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Christiane Barcikowski und ihr Mann sind in Kummro heimisch geworden / Von der Finanzbuchhalterin wurde sie zur Kulturmanagerin

"Ich habe ein Kämpferherz entwickelt"

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Christiane Barcikowski sitzt am Brunnen im Klostergarten, im Hintergrund liegt das Kulturcafé.
Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Christiane Barcikowski sitzt am Brunnen im Klostergarten, im Hintergrund liegt das Kulturcafé. © Foto: MOZ/Lina Hatscher
Lina Hatscher / 15.07.2013, 06:45 Uhr
Neuzelle (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Christiane Barcikowski.

Sie hat einen schnellen Schritt und ist meist in Bewegung von einem Ort zum anderen. Ob Christiane Barcikowski nun in Neuzelle zwischen ihren Arbeitsorten, dem Feinkostgeschäft am Priosberg, dem Kulturcafé in der Orangerie und dem Büro daheim in Kummro, hin und her pendelt. Oder bei Spaziergängen mit den beiden Labradoren abschaltet. "Das ist alles eine Frage der Organisation." Bewegung in der Natur sieht die 45-Jährige nicht als Belastung, sondern als einen Ausgleich für Körper und Geist. Auch ihre Gedanken sind ständig in Bewegung, suchen nach neuen Ideen. Seit ihr Mann nach seiner Pensionierung Ende 2009 das Barocco als Laden für Wein und Delikatessen in Neuzelle eröffnete, hat sie mitgeholfen. Stück für Stück wurde sie zur Einkäuferin und, seitdem das kleine Unternehmen seit 2010 auch das Café in der Orangerie betreibt, auch zur Kulturmanagerin. Wie sie als gelernte Finanzbuchhalterin dazu gekommen ist? "Wie die Jungfrau zum Kinde."

Aufgewachsen ist Christiane Barcikowski in gutbürgerlichen Verhältnissen im niedersächsischen Salzgitter. Ihr Vater ist früh gestorben. "Meine Mutter hat mich und meine Schwester zu selbstbewussten, unabhängigen jungen Frauen erzogen." Eine gewisse Strenge gehörte zum Alltag, ein Beispiel war die Pflicht zum wöchentlichen Klavierunterricht, erzählt die 45-Jährige. "Ich habe früh ein Kämpferherz entwickelt." Sie arbeitete sich zur leitenden Konzernbilanzbuchhalterin bei einer Tochterfirma der Salzgitter AG hoch. "Ich habe immer gerne gearbeitet und Verantwortung getragen." In der Stahlstadt hatte sie auch ihren Mann Rainer kennen und lieben gelernt. Als er begonnen hat, bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt im Vorstand zu arbeiten, veränderte sich ihr Leben. Nach langen Arbeitstagen verbrachten sie viel Zeit beim Pendeln. "Irgendwann war ich das einfach leid", sagt Christiane Barcikowski. Sie folgte ihrem Mann 2004 an die Oder, gemeinsam wohnte das Paar zunächst in Groß Lindow.

Ideen, Pläne und Träume hatte die energische Frau im Gepäck - aber keinen Job. Nichts zu tun zu haben, still zu stehen, war für Christiane Barcikowski schwer zu ertragen. Irgendwann waren alle Umzugskartons ausgepackt, die Ruhe genossen und alle lang aufgeschobenen Aufgaben erledigt. "Ich haben mir einen Hund gekauft, um in Kontakt zu kommen." Es folgte ein weiterer Umzug nach Kummro. "Wir sind in das Künstlerhaus von Irmgard und Dankwart Kühn gezogen. Er war Maler und hat sich in dem renovierten Stall ein Atelier eingerichtet." Die Neuankömmlinge sind dem Traditionsverein des Dorfes beigetreten, das mittlerweile ein Ortsteil von Neuzelle ist. "Beim Erntedankfest tanze ich im Frauenballett. Das gehört einfach dazu", sagt die 45-Jährige. An ihrem neuen Arbeitsplatz bei Ferrostaal, fühlte sie sich bald wohl. Zu Anfang sei es nicht so leicht gewesen, weil ihre Kollegen sie als die Frau des Arbeitsdirektors vom EKO, zu diesem Posten war ihr Mann gewechselt, kennenlernten. "Am Ende waren wir ein tolles Kollektiv." Doch im Jahr 2011 rollte eine Welle von Entlassungen über das Unternehmen. "Seitdem arbeite ich voll im Barocco." Ihr Grundverständnis von Finanzbuchhaltung hat geholfen und doch waren der Einkauf von Geschenkartikeln sowie das Gestalten des Kulturprogramms Neuland. "Wir haben uns immer danach gerichtet, was uns auch selber gefällt." Bei dem Kulturprogramm habe Walter Ederer von der Stiftung Stift Neuzelle die Vorarbeit geleistet, weil er eine sommerliche Konzertreihe mit Weltmusik ins Leben gerufen hatte. Ganz unterschiedliche Konzerte, Lesungen und Ausstellungen kamen hinzu. "Ich habe viele Ideen, was man noch ausprobieren könnte. Bekannte Künstler wie die Soul-Sängerin Angelika Weiz, die Withney Huston des Ostens, war schon einmal da und wird wieder auftreten, auch Autor und Musiker Rainer Schöne hat dem Café schon einen Besuch abgestattet.

Und wie schafft sie es, abzuschalten? "Man muss ab und zu rausfahren", meint Christiane Barcikowski. Sie besucht Messen, holt sich Anregungen in anderen Restaurants. Und manchmal muss es weit weg sein, wie im Frühjahr. "Wir waren auf Kuba. Die Leichtigkeit und Zufriedenheit der Menschen hat mich beeindruckt. Ein wenig davon würde uns allen ganz gut tun." Sie sei manchmal zu perfektionistisch, meint die 45-Jährige nachdenklich. "Ich habe mir vorgenommen, die Eindrücke aus Santiago der Cuba lange mit mir herumzutragen."

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