Neutrebbin . Am Sonntag, 13. Dezember, mahnten die deutschen Kirchen konfessionsübergreifend mit 350 Glockenschlägen Fortschritte bei der Klimakonferenz in Kopenhagen an. Auch rund 140 Neutrebbiner Bürger und der evangelische Pfarrer Hardy Enseleit beteiligten sich an der Aktion.
Mahnwache: Rund 140 Menschen demonstrierten in Neutrebbin friedlich f³r den Klimaschutz und gegen die Verpressung von CO2 in tiefere Erdschichten.Foto: Bernhard Franz
"Um 15 Uhr geht in Kopenhagen ein Bittgottesdienst der dänischen Kirche dafür zu Ende, dass die Politiker sich einig werden sollen", begrüßte Pfarrer Hardy Enseleit die rund Menschen, die sich mit Kerzen vor seiner Kirche versammelt hatten. Das Klimaproblem betreffe nicht nur das Oderbruch, sondern sei ein weltweites Problem, führte der Pfarrer fort. "Ich denke, dass wir das Recht haben, den Politikern der Welt klarzumachen, dass wir es wollen, dass das CO 2 verringert wird", rief Enseleit den Bürgern zu.
Mit Kerzen und heißem Kaffee hatten sich nicht nur Menschen aus Neutrebbin an der Kirche versammelt. Erschienen waren auch viele Familien mit ihren Kindern. Auch das Ehepaar Mike und Susanne Maus waren mit ihren beiden Kindern aus Bliesdorf angereist. "Neutrebbin ist überall", sagte Mike Maus.
Er wolle ein Zeichen gegen die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall und der Politik setzen, die Kohlendioxid in tiefere Erdschichten des Oderbruchs verpressen wollten, so Maus. Er sehe eine Gefahr für die Zukunft seiner Kinder, sagte der Familienvater. "Es ist nicht sichergestellt, dass das Kohlendioxid nicht irgendwann plötzlich wieder an die Erdoberfläche kommt oder das Grundwasser verseucht." Dann wäre im Oderbruch keine Landwirtschaft mehr möglich.
"Es geht ja nicht nur Neutrebbin etwas an", fügte seine Frau Susanne hinzu. Die ganze Region bis Berlin sei in Gefahr. "Das ist wichtig für alle", so die zweifache Mutter.
Cornelia Hock von der Bürgerinitiative CO2ntraEndlager, die zu der Mahnwache aufgerufen hatte, brachte das Anliegen der Versammelten auf den Punkt: "Die Kirche in Brandenburg hat dazu aufgefordert, mit den 350 Glockenschlägen zu demonstrieren: Wir steigen aus der Braunkohle aus. Und wir sagen, wir wollen die CO 2 -Verpressung nicht." Die Neutrebbiner hätten drei Anliegen, unterstrich Cornelia Hock: "Nämlich etwas für den Klimawandel zu tun, aus der Braunkohle auszusteigen und keine Verpressung in Neutrebbin zuzulassen."
Als die 350 Glockenschläge vom Turm der 1816 erbauten Dorfkirche erklangen, zündeten die versammelten Menschen in andächtiger Stille ihre Kerzen an. Nach sieben Minuten schwiegen die Kirchenglocken wieder.
Ulf-Michael Stumpe, ebenfalls von der Bürgerinitiative CO2ntraEndlager, ergriff das Wort und schilderte, dass eine Neutrebbiner Bürgerin kürzlich ihr Grundstück verkaufen wollte. Dabei seien potentielle Käufer aufgrund der Vattenfall-Pläne abgesprungen, so Stumpe. "Das bedeutet, dass jetzt schon der Immobilienmarkt negativ beeinflusst wird", erklärte der Wriezener Tierarzt. Dies zeige, dass es nicht um einen kleinen Versuch ginge, sondern um die Zukunft der ganzen Region. "Die Landesregierung in Potsdam sagt, das Risiko sei kalkulierbar", rief Stumpe. "Für mich, für mein Leben und meine Umwelt ist das Risiko nicht kalkulierbar." Wenn die Verpressung von Kohlendioxid vom Gesetzgeber gestattet werden würden, wäre die gesamte norddeutsche Platte davon betroffen. Schließlich würde dies die Entwicklung des Tourismus in der Region verhindern.
Zum Abschluss der Mahnwache zogen alle Teilnehmer zum nahen Friedensplatz und bildeten dort einen großen Kreis um den Platz herum. "Frieden ist nicht nur das Gegenteil von Krieg, sondern auch Gesundheit der Menschen", rief Stumpe.
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