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Zum Glück ein schwarzer Mann

. Seine Zunft steht als Glücksbringer in einer Reihe mit dem Glücksschweinchen und dem vierblättrigen Kleeblatt: der Schornsteinfeger. Gerade zu Neujahr ist der schwarze Mann ein gefragtes Motiv in Blumentöpfchen und auf Grußkarten. Eine Rolle, mit der Bezirksschornsteinfeger Axel Schrape sehr gern lebt. Schließlich hatte er zwischen 1986 und 1988 beim Manschnower Meister Hans-Joachim Voß seinen Traumberuf erlernen können. "Das war damals gar nicht so einfach, weil die Ausbildung immer nur nach Bedarf erfolgte. Und zu meinem Schulabschluss-Jahrgang wäre eigentlich keine Lehrstelle dran gewesen." Glück gehabt und das auf Anhieb. Über die Wendezeiten hinweg bis 1992 qualifizierte sich der heute 41-Jährige zum Meister seines Handwerkes.

  Ehemann als Gl³cksbringer: Linda Schrape aus Gorgast hõlt ihren Axel ganz fest. Dass ihr schwarzer Mann ganz schmutzig heimkommt, ist eher selten geworden. Foto: Michael Mõrker ©

Seither hatte er 13 Jahre lang darauf gewartet, dass ihm ein Kehrbezirk zugeteilt wird. Er arbeitete als Geselle beim Lebuser Meisterbetrieb von Frank Rozanowske und hatte auch dort Glück: "Dort hab ich meine Frau kennengelernt", lächelt er. Wieder ein Glücksfall. Das Paar hat zwei Kinder, drei und sieben Jahre alt. In der Gesellenzeit meisterte er auch seine größte Herausforderung: Er musste auf den mit 40 Metern damals höchsten Schornstein seines Bereiches, den ehemaligen LPG-Schornstein der Gärtnerei Küstrin-Kietz.

Seit 2006 hat er einen eigenen Bezirk, wurde zum Bezirksschornsteinfegermeister für den Bereich zwischen Bad Freienwalde und Hohenwutzen bestellt. Für zunächst sieben Jahre. Die Zeiten, da solche Stellen auf Lebenszeit vergeben wurden, sind vorbei. Aber vielleicht hat der schwarze Mann das Glück und wird wieder für einen interessanten Bezirk in der Nähe bestellt.

Aber was soll ein Schornsteinfeger machen, um das Glück zu beschwören? Er kann sich ja schlecht selbst einen Knopf abreißen oder mit Absicht schmutzig machen. Seine Frau ist ohnehin froh, dass er nur selten wirklich schmutzig nach Hause kommt. "Ich glaube, dass Schornsteinfeger zum Glücksbringer wurden, weil sie dabei halfen, die im Mittelalter gefährlichen Großbrände zu verhindern", meint Axel Schrape. Warum sollten solche wundertätigen Männer nicht auch dem Eheglück oder dem Lottospiel nachhelfen können? Dass die derart tief mit den Alltagsleben und damit auch dem Alltagsaberglauben des Volkes verbundenen Handwerker - im Mittelalter glaubte man sie auch mit dem Teufel im Bunde - nun selbst Glück benötigen, hängt mit den Veränderungen bei der Heiztechnik und Energieversorgung zusammen. In Bad Freienwalde sieht das so aus, dass dort kaum noch ein Schornstein qualmt. Schon der Luftqualität wegen, von deren Reinheit der Kurstadtstatus abhängt. "Noch ist kein Trend erkennbar, ob es künftig mehr Hausbesitzer gibt, die zum Beispiel auf Holzpelletheizung umsteigen oder sich einen Kamin einbauen", sagt der Schornsteinfegermeister. Er hat sich im Laufe der Jahre selbst zum Gebäudeenergieberater qualifiziert und die Befähigung erworben, bei energetischen Modernisierungsmaßnahmen zu beraten beziehungsweise Energieausweise für Gebäude auszustellen. Wer das Glück hat, den schwarzen Mann in seiner Paradeuniform mit den goldblinkenden, glücksbringenden Knöpfen an der "Koller" genannten Jacke auf seinem Hof am Ende des Baumschulenweges anzutreffen, zweifelt nicht daran, dass der Meister in dieser Beziehung voll auf der Höhe der Zeit ist. Etliche Dächer des großen Bauerngehöftes sind bereits mit Solarplatten bedeckt. Die Anlage erzeugt 25,6 Megawatt.

Wird aber der Schornsteinfegerberuf auch künftigen Generationen Glück bringen? "Es bleibt zwar ein Handwerksberuf, aber er wandelt sich stark", wagt Axel Schrape eine vorsichtige Prognose. Bereits zum Jahreswechsel tritt die bundeseinheitliche Kehr- und Überprüfungsordnung in Kraft. Darin ist eine veränderte Gebührenregelung enthalten, die eine Anpassung an europäisches Recht erreichen soll. Veränderungen gibt es bei den Kehrterminen. Feuerstellen für Festbrennstoffe wie Kohle und Holz müssen künftig nicht mehr viermal jährlich sondern nur noch dreimal jährlich gekehrt und geprüft werden. Künftig werde es so sein, dass die Stellen der Bezirksschornsteinfeger nach einer Ausschreibung besetzt werden. So wird es zum Risiko, sich die teuren Messgeräte anzuschaffen. Nach Ablauf der Sieben-Jahres-Frist muss man sich neu bewerben.

Hinzu kommt die Einführung der Dienstleistungsfreiheit, so dass die Bezirksschornsteinfeger sich europaweit an Ausschreibungen beteiligen können. Bezirksschornsteinfegermeister werden vor allem die hoheitlichen Aufgaben zu erfüllen haben. Für alle anderen praktischen Tätigkeiten hingegen, die bislang dem Revierinhaber vorbehalten blieben, können sich die Betreiber der Feuerstellen ab 2015 einen Schornsteinfeger wählen. Ob sich das für die schwarzen Männer als Glücksumstand herausschlagen wird oder eher für ihre Kunden, muss die Erfahrung bringen.

Der Glücksbringer selbst unterlässt es nicht, all jenen, die ihn nicht persönlich kontaktieren können, ganz herzlich ein glückliches neues Jahr zu wünschen.

Wissenswertes ums Schornsteinfegerhandwerk im Internet: http://www.schornsteinfeger-brb.de

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