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Lübben will Neonazi-Treff abreißen lassen

Berlin . Illegale Konzerte, verbotene Symbole und rechtsradikale Parolen - die brandenburgische Stadt Lübben ist durch den Neonazi-Treff "Bunker 88" in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Der Ort bildet das Tor zum Spreewald, ein Großteil der Menschen dort lebt vom Tourismus. Die rechte Szene hat der Branche bislang sehr geschadet. Nun hat man in Lübben von dem braunen Treiben genug: Die Stadtverordnetenversammlung wollte noch am Donnerstagabend über den Kauf des Neonazitreffs entscheiden, um ihn danach abzureißen. An der Stelle des rechtsradikalen Treffpunkts soll ein Wohngebiet entstehen.

  Der Gebõudekomplex, in dem sich der Neonazi-Treff befindet. Foto: ddp ©

"Wir wollen ein deutliches Signal an die Adresse der rechten Szene senden", sagt Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU). "Wir dulden hier kein rechtsradikales Gedankengut." Der "Bunker 88" war der Stadt schon lange ein Dorn im Auge. Anfang Januar wurde von der Polizei dort ein Nazikonzert aufgelöst.

Der Abriss sei aber früher kein Thema gewesen, da man damals noch nicht daran dachte, die Neonazis von ihren angestammten Plätzen zu verdrängen, begründet Bretterbauer die späte Initiative der Stadt. Heute aber würden die Experten eine andere Strategie verfolgen. Nach Angaben des Bürgermeisters gehören zur Lübbener Nazi-Szene ungefähr 20 bis 25 Personen im Alter bis 25 Jahre. Hinzu kämen etwa 80 Sympathisanten.

Dagegen will die Stadt jetzt insgesamt konsequenter vorgehen. Dafür wurden mehrere Aktionen angekündigt, unter anderem die Gründung eines Bürgerforums. "Wir wollen die breite Masse gegen rechts", sagt Bretterbauer. Ein für Samstag angekündigter Nazi-Aufmarsch scheint die ganze Stadt wachgerüttelt zu haben. Der Ort kämpft um seinen Ruf, dabei wird Lübben vom Verfassungsschutz seit vielen Jahren als ein Schwerpunkt der rechten Szene eingestuft. "Wir haben schon früher einiges gegen die rechte Szene getan, vielleicht ist es nicht so wahrgenommen worden", räumt der Bürgermeister ein.

Auf Initiative von Bretterbauer wird am Freitag ein neues Bürgerforum "Tolerantes Lübben" gegründet. Dazu findet am Nachmittag auf dem Marktplatz eine Kundgebung statt. Die Kommunalpolitik habe sich nach intensiver Diskussion nicht für Samstag, sondern für Freitag entschieden. "Wir wollen den Rechten kein Publikum bieten", begründet Bretterbauer. Die Stadt werde gleichzeitig bis zum Sonntag am Rathaus Fahnen verschiedener Länder hissen, um für Weltoffenheit und Toleranz zu werben.

Auf dem Forum wollen auch Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge (SPD) sowie die Geschäftsführer der drei Lübbener Gesundheitseinrichtungen sprechen. Es soll sich nach dem Willen der Initiatoren zu einer dauerhaften Plattform gegen Rechtsextremismus entwickeln. Lübbener Bürger sind aufgerufen, sich in das Gründungsbuch einzuschreiben und die Aktion zu unterstützen. Zudem sollen in Zukunft die Jugendklubs der Ortsteile von Streetworkern betreut werden. Auch der Bau einer Skateranlage ist vorgesehen.

Mit der kommunalen Arbeitsgemeinschaft Spreewald, zu denen die Städte Luckau und Lübbenau gehören, wolle man in Zukunft intensiv bei diesem Thema zusammenarbeiten. Auch der Landkreis setzt sich mit dem "Lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus" für Toleranz und Weltoffenheit ein. Schwerpunkt ist dabei die Aufklärung an Schulen, zu dessen Unterstützung die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Sachsen intensiviert werden soll.

Der für Samstag angekündigte Aufmarsch von etwa 200 Neonazis wurde von einem früheren Lübbener, der heute in Hamburg lebt, angemeldet - als eine Reaktion auf den bevorstehenden Abriss von "Bunker 88". Die Autonome Antifa Lübben kündigte eine Gegendemonstration mit Auftaktkundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz an. An diesem Ort will auch die Stadt 139 Kerzen aufstellen, die an die Opfer rechter Gewalt in Deutschland erinnern sollten.

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