Ulm . Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland wollen ihre Gemeinsamkeiten und die Ökumene stärken. Einen intensiveren Dialog mit den Katholiken forderte der scheidende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD, Bischof Wolfgang Huber. Bei der Ökumene bliebe die Kirche noch immer hinter dem Möglichen zurück, erzielte Erfolge in der Ökumene würden öffentlich noch nicht wahrgenommen, sagte Huber zum Auftakt der EKD-Jahrestagung am Sonntag in Ulm. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, betonte vor dem protestantischen Kirchenparlament: "Der Weg in die Zukunft ist ein Weg der Ökumene." Hinter den Kulissen aber hält Unzufriedenheit über mangelndes Miteinander an.
"Wir haben das ökumenische Miteinander nicht nur, wie es unsere Absicht war, gefördert, wir haben es auch behindert", räumte Huber mit Blick auf ein kritisches Papier zur katholischen Kirche ein. Das Papier war unbeabsichtigt aus dem EKD-Kirchenamt in die Öffentlichkeit gelangt und hatte für Missstimmung bei den Katholiken gesorgt. Auch andere führende Geistliche der evangelischen Kirche plädierten für mehr Ökumene. Neben Gemeinsamkeiten in Glauben und Ethik sind auch Probleme der beiden Kirchen wie schrumpfende Mitgliederzahlen und Finanzen ähnlich.
Die Kirchen ständen gesellschaftlichen Herausforderungen gegenüber, die sie nur gemeinsam meistern könnten, sagte Zollitsch. Katholiken und Protestanten müssten sich nicht nur das noch nicht Erreichte, sondern ganz besonders auch die schon erlangten Gemeinsamkeiten und Annäherungen vor Augen zu halten. Das mache Mut für die nächsten Schritte.
Der Tübinger Theologe Urs Baumann warf der katholischen Kirche eine anhaltende Unbeweglichkeit vor. Er kritisierte, dass sie weiterhin eine gemeinsame Abendmahlsfeier mit evangelischen Christen ablehne. Er warf Papst Benedikt XVI. einen "restaurativen und reformfeindlichen Kurs" und den deutschen Bischöfen "brüderliche Feigheit" gegenüber dem Kirchenoberhaupt vor. Zugleich forderte er die Katholiken auf, sich den Protestanten im Sinne der Ökumene zu öffnen. "Nur gemeinsam hat das Christentum in dieser Gesellschaft noch eine Chance", sagte der katholische Theologe am Samstag auf der Bundesversammlung der Reformbewegung "Wir sind Kirche".
An die neue Bundesregierung appellierte Huber, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Die evangelische Kirche werde die Regierung an der Bekämpfung von Armut, insbesondere von Kinderarmut sowie dem Eintreten für Verbesserungen im Gesundheitswesen messen. Der Berliner Bischof warnte beim Bemühen um die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln vor pauschalen Diskriminierungen. Wer Menschen wegen ihrer Nationalität oder Religionszugehörigkeit als integrationsunfähig abstempele, handele aus Angst, Hass und Überheblichkeit. Solche Gefühle wolle die Kirche überwinden.
Der EKD-Chef zog eine positive Bilanz der von ihm eingeleiteten Reformen. "In der Öffentlichkeit findet die Stimme der Evangelischen Kirche Gehör", der kulturelle Beitrag der Kirche werde deutlicher wahrgenommen als früher. Die Reformen, angestoßen wegen sinkender Finanzen und Mitgliederzahlen, gäben der Kirche ein deutlicheres Profil. "Wir sind nicht Kirche im Abbruch, wir sind Kirche im Aufbruch." Neben Huber als Vertreter der Amtskirche hielt am Sonntag erstmals auch die Vorsitzende der Synode als Laienvertretung, Katrin Göring-Eckardt, eine Grundsatzrede. Nach Klagen der Synode über eine Dominanz des EKD-Rates deutet dies auf eine Machtverschiebung hin. Die Synode will am Mittwoch über die Nachfolge Hubers als EKD-Chef abstimmen. Der 67-Jährige scheidet mit Erreichen des Pensionsalters aus. Als Favoritin für das Spitzenamt wird Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann (51) genannt. Aber auch mehrere andere Bischöfe gelten als mögliche Kandidaten, um künftig die knapp 25 Millionen Protestanten in Deutschland zu repräsentieren.
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