Bernau . Als erster Landkreis Brandenburgs beschließt der Barnim, seinen neuen Landrat 2010 direkt von den Bürgern und nicht, wie bislang üblich, durch den Kreistag wählen zu lassen.
Die Entscheidung im Parlament fällt am 1. April 2009 denkbar knapp aus. Nur eine Stimme Mehrheit gibt es für die Direktwahl - sehr zum Unmut von SPD, CDU und FDP, die geschlossen dagegen votiert hatten. Während Vizelandrat Carsten Bockhardt (CDU) das Votum kreidebleich aufnimmt, fasst sich Landrat Bodo Ihrke (SPD) als Erster und gibt zum Ende des Kreistages eine Erklärung ab, die Kampfesmut und Entschlossenheit signalisieren soll: "Ich habe im Vorfeld immer wieder erklärt, dass ich, egal zu welchen Konditionen, zur Verfügung stehen werde", beteuert er. Im Vorfeld hatte es innerhalb der SPD um seine erneute Kandidatur Irritationen gegeben, weil nach Gerüchten auch Petra Bierwirth in Erwägung gezogen haben soll, die Barnimer Verwaltung zu übernehmen. Die dementierte zwar, doch Ihrke beeilte sich zu versichern, sich erneut zur Wahl stellen zu wollen.
Wenige Wochen nach der Entscheidung im Kreistag setzt Ihrke dann noch eins drauf. Er werde noch in diesem Jahr dem Kreistag empfehlen, Bockhardt erneut als Vize-Landrat zu wählen, verkündet er. Und so geschieht e s dann auch. Am 7. Oktobe 2009 wird der Christdemokrat auf Vorschlag des Sozialdemokraten für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt. Im Gegenzug verzichtet die Barnimer CDU auf einen eigenen Kandidaten zur Landratswahl und unterstützt, ebenso wie die FDP, Ihrke. Somit treten am 10. Januar außer dem Eberswalder, der 1990 Landrat des Altkreises Eberswalde wurde und seit 1994 der Verwaltung des Barnims vorsteht, nur noch zwei Kandidaten an: Margitta Mächtig (Die Linke) und Frank Valentin (BVB/Freie Wähler).
Dass die Kreistagsfraktionschefin der Linken, die gerade erst ihr Direktmandat für den Landtag verteidigte, ihren Hut zur Landratswahl in den Ring wirft, ist Indiz dafür, wie wichtig der Partei die Direktwahl des Verwaltungschefs ist. Würde Mächtig gewählt, wäre sie in Brandenburg die erste Frau auf einem solchen Posten. Sie müsste dann den Landtag aufgeben.
Der Schönower Frank Valentin wiederum nimmt für sich in Anspruch, parteiunabhängig und ein wahrer Vertreter der Bürger zu sein. Er hat kommunalpolitisch kaum Erfahrungen, will aber im Falle seiner Wahl sein Gewicht als selbstständiger Dienstleister in die Verwaltung einbringen.
In der kommenden Woche beginnt die heiße Wahlkampfphase.
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