. Nach dem MOZ-Bericht "Schlüsseldienst lehnt Hilfe ab" vom Dienstag, in der es um abgelehnte Hilfeleistungen im Hochhaus Halbe Stadt 32 ging, werden Fragen zum Thema unterlassene Hilfeleistung laut. Zur Erinnerung: Ein auf seine Tabletten angewiesener Herzpatient kam nachts nicht in seine Wohnung, weil sein Schlüssel in den Fahrstuhlschacht gefallen war. Dem Mann drohte ohne Einnahme der Pillen ein Kollaps. Der Hauswart der Wohnungswirtschaft (Wowi) und ein Schlüsseldienst lehnten Hilfe ab. Die Feuerwehr musste schließlich die Wohnungstür aufbrechen.
"Der Hauswart hätte, wenn er denn nicht befugt ist, die Aufzugsfirma rufen müssen", so Feuerwehr-Einsatzleiter Ralf-Dietmar Selchow gestern. Für ihn waren die beiden Absagen von Hauswart und Schlüsseldienst eine klassische unterlassene Hilfeleistung. "Wir hatten als Feuerwehr keine andere Wahl und mussten die Tür aufbrechen. Es war Gefahr im Verzug." Einsätze dieser Art seien aber die Ausnahme.
Die Polizei entscheidet in derartigen Ausnahmesituationen "nach der Gefahrenlage", so Polizei-Sprecher Detlef Lüben. Man sammle vor Ort möglichst viele Informationen, um dann zu handeln.
Hartmut Höhne vom Mieterverein Viadrina sieht den Vorfall in der Halben Stadt 32 aus anderer Sicht. "Der Großvermieter verfügt über einen Havariedienst, der für Notfälle jeder Art - vom Kabelbruch bis zum Wasserschaden - rund um die Uhr erreichbar ist. Der drohende Kollaps des Mieters war so ein Notfall. Der erste Ansprechpartner ist immer der Hauswart."
Wowi-Sprecherin Doris Kühl meinte hingegen: "Mit den Hauswartfirmen wurden Havarieverträge abgeschlossen, die außerhalb der Geschäftszeiten der Wowi zum Einsatz kommen. Darin ist genau definiert, was eine Havarie ist, was zu unternehmen ist und ob eine sofortige Benachrichtigung der Wowi erforderlich ist. Ein verloren gegangener Schlüssel stellt für uns jedoch keine Havarie dar." Der diensthabende Hauswart habe korrekt gehandelt und an einen Schlüsseldienst verwiesen. "Es liegt nicht in der Verantwortung der Wowi, bei Verlust des Wohnungsschlüssels tätig zu werden, dafür ist der Mieter selbst verantwortlich."
Die Woge Süd, so Vorstandsvorsitzende Birgit Schmieder, beschäftigt eigene Hauswarte. "Außerhalb der öffentlichen Dienstzeiten bestehen vertragliche Beziehungen mit Bereitschaftsfirmen. Die entsprechenden Rufnummern sind in den Hausfluren unserer Objekte sichtbar." Eine Verbindung zum Schlüsseldienst sei ebenfalls sichergestellt. Bei eigenem Verschulden müsse der Mieter aber die Kosten des Einsatzes bezahlen.
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