. Von den insgesamt 14 442 vorhandenen Wohnungen der zwei großen Vermieter Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (GeWi) und Wohnungsbaugenossenschaft (EWG) stehen derzeit 2182 leer. Das entspricht einer Leerstandsquote von etwa 15,1 Prozent für die gesamte Stahlstadt. Ein Jahr zuvor waren es noch fast vier Prozent mehr. Bei der EWG stehen aktuell lediglich 4,9 Prozent der Mietwohnungen leer, bei der GeWi sind es mit 21 Prozent fünfmal so viele. Schon 15 Prozent Leerstand werden allgemein als existenzgefährdend für eine Wohnungsgesellschaft angesehen.
Fast fertig: Der Abriss im VII. Wohnkomplex soll laut Wohnungsbaugenossenschaft im Dezember beendet werden. Die Landschaftsarbeiten erfolgen 2010. Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Der befürchtete Zuwachs der Leerstandsquote aufgrund des anhaltenden Bevölkerungsschwunds ist jedoch nicht eingetreten. Die Quote ist bei beiden Vermietern gesunken, obwohl im Zuge der Sanierung bei der GeWi sogar neue kleinteilige Wohnungen entstanden sind, wie Wolfgang Perske, Fachbereichsleiter Stadtmanagement betont. Dennoch müsse man bei der städtischen Gebäudewirtschaft ein weiteres Abrissvolumen finden, sagt Perske. "Ziel muss es sein, dass der Leerstand unterhalb der Zehn-Prozent-Marke liegt."
Derzeit hat die GeWi noch einen Bestand von 9170 Wohnungen. Doch schon Mitte des kommenden Jahres soll die Zahl auf 8628 geschrumpft sein. "Unsere Abrissliste umfasst 2010 insgesamt 17 Objekte mit 542 Wohnungen. Das ist das bisher größte Jahresvolumen", sagt GeWi-Geschäftsführerin Simone Irmer. "Diese enormen Abrissmengen sind natürliche eine große Herausforderung." Alle ausgewählten Objekte seien bereits leer gezogen. Das bisherige Konzept des Unternehmens sieht weitere Abrissaktivitäten bis 2015 vor. Doch aufgrund der weiterhin negativen Bevölkerungsprognose für die Stadt werde die Fortführung des Stadtumbaus auch darüber hinaus unerlässlich sein, erklärt Simone Irmer. Wolfgang Perske betont jedoch: "Wir müssen auch Stabilität in die Bevölkerungszahlen bringen. Ansonsten rennen wir den Prognosen immer hinterher."
Auch Verena Rühr-Bach, Vorstandsvorsitzende der EWG, sieht im anhaltenden Bevölkerungsschwund das größte Problem bezüglich des Stadtumbaus. Die Wohnungsbaugenossenschaft setzt künftig aber vor allem auf die teilweise Demontage von Plattenbauten anstatt auf Totalabriss. Im VII. Wohnkomplex soll der Abriss bis Mitte Dezember abgeschlossen sein, wenn die Arbeiten weiter planmäßig verlaufen. Bei der GeWi war das Abriss-Soll des Jahres mit 511 Wohnungen schon Mitte des Jahres geschafft. Derzeit beginnt man bei der Gebäudewirtschaft mit dem Umzugsmanagement für 2011. Schwierigkeiten dabei sieht Simone Irmer nicht. Verena Rühr-Bach hingegen hat diesbezüglich folgendes Problem festgestellt: "Die Mehrzahl der betroffenen Mieter will nicht in gleichwertigen Wohnraum umziehen, sondern in modernisierte Blöcke mit Aufzug oder nur in die erste Etage."
Modernisierung bzw. Sanierung ist das zweite Gesicht des Stadtumbaus. Künftig müsse man mehr Geld in die Aufwertung stecken, fordert Perske. Das sei bislang vernachlässigt worden - auch was die finanzielle Förderung betrifft. Bislang gab es vom Land 60 Prozent für Abriss und 40 Prozent für Aufwertung. Dass Aufwertung sich lohnen kann, zeige das Stadtzentrum. Dort habe die Einwohnerzahl nach der Sanierung zugenommen.
Doch sanierte Wohnungen sind teurer und zu teuer für viele. Das weiß auch Wolfgang Perske. "Wir müssen ein Gleichgewicht zwischen teilsanierten und vollsanierten Wohnungen schaffen", sagt er. Deshalb wurde bereits ein Masterplan Wohnen gestartet.
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