Eberswalde/Chorin . Ein Triumvirat bestimmt fortan die Geschicke des Choriner Musiksommers: Gunther Wolff als künstlerischer Leiter, Lars Döbler als Geschäftsführer und Claas Cordes als Vereinsvorsitzender. Mit dem Begründer des Festivals, mit Wolff, teile er zwei Lieben, sagt Cordes: "Die Musik und die Fachhochschule."
Zufall oder Omen? Der Musiksommer und Claas Cordes sind derselbe Jahrgang. Der neue Vorsitzende des Vereins erblickte in genau jenem Jahr das Licht das Welt, da auch die Geburtsstunde des heutigen Klassikfestivals schlug: 1964. Die Wege beider kreuzten sich allerdings erst sehr viel später. Nämlich 2004, als Cordes nach Eberswalde kam, um Kanzler der Fachhochschule zu werden.
Als solcher leitet der 44-Jährige die Verwaltung der FH. Soeben hat Cordes seinen Vertrag für die zweite Amtszeit, für weitere sechs Jahre, unterzeichnet. 23 Kollegen unterstehen dem gebürtigen Oldenburger, der letztlich für den reibungslosen Betrieb an der Hochschule zuständig ist. Von Haushalts- bis zu Baufragen reicht seine Verantwortung. "Der Blick fürs System, den ich mir in meiner Ausbildung angeeignet habe, der hilft mir dabei", sagt der studierte Theaterwissenschaftler.
Entfacht worden war seine Liebe zum Theater während der Schulzeit, als sich Cordes in der dortigen Theatergruppe u. a. mit Henry David Thoreau, von dem das Standardwerk des Zivilen Ungehorsams stammt, auseinandersetzte. "So stand ich nach dem Abitur an einem Scheideweg. Was soll ich studieren - Schauspiel, Theaterwissenschaften oder Forstwirtschaft?", erinnert sich Cordes an den damaligen "Konflikt". Letztlich habe er sich für Theaterwissenschaften entschieden. Während des Studiums in Gießen von 1986 bis 1992 habe er angefangen, ein Studenten-Theaterfestival ins Leben zu rufen. Nach dem Studium führte ihn der Weg sogleich in die neuen Bundesländer.
Cordes übernahm an der Hochschule für Musik in Weimar die Öffentlichkeitsarbeit. "Das war eine sehr spannende Zeit. Dort habe ich zum Beispiel den Abzug der sowjetischen Soldaten miterlebt." Die nächste Station seiner beruflichen Laufbahn war Leipzig, das Schauspielhaus.
Doch: Die Anziehungskraft der Einrichtung Hochschule war schließlich größer. Cordes bewarb sich um entsprechende Posten. "Über Eberswalde bin ich gestolpert, weil es an dieser FH einen Studiengang Forstwirtschaft gibt." In gewisser Weise kehrte Cordes also zu seinen Wurzeln zurück.
Heute, nach sechs Jahren "Kanzlerschaft", sagt er: "Ich hänge sehr an dieser Hochschule." Wegen ihres Anspruchs in puncto Nachhaltigkeit, wegen der naturwissenschaftlichen Komponente und "auch wegen vieler Menschen hier". So hatte Cordes beispielsweise Professor Wolff, Gründungsrektor der FH, kennen gelernt - und den Choriner Musiksommer. Cordes wurde Schatzmeister im Verein. "Ehrenamtliches Engagement ist wichtig", erklärt er und es klingt überzeugend. "Ich hatte in meiner Biografie so viel Glück gehabt, dass ich mich - im positiven Sinne - verpflichtet fühle, davon etwas zurückzugeben." Zumal seine Laufbahn sehr eng mit den neuen Bundesländern verbunden ist.
Sein Ziel als neuer Vereinsvorsitzender ist klar: Strukturen aufbauen, die den Musiksommer in die Zukunft tragen. "Die Idee des Musiksommers unabhängig von Namen machen." Dazu gehört für Cordes auch, den Verein zu öffnen, den "Klub der Macher" zu einem großen, starken Verbund umzugestalten. Neue Mitglieder sollen gewonnen werden. Ein weiterer Schritt war die Aufgabenteilung an der Spitze. "Wir sind auf einem sehr guten Weg", sagt Cordes, der selbst gern Mahler, Bach oder Debussy hört, ebenso wie Bob Dylan oder die Beatles.
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