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Doris Steinkraus 22.12.2011 07:39 Uhr
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Früh Geburtstag, abends Bescherung

Gusow (MOZ) Bis Heiligabend öffnen wir jeden Tag ein Kalendertürchen. Dahinter verbergen sich in diesem Jahr Ihre Geschichten. Wir berichten über Ihre aufregendste, bewegendste oder auch witzigste Weihnacht. Die Palette ist so breit wie das Leben selbst. Heute: Böhmels Christkind-Geschichte.

  Ein Christkind: Elona Böhmel mit ihrem ältesten Sohn Thomas. Er wurde Heiligabend 1965 in Seelow geboren. © Doris Steinkraus MOZ

Elona Böhmel weiß es noch wie heute. "Mein Kind sollte erst am 3. Januar kommen", erzählt die Gusowerin. "Ich saß früh bei meinen Eltern und bekam plötzlich starke Kreuzschmerzen." Da noch Zeit bis zum errechneten Geburtstermin war, dachte sie, dass es wohl nur Begleiterscheinungen der Schwangerschaft sind. "Doch dann ging alles ganz schnell", erzählt die Friseurmeisterin. Das Krankenauto wurde gerufen und dann ging es ab ins Seelower Krankenhaus. Ihr Sohn wollte offensichtlich unbedingt schon das Weihnachtsfest erleben. Er ließ weder der werdenden Mutter noch den Schwestern, Hebamme oder Arzt Zeit. Kurz nach 12 Uhr drängte er auf die Welt.

Das war vor fast 46 Jahren. Am Heiligabend macht die Geschichte immer wieder mal die Runde in der Familie. Und Erinnerungen werden wach, als die meisten Frauen ihre Kinder im Seelower Krankenhaus zur Welt brachten, im sogenannten "Storchennest". Vieles sei damals anders gewesen, erzählt die 62-Jährige. Dass sie Weihnachten im Krankenhaus verbrachte, habe sie damals gar nicht als so großes Drama empfunden. "Ich hatte meinen Sohn, freute mich immer, wenn ich ihn zu den Mahlzeiten im Arm halten konnte." Zudem sei sie ja nicht allein gewesen. Das Storchennest war voll belegt.

Und es war üblich, dass die Frauen mindestens zehn Tage in der Geburtsstation blieben. "Die ersten Tage durften wir nicht einmal aufstehen", sagt sie. Sie weiß aber noch, dass sie zum Jahreswechsel einfach raus wollte aus dem Krankenhaus. Dafür musste sie sogar extra eine Erklärung unterschreiben - Entlassung auf eigenen Wunsch. Für ihren Sohn ist der Geburtstag am Heiligabend irgendwie etwas sehr Selbstverständliches. "Als Kind habe ich nach dem Aufstehen mein Geburtstagsgeschenk bekommen und abends zur Bescherung dann das Weihnachtsgeschenk", berichtet der 45-Jährige. Wenn man es nie anders kenne, sei das kaum ein Problem. Er habe auch damit gelebt, dass die Kindergeburtstage immer erst verspätet gefeiert wurden. Welcher Freund wollte schon am Heiligabend zur Feier kommen? Da später noch Bruder Sven (43) und Schwester Peggy (41) - alle im Seelower Storchennest geboren - dazu kamen, sei es ohnehin immer eine fröhliche Kinderrunde gewesen.

Seit Gründung der eigenen Familie wurde es etwas komplizierter. Jetzt sitzt die Familie Heiligabend am Nachmittag zusammen und abends gestaltet jede Generation ihren Festtag. Die Geschwister kommen an einem der Feiertage. Und auch die vielen Freunde kommen Jahr für Jahr zur nachträglichen Feier, selbst, wenn ein runder Geburtstag ansteht. Tochter Desiree hat dem Ganzen mittlerweile noch die Krone aufgesetzt. Die Eltern ihres Freundes haben beide jeweils am gleichen Tag Geburtstag wie ihre eigenen Eltern. In diesem Jahr wird der Schwiegervater in spe 50, da soll nun in den Heiligabend hineingefeiert werden.

"Man hat mitunter schon Probleme, terminlich alles unter einen Hut zu bekommen", gesteht Thomas Böhmel. Aber der Familienvater managt alles gelassen und ruhig. "Die Hauptsache ist, dass man gesund bleibt und wir in unserer Gemeinschaft weiter zusammenhalten." Damit meint er nicht nur die Familie - Mutter und Sohn wohnen nur ein paar Schritte voneinander entfernt -, sondern auch den Dorfclub, in dem er seit Jahren mitwirkt. Hier organisiere man nicht nur gemeinsam viel fürs Dorf, sondern helfe sich auch untereinander. Und natürlich wird auch der 46. Geburtstag von Thomas Böhmel gemeinsam gefeiert, wie immer nachträglich.

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