Petershagen-Eggersdorf . An dem Ort, der sich im Doppeldorf am deutlichsten mit der gesellschaftlichen Wende verbindet, soll am 9. November dieses historische Ereignis von 1989 gewürdigt werden: in der Petershagener Dorfkirche. Die Überlegungen dazu laufen seit langem.
Das heutige Doppeldorf hat in der Zeit der gesellschaftlichen Wende eine maßgebliche Rolle im Altkreis Strausberg gespielt. Hunderte Menschen aus dem Ort und der Region waren 1989 unter dem Dach der Petershagener Dorfkirche zusammengekommen.
Dort predigte damals Pfarrer Andreas Rütenik und hielt die Tore ebenso für Nichtchristen weit offen, die in mehrfacher Hinsicht aber auch Gleichgesonnene waren. Dass die kommunale Gedenkveranstaltung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls an diesem Platze stattfindet, ist nicht verwunderlich. "Wir müssen an den Ort gehen, wo Menschen damals das Gefühl gegeben worden ist, etwas bewirken zu können, Gehör zu finden und ein Domizil", nannte es Ausschussvorsitzende Christine Schliebs (SPD) kürzlich im Bildungsausschuss.
Seit Wochen beschäftigen sich der Arbeitskreis Erinnerungskultur der Gemeinde und jener Ausschuss mit der würdigen Ausgestaltung des 9. November. Denn ein von allen Seiten zu akzeptierendes Programm dafür bedurfte der Auseinandersetzung zu damaligen Positionen der Beteiligten im Arbeitskreis ebenso wie zu bis heute gewonnenen Einsichten.
Die Veranstaltung werde um 19 Uhr in der Dorfkirche beginnen und als Hauptredner dieses Abends Andreas Rütenik auftreten, wurde über Feststehendes informiert. Der damalige Pfarrer weilte auf Einladung bereits im Arbeitskreis und hatte dort auch seine gedankliche Konzeption vorgestellt. Sie werde sich nicht nur auf das eigentliche Datum beziehen, hieß es, sondern auch auf die Vorgeschichte.
Kurze filmische Sequenzen aus jenen ereignisreichen Tagen sollen die örtlichen Ereignisse zudem in den großen gesellschaftlichen Zusammenhang stellen, vorbereitet von Arbeitskreis-Mitglied Dieter Neitzel.
Welchen Bürgern am 9. November außerdem noch Stimme gegeben werden soll, hat sich nach mehreren Diskussionen herausgeschält. "Denn eine solche Veranstaltung lebt von persönlichen Äußerungen Beteiligter", hatte Günter Knobloch vom Arbeitskreis Erinnerungskultur zu bedenken gegeben.
Einen politischen Schlagabtausch solle es an dieser Stelle aber nicht geben, legte Karin Reimann als Mitglied des Arbeitskreises und Gemeindevertreterin die übereinstimmende Auffassung dar. Doch es seien schließlich nicht nur Christen unter den damaligen Kirchgängern gewesen. So ist man im Arbeitskreis gegenwärtig damit beschäftigt, sowohl von Petershagener als auch von Eggersdorfer Seite - beide waren 1989 selbstständige Kommunen - damals agierende Personen einzubeziehen. Im Anschluss an die Veranstaltung aber wird es auf dem Dorfanger bei einem Bier auch noch Gelegenheit zum Gespräch geben.
Seniorenbeauftragter Klaus-Dieter Steffen regte darüber hinaus an, in der Ortszeitung mehr über die Vorgeschichte zu informieren, da viele Neubürger wie auch er diese nicht kennen. Kinder- und Jugendbeauftragter Daniel Walther verwies in dem Zusammenhang auch auf 1989er Medienbeiträge.
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