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Andreas Hergeth 15.07.2013 19:24 Uhr

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Schnipsel statt Pixel in der Galerie M Potsdam

Berlin (MOZ) Wahnsinn! Die schiere Größe ist eine Wucht. Da hängen zwei überdimensionierte Selbstporträts an den Wänden der Produzentengalerie M in Potsdam, die unterschiedlicher nicht sein können. Doch das wird erst auf den zweiten Blick klar. Man muss schon genau hinschauen. "Seht nur, seht!" lautet deshalb der sinnfällige Titel der Schau.

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Wie ein Mosaik: Aus Hunderten winziger Bilder entsteht das Selbstporträt von Mikos Meininger, dessen Gesichtszüge vor allem aus der Entfernung klar hervortreten.

© Mikos Meininger, Collage

Das Porträt von Mikos Meininger ist eigentlich ein Mosaik. Es besteht aus Hunderten kleinen Zeichnungen. Alle zeigen etwas anderes, sind mittels Computer auf Dekostoff gedruckt und genau so arrangiert, dass aus einiger Entfernung das Konterfei des Künstlers klar hervortritt. Schnipsel statt Pixel. Das hat ein spielerisches Moment: Nähe und Distanz zum Kunstwerk lassen das Bild, je nachdem, wie weichgezeichnet verschwimmen oder Details hervortreten.

Die Vorlage fürs Mega-Porträt hängt um die Ecke, ein Schwarzweiß-Foto von Klaus D. Fahlbusch. Meininger blickt darauf sensibel und etwas ernst drein. Wie bunt und vielfältig seine Welt aber ist, zeigen die wohl Tausend winzigen Mosaik-Bilder. Da tauchen Frauenleiber und dessen Teile auf, Kinder, Florales, geometrische Formen und Schriftliches, doch nur Fetzen sind lesbar: "Verliebte" oder "Goldstaub" zum Beispiel.

"Ich habe hier Fragmente aus 25 Jahren meiner Arbeiten auf Papier verarbeitet", sagt Meiniger, der 2011 und 2013 an der Ausschreibung zum Brandenburgischen Kunstpreis teilnahm. "Der Faktor Zeit steckt also auch mit drin." Clevere Idee, sich mittels eigener Bilder selbst zu porträtieren. Und wer sich in der Galerie umschaut, erkennt auch in den ausgestellten Holzschnitten oder Siebdrucken Details, die in Meiningers Mega-Porträt eingeflossen sind.

Schwieriger wird das bei den Skulpturen des Künstlers. Seltsam entrückte Figurenpaare und immer wieder ein sogenannter Flachkopf, was wörtlich zu nehmen ist: ein Aluminium-Guss als Scheibe, versehen mit Kratzern, die sich wie ein Narbengeflecht über die Oberfläche legen. Dahinter: nichts. Eine ironische, wenn nicht bitterböse Form eines Porträts.

Auch das riesige Porträt, das Klaus D. Fahlbusch von sich angefertigt hat, kommt als Mosaik daher. Es besteht aus sage und schreibe 1240 einzelnen Bildern. Verblüffend: Mit der Collage ist der Fotograf gut getroffen, wie man anhand eines klitzekleinen Passfotos, das vis-à-vis hängt, feststellen kann. Dem hat Fahlbusch gewissermaßen viel Leben eingehaucht und es riesig aufgeblasen. Nacktes taucht oft auf, ebenso Witziges, Bilder von Tieren, Pflanzen und Lebensmittel. Doch anders als bei seinem Kompagnon sind die anderen ausgestellten Arbeiten nicht mit dem Mega-Porträt verwoben.

Zu sehen sind betörend schöne Porträtfotos aus der sogenannten Dritten Welt. Sie zeigen, wie arm die Menschen außerhalb von Westeuropa sind. Und wie stolz und schön sie gleichzeitig sind. Klaus D. Fahlbusch hat es bisher auf über 80 Auslandsreisen gebracht, war in Madagaskar, Indien, Myanmar, Bolivien und hat dort Porträts gesammelt. Näher kann man einem Menschen kaum kommen, als dass man ihn auf ein derartiges Bild bannt.

So müssen auch die beiden Künstler gedacht haben, die seit 2008 befreundet sind. Beide stammen aus dem Thüringischen, leben und arbeiten heute in Berlin und Potsdam. "Natürlich brachte der Fotograf die Porträt-Idee ins Spiel", erzählt Mikos Meiniger. Die beiden wollten sich anfangs eigentlich gegenseitig porträtieren, doch dann sei ihnen die Zeit davon gelaufen. Macht aber nichts, funktioniert ja auch so bestens. Ums Porträtieren geht es jedoch nur vordergründig in dieser inspirierenden Ausstellung. Das hier ist ein künstlerischer Wettkampf!

Bis 4. August, Produzentengalerie M, Charlottenstraße 122, Potsdam; Mittwoch bis Freitag elf bis 17 Uhr, Sonnabend/Sonntag elf bis 18 Uhr; Telefon: 0331 2706538, www.bbk-brandenburg.de

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