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Vertraute Nachbarn: Die Christkinder Christel Fielauf und Manfred Tschanz empfangen die Geburtstagsgõste am 24. gemeinsam.
Tempelberg Endlich Weihnachten. Zweifach können sich darauf Menschen freuen, die am 24. Dezember, also am Heiligen Abend, Geburtstag feiern. Macht das doppelte Fest doppelt Spaß oder ist das eher ein Ärgernis? Die MOZ sprach mit einigen der "Christkinder": zum Abschluss mit Dr. Christel Fiel-auf und Manfred Tschanz aus Tempelberg.
Christel Fielauf (59) und Manfred Tschanz (67) wohnen Tür an Tür, in einem Doppelhaus in der Gartenstraße von Tempelberg. Als sie noch Kinder waren, hat es eher keine Rolle gespielt, dass beide am selben Tag Geburtstag haben. Welcher acht Jahre ältere Junge gibt sich schon mit einem kleinen Mädchen ab? Längst aber spielt der Altersunterschied keine Rolle mehr. "Wir sind mehr als gute Nachbarn", sagt Christel Fielauf, "fast wie Geschwister. Wenn ich ein Problem habe, helfen mir Manfred oder seine Frau Margrit. Wenn er Hilfe braucht, kann er sich auf mich und meinen Mann Lothar verlassen."
Die beiden "Christkinder" haben eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten. Jedes von ihnen ist zu Hause geboren worden - in dem Zimmer, das den Fielaufs bzw. den Tschanz' heute als Schlafzimmer dient. Beide sind am späten Abend zur Welt gekommen. Beide feiern, seit sie denken können, vormittags Geburtstag, gegen 14 Uhr müssen die Gäste gehen, dann beginnt Weihnachten. So sind sie es von Kindheit an gewohnt. Seit Jahren pflegen die beiden Geburtstagskinder aus Tempelberg ein Ritual. "In einem Jahr gehen wir am Vormittag rüber zum Gratulieren, im nächsten Jahr kommt Manfred zu uns", sagt die 59-Jährige. "Wir haben ja viele gleiche Gratulanten, da nehmen wir ihnen auch einen Weg ab."
Über ihre Geburt wurde früher immer wieder erzählt. "Damals, als es noch keinen Fernseher gab, wurde sowieso viel mehr geredet", sagt Manfred Tschanz. "Wieder und wieder hörte ich, dass erst meine zwei älteren Brüder ihre Bescherung erhalten haben. Dann schickte meine Mutter alle aus dem Zimmer und sagte, jetzt kommt noch eine Bescherung. Das war dann ich."
Als Christel Schüttler, heutige Fielauf, 1952 geboren wurde, soll es den Erzählungen zufolge ein harter Winter gewesen sein. Der Arzt kam erst ins Dorf, als eine Hebamme dem kleinen Mädchen schon auf die Welt geholfen hatte. "Elke wollten mich meine Eltern nennen", weiß die Tempelbergerin. "Aber der Arzt war der Meinung, weil ich am 24. Dezember geboren bin, müsste ich Christel heißen. Der Arzt hat sich durchgesetzt. Elke ist nun mein zweiter Vorname. Aber meine Schwester, die nach mir geboren wurde, hat den Rufnamen Elke."
Eine Geburtstagsfeier mit Freunden hat Christel Fielauf als Kind nie kennengelernt. Im Dorf gab es nur drei Kinder desselben Jahrgangs, zwei Jungen und sie. Und es war ja der Heilige Abend. Später, als sie zur Schule ging, wohnten ihre Freunde in anderen Orten. Am Weihnachtsabend hatte jede Familie das Haus voll und Anderes zu tun, als die Kinder vormittags zu einer Geburtstagsfeier zu bringen. "Aber als Entschädigung durfte ich mir jedes Jahr mein Mittagessen aussuchen", erinnert sie sich. "Zeitweise wohnten vier Generationen hier im Haus. Es gab immer Karpfen in Biersoße, mein Großvater bestand darauf. Ich aber konnte das nicht ausstehen. Egal, was ich mir wünschte, ich bekam mein Geburtstagsessen."
Weihnachten, das sei für sie immer was Besonderes gewesen. Aber mehr die Bescherung am Abend, als das Geschenk am Vormittag. Heute feiere sie den Geburtstag mit der Familie und den Geschwistern am ersten Feiertag. Vormittags besuchen sie und ihr Mann noch eine Tempelbergerin, die am 25. Dezember Geburtstag hat, zum Mittagessen kommen dann schon ihre Gäste. Stress pur. "Aber ich koche schon immer mal was vor. Da bleibt dann zwischen Kaffee und Bescherung noch Zeit, mit den inzwischen erwachsenen Kindern etwas zu spielen." Und irgendwann im Januar wird der Geburtstag noch mit Freunden und Bekannten nachgefeiert.
Auch für Manfred Tschanz ist die Bescherung bedeutender als der Geburtstag. Vorher aber gehen er und seine Frau in die Kirche. In diesem Jahr wollen sie in den Fürstenwalder Dom. - Und, manchmal hat es durchaus auch was für sich, wenn Geburtstag und Weihnachten auf einen Tag fallen. Da kann das Geschenk für zwei Anlässe auch mal kostspieliger sein. Manfred Tschanz freut sich über ein Zweitauto, Christel Fielauf über eine digitale Spiegelreflexkamera.
Zu essen gibt es am Heiligen Abend sowohl bei den Fielaufs als auch bei den Tschanz' etwas, was bei vielen Familien Tradition ist: Kartoffelsalat und Würstchen, für Lothar Fielauf eine Extraportion mit Hering im Salat.
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