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Sandra Kurtz 22.02.2012 21:51 Uhr
Red. Hennigsdorf, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Der Teamspieler

Hohen Neuendorf (MZV) „Die haben mich alle ganz schön abgeschirmt. Erst gestern habe ich erfahren, wer die Ehrung initiiert hat“, sagte Rüdiger Becker gestern. Gut geschlafen habe er nach der Auszeichnungsveranstaltung in der Staatskanzlei, bei der 45 von 23000 brandenburgischen Lehrerinnen und Lehrer für ihr besonderes Engagement geehrt wurden (wir berichteten). Der 45-Jährige konnte die Jury der Staatskanzlei überzeugen, dass er der Beste aus Oberhavel ist. „Aber ich sehe den Preis als eine Anerkennung der Arbeit unseres gesamten Teams an der Schule“, setzt Becker gleich nach.

  Nicht gern in der ersten Reihe: Rüdiger Becker bei der Preisverleihung in der Potsdamer Staatskanzlei. © Kurtz

Seit 1998 ist er am Hohen Neuendorfer Gymnasium. Geboren in Baden-Württemberg, kam er 1987 nach West-Berlin zum Studium. „Hier musste ich her, in Berlin war politisch einfach am meisten los. Ich wollte Journalist werden, nicht Lehrer. Das war für mich damals ein ganz übler Beruf.“

Politik und Deutsch, das stand von Anfang an auf Beckers Plan. Modalitäten an der Universität brachten es schließlich mit sich, dass Becker zum Lehramt wechselte. „Ausschlaggebend war aber ein Praktikum an einer Kreuzberger Hauptschule. Mit einer achten Klasse, die einen Ausländeranteil von über 80Prozent hatte, machte mir der Unterricht so viel Spaß, dass ich bis zu meinem zweiten Staatsexamen weitermachte“, erinnert sich Rüdiger Becker, der mit einer Geschichts-Professorin verheiratet ist und im Prenzlauer Berg wohnt. Die Kreuzberger Schüler seien so interessiert und so motiviert gewesen, das habe ihn überzeugt, eben doch diesen „üblen“ Beruf zu wählen. 1997 hatte er seinen Abschluss in der Tasche und arbeitete vertretungsweise in Potsdam und in Eberswalde.

Ab 1998 waren es dann die Hohen Neuendorfer Schüler, mit denen Becker Themen wie die deutsche Romantik und den Staatsaufbau durchging. „Es hat sich in den zurückliegenden Jahren natürlich viel verändert. Der Unterricht, in dem wir als Schüler saßen, hat nichts mit dem zu tun, was wir heute mit unseren Schülern machen“, schätzt der Pädagoge ein. „Was in den 14 Jahren an meiner Schule allerdings geblieben ist, ist die Freundlichkeit der Schüler, die Hilfsbereitschaft der Kollegen untereinander. Wir arbeiten auf einem hohen Niveau, und meine Schüler sind auch sehr wissbegierig. Sie sind extrem leistungsbereit. Da ist das Arbeiten natürlich ganz entspannend.“

Vor allem fachlich anspruchsvoll sei sein Unterricht. Planspiele, Diskussionen und Gruppenarbeit gehören dazu. Das sind Dinge, die seine Schüler an ihm schätzen und die sie auch in die Begründung für die Jury der Staatskanzlei schrieben. „Klar ist auch, dass wir die Vorbereitungen auf die Prüfungen alle nicht so spannend finden. Aber Text-Erörterungen müssen eben sitzen, das ist Handwerkszeug, wird gebraucht beim Abitur und muss geübt werden.“

Mehr Freude macht Becker da die Organisation der Partnerschaft mit einer Stockholmer Schule. „Seit 2002 kümmere ich mich um die jährlichen Reisen dorthin. Skandinavien mochte ich vorher schon ganz gerne, nur Schwedisch habe ich noch immer nicht richtig gelernt. Ich kann Ja und Nein sagen und natürlich ein Bier bestellen. Das haben mir die Kollegen zuerst beigebracht“, sagt Becker und lacht dabei. Am 19. März kommen die Schweden in diesem Jahr nach Hohen Neuendorf und sind in Gastfamilien untergebracht. Im Sommer dann findet der Gegenbesuch statt.

Wenn Rüdiger Becker nicht seinen Unterricht vorbereitet oder Klausuren durchguckt – er hat gelernt, dafür die S-Bahnfahrten zu nutzen – reitet er sehr gerne. „Das ist ein guter Ausgleich. Ich habe eine Reitbeteiligung in Werneuchen, da geht es am Wochenende immer ab in den Wald.“ Seinem ursprünglichen Wunsch, Journalist zu werden, kommt er nach, indem er die Schülerzeitung „Äx-Akt“ betreut. Die ist auch schon einmal mit einem Preis ausgezeichnet worden.

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