Berlin . Bei einer parlamentarischen Anhörung zur Lage der Berliner Opernhäuser haben sich der Intendant der Staatsoper, Peter Mussbach, und der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Laut Mussbach, dessen Vertrag über das Jahr 2010 nicht verlängert wurde, wolle der SPD-Politiker sein Haus finanziell "aussaugen". Er fordere "nassforsch", dass die Lindenoper die Mindereinnahmen durch die dreijährige Sanierung und den Umzug in das Schillertheater selber trägt.
Die Intendanten der Berliner Opernhõuser verfolgen die Sitzung des Kulturausschusses des Abgeordnetenhauses. Foto: dpa
Wowereit bekräftigte, es werde nicht mehr Geld geben. "Dazu gibt es keine Alternative", sagte er. Es sei selbstverständlich, dass die Staatsoper das Defizit selber tragen müsse. Er freue sich, dass nun "Tacheles" geredet werde. "Aus guten Gründen" werde er sich aber zurückhalten. Der Senat habe die Zuwendungen für die Staatsoper erhöht. "Das macht anscheinend nicht alle glücklich." Man müsse aber "die Ruhe bewahren".
Die Staatsoper soll zehn Millionen Euro zusätzlich vom Land Berlin erhalten. Der Bund will sich dafür an der Sanierung beteiligen. Die Deutsche Oper soll 5,5 Millionen Euro mehr bekommen, die Komische Oper vier Millionen. Während der Sanierung soll die Staatsoper von 2010 bis 2013 im Schillertheater unterkommen.
Mussbach warf dem Regierenden Bürgermeister sowie dem Dirigenten und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim "Mafia"-Methoden vor. Seine Absetzung durch Wowereit sollte in der Öffentlichkeit als eigener Rücktritt dargestellt werden, sagte der Intendant vor dem Kulturausschuss im Abgeordnetenhaus. Diese "goldene Brücke" habe er im Gespräch mit Barenboim nicht akzeptiert und fügte hinzu: "Ich sage nur: Mafia".
Die dreijährige Spielpause an der Lindenoper und der Betrieb im Ausweichquartier Schillertheater solle durch "Aussaugen der Rücklagen" der Staatsoper in Höhe von sieben Millionen Euro bezahlt werden. "Sie sind ein Fuchs im System", sagte Mussbach zu Wowereit. Auch der Geschäftsführer der Lindenoper, Georg Vierthaler, habe das Haus "geknebelt und ausgeblutet". Vierthalers Vertrag wird ebenfalls nicht verlängert.
Der Geschäftsführer der Opernstiftung, Stefan Rosinski, verlangte eine stärkeres Engagement der Politik für die drei Opernhäuser. Die Hauptstadt müsse sich an Metropolen wie London oder Wien messen lassen. Dafür fehle der Stadt das Personal. "Suchen Sie die besten Leute der Welt und gewinnen Sie sie für Berlin", sagte Rosinski und fügte hinzu: "Wenn Sie keine Ideen haben, Herr Wowereit, dann kaufen Sie welche ein."
Der Intendant der Komischen Oper, Andreas Homoki sagte, die zusätzliche Zuwendung von 10 Millionen Euro für die Staatsoper fördere nicht die Solidarität unter den Häusern. Die Intendantin der Deutschen Oper, Kirsten Harms, betonte, die Auslastung in ihrem Haus sei von 59 Prozent (2006) auf 75 Prozent in der laufenden Spielzeit gestiegen.
Die Berliner Opernstiftung hat 2007 einen Überschuss in Höhe von mehr als vier Millionen Euro erwirtschaftet. Das geht Jahresbericht vor. Die Zahl der Zuschauer legte von 700 000 im Vorjahr auf etwa 732 000 im Jahr 2007 zu. Die öffentlichen Zuschüsse für die Opernstiftung und die drei Häuser lagen bei 110 Millionen Euro.
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