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Uwe Stiehler 25.04.2012 19:00 Uhr

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Bekenntnis zur Figur

Berlin (MOZ) Ausgerechnet dort, wo es ums große Geld geht, um Macht und Stärke, findet sich ein Denkmal für die Zärtlinge. Seit 1983 steht in der Innenstadt von Frankfurt/Main Richard Heß' über drei Meter hohe Bronze "David und Goliath", die an jene Kräfte erinnert, die in den Schwachen mächtig sein können.

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Richard Hess: David und Goliath III, 1981, Bronze

© MOZ/Uwe Stiehler

Es ist nicht das erste Mal, dass der Bildhauer gegen den Strom schwimmt. Heß, am 6.April1937 in Berlin geboren, hat immer das Schöne und Figurative verteidigt. Als er im Westteil der Stadt Kunst studiert und auch später, als er an den Universitäten von Braunschweig und Darmstadt arbeitet, als er Mitglied der Darmstädter Sezession wird und wieder nach Berlin zurückgeht. Dort zeigt die Kunsthandlung Wilfried Karger zu Heß' 75. Geburtstag Arbeiten des Bildhauers, der seit Jahrzehnten an der Entzauberung des westdeutschen Kunstbetriebes mitwirkt.

Heß hat gezeigt, dass der genauso dogmatisch war wie jener im Osten. Im Ringen von abstrakter und gegenständlicher Kunst, zu beiden Seiten der Mauer politisch aufgeladen, stellt sich Heß zwischen die Fronten. Er will weder das Bekenntnis zur Figur politisch instrumentalisieren, noch das Abstrakte allein als Ausdruck von Freiheit und Modernität gelten lassen. Und auch nach dem Fall der Mauer und nach einer Entideologisierung der Kunst bleibt Heß mit seinem Plädoyer für die Figur unnachgiebig, weil er die Bildhauerei durch eine um sich greifende Beliebigkeit und den Verlust des Menschenbildes, wie er es nennt, gefährdet sieht. "Es ist eine Zeit der Verwirrung", meint er, "in der das Hässliche für Schön und das Abstruse allein als wertvoll gelten."

In seiner Berliner Ausstellung betont er, wie sehr er sich dem Wert der handwerklichen Meisterschaft verpflichtet fühlt. Und man sieht, dass er sich da zu einer Tradition bekennt, die zu einem der ganz großen deutschen Bildhauer der Moderne führt. Die Sinnlichkeit und Weichheit von Heß' Frauen-Bronzen erinnert an jene von Waldemar Grzimek, dessen Assistent der 75-Jährige vor 40 Jahren war.

Doch dann gibt es bei Heß auch diesen Kontrast, das Schroffe und Brutale einer gewalttätigen Männlichkeit. Er zeigt Sieger, Besiegte, Gedemütigte - und eine rauere Miniatur von David und Goliath. Auch da sitzt der vermeintlich Schwächere auf dem abgeschlagenen Haupt des Riesen und schaut entschlossen aus seinem Helm. Und auch da triumphiert der Mut eines Außenseiters über das blinde Vertrauen auf die Gigantomanie.

Bis 12. Mai, Kunsthandel Wilfried Karger, im Stilwerk Berlin, Kantstr. 7, Di-Fr, 14-19 Uhr, Sa 10-19 Uhr

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