. Wie zu Kleists Zeiten konnten in den Ferien Kinder an einem Nachmittag pro Woche im Kleist-Museum spielen. Im Winter bietet das Haus auch wieder Spieleabende für Erwachsene an.
"Dieses Ferienangebot richtet sich speziell an Kinder", sagt Julia Wilhelm, die mit einer Kollegin die Nachmittage betreute und die Spiele anleitete. "Die Idee entstand im Zusammenhang mit der Spiele-Ausstellung im Museum, die bis März diesen Jahres zu sehen war. Und die Resonanz ist sehr positiv!" Mehreren Hortgruppen mit bis zu 15 Kindern hat Julia Wilhelm bereits das Gänsespiel erklärt und mit ihnen im Hof gekegelt. Auch der öffentliche Spielenachmittag in dieser Woche wurde gut angenommen: insgesamt haben etwa 120 Kinder das Angebot genutzt.
Zur Einstimmung wurde jeweils eine kurze Film-Sequenz mit Ausschnitten aus Kinofilmen gezeigt, die in der Epoche spielen. Die Kindern sahen diverse Spiele, die sie im späteren Verlauf dann selbst ausprobieren konnten: So zum Beispiel Federball oder auch verschiedene Würfelspiele. "Mit den Bildern aus dem Film können sie sich besser in die Zeit einfühlen", sagt Julia Wilhelm. Den Kindern fiele es so leichter, sich vorzustellen, wie die Menschen vor 200 Jahren gekleidet waren und wie sie lebten.
Für die angehende Studentin ist dieser Ferienjob eine gute Möglichkeit, sich auf ihr Pädagogik-Studium vorzubereiten. Zudem sei es schön zu sehen, wie die Kinder auf die Spiele reagierten. "Häufig ist es so, dass die Spiele heute in veränderter Form immer noch existieren", sagt Julia Wilhelm. Deshalb werden zum Beispiel bei Brettspielen immer die heutige und die historische Version gezeigt. Besonders die grafische Darstellung unterscheidet sich, um 1800 druckte man die Regeln beispielsweise direkt auf das Spielbrett.
Und auch einem weiteren Merkmal der Spielkultur von Kleists Zeitgenossen wurde an diesem Nachmittag Rechnung getragen: Spielen um Geld. Drei Taler bekam jedes Kind als Spieleinsatz - was vor allem die Jungen ansporne, erzählt Julia Wilhelm. "Die entwickeln da einen regelrechten Ehrgeiz", sagt sie und lacht.
Die Spiele für draußen sind den heutigen dagegen recht ähnlich. Beim Mikado allerdings kommt eine Schwierigkeit hinzu: Es wurde zu damaligen Zeiten mit Haken gespielt, die dazu dienten, die Stäbe aufzunehmen. Die teilnehmenden Kinder kamen aber gut mit den Anforderungen zurecht - Spielen bleibt eben doch Spielen, ob vor 200 Jahren oder zur heutigen Zeit.
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