Schorfheide . Wo die Unternehmen der Schuh drückt, wie sie ihre Firma durch die Wirtschaftskrise steuern und wo sie sich Unterstützung vom Landkreis erhoffen, will Barnims Landrat Bodo Ihrke wissen. Dazu besuchte er gestern die Firma L. Dietze & Sohn in Finowfurt. Und musste sich dort auch kritische Töne gefallen lassen.
Klaus Dietze führt das Unternehmen bereits in der vierten Generation. Seine Firma ist Vertragspartner von "Linde", Marktführer im Bereich der Gabelstapler, und stellt maßgeschneiderte Lösungen für Fördertechnik her. "2008 hatten wir ein Rekordjahr, was Umsatz und Ertrag angeht", verriet Klaus Dietze. Doch auch seine Firma musste der Wirtschaftskrise tribut zollen. "2009 ging das jedoch um 30 Prozent zurück. Die Investitionsmüdigkeit in weiten Teilen der Wirtschaft ist groß. Zum Glück sind wir breit aufgestellt, haben noch zwei Standorte in Cottbus und Eisenhüttenstadt", sagt Klaus Dietze, der die Gelegenheit nutzte, um die Ansiedlungspolitik des Landkreises zu kritisieren. "Was im Süden von Brandenburg passiert ist deutlich mehr als im Norden. Da gibt es schon ein großes Gefälle", schilderte er seine Erfahrungen. "Der Barnim ist abgeschnitten in Bezug auf große Ansiedlungen. Es fehlt hier produzierendes Gewerbe."
Nach Auffassung von Klaus Dietze wurden entscheidende Fehler bereits Anfang der 90er Jahre gemacht. "Da gab es hier einen Bürgermeister, für den Profit ein Schimpfwort war." Andere Landkreise hätten industrielle Kerne, die ausgebaut wurden. Im Barnim habe man das versäumt. Auch aktuelle laufe vieles falsch. Klaus Dietze nannte als Beispiel die Ansiedlung eines großen Motorenwerkes in Grünheide. "Wieso geht so etwas im Barnim nicht?", fragte er sich. Selbst in der Uckermark oder in Märkisch Oderland entwickele sich mehr.
Landrat Ihrke gab jedoch zu bedenken, dass die genannten Regionen trotzdem weitaus eine höhere Arbeitslosenquote von 30 Prozent hätten. "Der Landkreis Barnim dagegen ist der einzige Landkreis in Deutschland, der sinkende Arbeitslosenzahlen vermelden kann", betonte der Verwaltungschef.
Auch sei die Wirtschaftsentwicklung der Region anders ausgelegt. "Die Städte und Gemeinden am Berliner Rand wollen keine Ansiedlung von Industrie. Man muss in der Landesentwicklung Schwerpunkte setzen und unser Industriestandort ist nunmal Schwedt, der Verwaltungsstandort Eberswalde", machte Ihrke deutlich. "Wir wollen den Standort so entwickeln, dass er den Norden des Kreises ernährt. Der Süden am Berliner Rand ist auf Dienstleistungen ausgerichtet." Das sorge auch für eine erhöhte Wohnqualität. "Dass das funktioniert, sieht man ja am Einwohnerzuwachs in Wandlitz und Panketal. Die Leute ziehen gerne da hin, weil es da eben keine hässlichen Fabriken gibt ", unterstrich der Landrat.
Wohnen, Medizin und Tourismus seien die Komponenten, auf die man setze. In Eberswalde strebe man eine Entwicklung in den Sektoren Energie und nachwachsende Rohstoffe an. "Trotzdem", betonte der Landrat, "werden wir allen den roten Teppich ausrollen, die sich bei uns ansiedeln wollen." Auch er bedauere, dass der Motorenhersteller sich für Grünheide und nicht für Eberswalde entschieden habe. "Und dass wir Anfang der 90er Jahre das Mercedeswerk nicht hierher bekommen haben - der Gelegenheit trauern wir immer noch hinterher", gab Ihrke zu.
Wie mit Investoren umgegangen wird im Barnim, das bekam Klaus Dietze am eigenen Leib zu spüren, als er 2006 sein Betriebsgelände erweitern wollte. Die Gespräche mit der Stadt Eberswalde hätten sich ewig hingezogen, berichtet er. "Wir sind dann nach Finowfurt gegangen, weil man uns in Eberswalde nicht gut begleitet hat. Die wussten, dass wir ein Problem haben, haben uns aber nicht geholfen."
Mittlerweile sei er aber zufrieden mit dem Standort im Finowfurter Gewerbegebiet. Das Unternehmen stehe auf einem soliden Fundament. "Uns geht es gut, aber wir werden deshalb jetzt auch nicht übermütig", erklärte Dietze sein Erfolgsrezept. Für die Zukunft hat der Unternehmer auch schon vorgesorgt. Er kaufte das Nachbargrundstück, um weiteren Ausbau möglich zu machen. Seine Nachfolge hat Klaus Dietze auch geklärt. "Mein Sohn wird ab dem kommenden Jahr Stück für Stück das Zepter übernehmen." Gute Aussichten.
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