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Weitere Vorwürfe betroffener Familien über zu lange Bearbeitungszeiten in der Kreisverwaltung

Banges Warten auf das Elterngeld

Oliver Schwers / 27.02.2014, 06:55 Uhr
Prenzlau (MOZ) Die Auszahlung des Elterngeldes an junge Familien scheint in der Uckermark mit langen Wartezeiten verbunden zu sein. Nach einer Veröffentlichung in der Märkischen Oderzeitung meldeten sich spontan weitere Betroffene, die die Arbeitsweise der Kreisbehörde heftig kritisieren.

Die Geburt eines Kindes gehört zu den schönsten Momenten im Leben. Junge Eltern zeigen voller Stolz ihren Nachwuchs. Alle Sorgen scheinen vergessen, die Welt ist voller Glück. Doch der Alltag stellt sich schnell wieder ein, wenn das Geld knapp wird. Und das kann schneller geschehen, als den Eltern lieb ist. Denn viele junge Familien nehmen das von der Bundesregierung beschlossene Elterngeld in Anspruch. Es richtet sich nach dem bisherigen Nettoverdienst und soll die Betreuung und Erziehung der Kinder in den ersten Monaten innerhalb der Familie unterstützen.

Wenn aber die Unterstützung durch lange Behördenwege ausbleibt, wird es bei den Betroffenen eng in der Kasse. Die Märkische Oderzeitung veröffentlichte in dieser Woche einen Fall aus Angermünde, bei dem ein Paar vier Monate lang auf das Elterngeld warten musste. Ohne die Hilfe der eigenen Eltern hätten sie am Ende nicht mal mehr die Miete zahlen können. Nach dem Beitrag meldeten sich gleich mehrere Betroffene mit ähnlichen Berichten über monatelange Schwierigkeiten mit der Kreisverwaltung Uckermark. Die Spitze des Eisbergs: Eine junge Frau aus dem Angermünder Umland wird nach eigener Darstellung seit Januar hingehalten, ohne einen Bescheid oder Geld zu bekommen. Das Baby kam bereits Ende Oktober zur Welt. Der Gipfel: Das Jobcenter hat nun die Leistungen gekürzt mit dem Hinweis, dass sie ja Elterngeld erhalte. Doch auf dem Konto ist davon nichts zu sehen. "Eine Freundin von mir lebt in Hamburg", berichtet die junge Frau. "Auch sie hat fast zeitgleich Elterngeld bei der dortigen Behörde beantragt. Der Bescheid kam Anfang Januar."

Was ist los in der Uckermark? Werden plötzlich so viele Kinder geboren, dass die Verwaltung nicht mehr hinterherkommt? Verprellt die Behörde junge Mütter, die so dringend gebraucht werden? Dazu nimmt die Verwaltung Stellung: "Die von der MOZ-Leserin angesprochenen Probleme über lange Wartezeiten bei der Bearbeitung von Elterngeldanträgen wurden im Jugendamt des Landkreises überprüft und ausgewertet", heißt es dazu. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liege bei etwa acht Wochen, könne jedoch in bestimmten Fällen auch deutlich länger sein. "Das ist insbesondere der Fall, wenn Erstattungsansprüche anderer Behörden vorliegen und bei der endgültigen Bearbeitung zu berücksichtigen sind. So auch im genannten Fall, wo mehr als drei Monate zwischen Antragstellung und Bescheid liegen. Lange Bearbeitungszeiten sind auch für die Mitarbeiter in der Elterngeldstelle sehr bedauerlich und nicht zufriedenstellend. Denn natürlich weiß jeder, dass insbesondere junge Familien auf das Geld angewiesen sind."

Im konkreten Fall habe es keinen Wechsel der Bearbeiter gegeben. Wenn Mitarbeiter telefonisch nicht erreichbar seien, würden diese oft Beratungsgespräche führen. "Nicht bestätigen können wir den Vorwurf, dass das Jobcenter Leistungen kürzt, ehe die Elterngeldstelle ihre Zahlungen veranlasst. Dies ist auch im angesprochenen Fall nicht geschehen. Hier hat das Jobcenter die Leistungen bis einschließlich Februar 2014 ungekürzt überwiesen."

