. Müncheberg (azi/ulg/dos) Rund 80 Vertreter aus Verwaltungen, Institutionen, Verbänden und Fachfirmen aus ganz Brandenburg und aus Mecklenburg-Vorpommern folgten der Einladung ins Müncheberger Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Hier fand die dritte Fachtagung "Alleen in Märkisch-Oderland" statt.
Landrat Gernot Schmidt verwies in seiner Begrüßung unter anderem auf Alleenerneuerungen an der Kreisstraße 6414. Dort seien in den vergangenen zwei Jahren zwischen Strausberg und Klosterdorf 90 Robinien gepflanzt worden, zwischen Klosterdorf und dem Waldrand 143 Ahorne sowie bei Ernsthof 181 Eichen. Die Finanzierung erfolgte aus dem Fonds Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aus dem Bereich Naturschutz. In diesem Jahr sei, so der Landrat, der erste Vertrag mit einer Bürgerinitiative in Reichenow unterschrieben worden.
Die Moderation der Fachtagung hatte der im Sommer verabschiedete Leiter des Naturparks Märkische Schweiz Meinhard Ott in seiner Funktion als Landesvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald übernommen.
Auf sehr unterhaltsame Weise erläuterte zunächst der Präsident des Brandenburgischen Oberlandesgerichts Wolfgang Farke den rechtlichen Rahmen zum Thema "Medientrassen contra Alleen". Praktiker interessierte, ob sich Versorgungsunternehmen auf das nachträgliche Pflanzen von Bäumen einstellen müssten oder auch, ob sie dazu gezwungen werden können, Leitungen gemeinsam zu verlegen. Farke meinte in beiden Fällen ja. Allerdings gebe es hierzu noch keine entsprechenden Gerichtsurteile. Auf Nachfrage erklärte er zudem, dass es Probleme mit Leitungen - wenn überhaupt - meist außerhalb des Straßenkörpers gebe. Für die Telekommunikation gelte zudem ein Sonderrecht.
Mehrere Teilnehmer machten nach dem Vortrag über Abstandsregelungen von Hans-Reinhard Reuter, Vorstandsvorsitzender des Landesbetriebs Straßenwesen, darauf aufmerksam, dass an Kreisstraßen und kommunalen Straßen geringere Abstände als 4,50 Meter möglich seien. Stärkere Aufmerksamkeit in Bezug auf neue Alleen sollte zudem dem innerörtlichen Bereich oder auch Feldwegen gewidmet werden.
Dirk Ilgenstein, Präsident des Landesamts für Verbraucherschutz, referierte passend dazu über das Thema Flurneuordnung. Zum Teil werden im Rahmen der Flurneuordnung Hecken gepflanzt wie etwa im Raum Jahnsfelde. Ilgenstein verwies jedoch auch auf das Beispiel Barnimer Feldmark. Hier seien lückenhafte Alleebestände erneuert worden. Für ihn ergeben sich aus Flurneuordnungsverfahren vor allem Möglichkeiten, in Ortskernen oder auch ortsnah etwa für den Alleeschutz zu tun. Mittel aus den Verfahren, die speziell der Landschaftsgestaltung vorbehalten sind, könnten noch zielgerichteter für den Erhalt oder die Pflanzung von Alleen eingesetzt werden, so Ilgenstein, der selbst ehrenamtlicher Bürgermeister einer Gemeinde in Märkisch-Oderland (Vierlinden) ist, und sich im Naturschutz engagiert.
In punkto Alleenschutz stehe Märkisch-Oderland reichlich schlecht da. Das jedenfalls schätzt Wolfgang Mädlow, Geschäftsführer des NABU Brandenburg, ein. Die Alleen würden immer stärker ausgelichtet. Lediglich 2005 seien im Landkreis mehr Bäume nachgepflanzt als gefällt worden. 2007 wurden zum Beispiel an Landes- und Bundesstraßen 508 Alleebäume gefällt und nur 466 gepflanzt.
"Wir fordern, dass im Verhältnis 1:1 nachgepflanzt wird", verweist Mädlow auf die Volksinitiative "Rettet die Alleebäume". Für einen Erfolg der Initiative sind landesweit mindestens 20 000 Unterschriften nötig. Dann muss sich der Landtag mit der Problematik beschäftigen. Ohne veränderte Regelungen durch das Land werden auch die Kreise kaum umlenken, sieht es der NABU.
Gerade Märkisch-Oderland mit seinem defizitären Haushalt - für 2010 wird mit einem Minus von rund 40 Millionen Euro gerechnet - wird kaum zusätzliche Aktivitäten unternehmen, wenn sie denn nicht zur Pflichtaufgabe erklärt werden. Im Wahlkampf hatte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) angekündigt, künftig jährlich 5000 neue Bäume an Landes- und Bundesstraßen zu pflanzen. Davon würde auch Märkisch-Oderland profitieren. Da Platzeck wieder in der Regierungsverantwortung steht, werden Alleenschützer die Umsetzung dieses Versprechen 2010 einfordern.
Volksinitiative "Rettet Brandenburgs Alleen", im Internet unter www.rettet-brandenburgs-alleen.de, Telefon 0331 2015570, Mail: info@rettet-brandenburgs-alleen.de
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