufsehen gesorgt, in dem er ein "Denkmal für Dealer*innen" forderte. Für seine neue Ausstellung haben Holmquist und sein Team 159 Interviews mit Dealern im Görlitzer Park und in der Hasenheide geführt. Anhand ihrer persönlichen Geschichte zu Herkunftsorten und Migrationsrouten solle die Diskussion um die Drogenverkäufer in Berliner Parks versachlicht werden, heißt es auf der Webseite.

Die Diskussionen um den Umgang mit dem generellen Problem werden wohl auch ohne die Ausstellung weitergehen. Im Oktober hat die rot-rot-grüne Landesregierung die Null-Toleranz-Zone im Görlitzer Park wieder abgeschafft. Der frühere Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte diese 2015 eingeführt, um das Drogen- und Gewaltproblem in der berüchtigten Grünanlage in den Griff zu kriegen. Der Besitz und Konsum von 16 Gramm Cannabis ist dort nun wieder erlaubt. "Das ist der falsche Weg. Man hätte bei dem Pilotprojekt einen viel längeren Atem haben müssen", findet Timur Husein. Schließlich hätte es in der Zeit der "Null-Toleranz-Zone" auch weniger Überfälle, Diebstähle und Körperverletzungen im Park gegeben.

"Andere Heimaten: Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks", 22. November bis 14. Januar im Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstraße 95 A. Geöffnet Di bis Frei von 12-18, Sa und So 10-18 Uhr. Eintritt frei.

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