Die Elterngeldstelle der Kreisverwaltung weist gleichzeitig dringend darauf hin, dass die Antragsteller möglichst innerhalb von 14 Tagen nach der Geburt des Kindes den Antrag beim Jugendamt einreichen. Die Bearbeitung erfolge in der Reihenfolge des Posteingangs.

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Ex-Uckermärker 03.03.2014 - 20:45:07

In den Ruin gespart!

Guter Vorschlag, wenn keiner mehr in der Verwaltung arbeitet, kann man auch keine Gelder auszahlen. Das spart richtig! So kommt die Uckermark voran! Lieber LESER, bitte täglich im Jugendamt oder noch besser beim Landrat anrufen. Das beschleunigt. Ansonsten muss man ewig warten.

Leser 27.02.2014 - 23:54:35

...und nicht nur Elterngeld !

...ich habe beim Jugendamt in Prenzlau am 17.12.2013 (!) einen Antrag auf Übernahme der Hortkosten gestellt und bis heute keinen Bescheid erhalten- mit der Begründung " eines sehr hohen Arbeitsaufkommens". Ob ich in einem Monat nochmal anrufen sollte?

Uckermärker 27.02.2014 - 22:33:50

Und nun?

Was gedenkt den der Landrat nun zu tun??? Wie immer: Augen zu und weiter so? Oder endlich die Ursachen beseitigen und innerhalb von z.B. 4 Wochen das Geld auszahlen. Als Bürger zahlen wir ja auch pünktlich unsere Steuern. Interessiert sich überhaupt noch jemand in der Verwaltungsführung oder bei den Abgeordneten für die Sorgen und Nöte der Bürger?

uckermark 27.02.2014 - 19:25:17

jaja...

Der Landrat kann doch keine interne Verwaltung durchführen, er ist viel zu sehr beschäftigtsen Gesicht in die Presse zu halten. Und Herr Brandenburg, entlassen Sie doch noch mehr Mitarbeiter. Wenn die Eltern kein Geld kriegen, kann man noch mehr sparen !!!

mehr Ärger 27.02.2014 - 18:26:22

typisch Jugendamt

Da kann man wieder ganz deutlich die Sparpolitik des Kämmerers ablesen. H. Brandenburg sorgt bei einer neuen Aufgabe nicht für das nötige Personal auf Kosten einer vernünftigen Verwaltungsarbeit und Bürgerfreundlichkeit. Derartig lange Bearbeitungszeiten haben nur einen Grund: zu wenig Personal. Und wer trifft diese Entsscheidungen??? Ich kennte eine Mitarbeiterin des Jugendamtes. Und da hört man dann ganz deutlich, warum die Situation so ist. Wenn ich hier Kommentare zu anderen Beiträgen lesen, sind die Ursachen doch klar. siehe: http://www.moz.de/kommentare/mc/1242431/75/1/ Der Landrat muss sich endlich mal um seine Aufgabe der internen Verwaltung kümmern und dies nicht blind dem Beigeordneten überlassen. Die Bürger haben ein Recht auf eine zeitnahe Bearbeitung!

Ärger 27.02.2014 - 09:19:06

Kinderpolitk

Ja das bestätigt mal wieder wie kinderfreundlich die Familienpolitik gestaltet wird. Jammern rum, daß die Geburtenzahl unzureichend ist, aber Eltern, die sich dazu entscheiden, eine Familie zu gründen, werden hingehalten. Wer kommt für die Zinsen auf, die entstehen, wenn der Landkreis das Geld so lange zurückbehält(langer Bearbeitungsaufwand). Ist echt ne Schande das junge Eltern bei Freunden, Bekannten und Verwandten um Unterstützung bitten müssen, weil die Behörde mal wieder nicht aus dem Knick kommen. Na wenn das Jugendamt dann später auch so reagiert, wenn Probleme bei der Erziehung auftreten, sage ich nur ..... lebe wohl grausame Uckermark. Woanders treten eben solche Probleme nicht auf. Kein Wunder warum dann solche Leute uns den Rücken kehren. Nen schönen Tag noch.

franz 27.02.2014 - 08:38:47

und jetzt?

Wenn das das Ergebnis der Überprüfung und Auswertung des LK ist, na dann gute Nacht Uckermark. O-Ton: tragisch, aber die Regel und kein Grund für irgendwen irgendwas anders zu machen. Mal wieder ein deutlicher Hinweis auf wessen Kosten unsere Kreispolitik ihre Sparziele erreicht!

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