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05.01.2010 08:00 Uhr

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Immer mehr Studenten bekommen BAföG

. Ende November kündigte das Bildungsministerium an, den BAföG-Satz ab Oktober 2010 zu erhöhen. Unklar ist noch, wie viel die Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz steigen wird. Fast jeder fünfte Viadrina-Student erhält BAföG, polnische Studierende suchen andere Möglichkeiten der Studienfinanzierung.

"So ein gutes Sozialsystem wie in Deutschland gibt es in Polen nicht", so Ilona, die an der Viadrina Interkulturelle Kommunikation studiert und eigentlich aus der Nähe von Krakau stammt. Anspruch auf BAföG hat sie als Polin nicht. Stattdessen kommt sie im Monat mit etwa 1200 Zloty aus, umgerechnet rund 290 Euro. Sie lebt von Erspartem, das sie beim Aufenthalt in Großbritannien verdient hat. Mit 24 Jahren ist es ihr wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen und nicht mehr auf die Eltern angewiesen zu sein.

Laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (2006) verfügen die deutschen Studenten im Durchschnitt über 770 Euro monatlich, die sich zur Hälfte aus der elterlichen Unterstützung, einem Viertel aus eigenem Verdienst und 14 Prozent aus der Unterstützung durch BAföG ergeben. Der Rest entfällt auf andere Einnahmequellen wie Stipendien oder Studienkredite.

Ein BAföG-Empfänger der Europa-Universität erhält durchschnittlich 466 Euro, womit er über dem bundesweiten Schnitt liegt. Maximal können 648 Euro an Leistungen gewährt werden. Ausschlaggebend ist in erster Linie das elterliche Einkommen, inbegriffen sind Zuschüsse für die Miete oder die Kranken- und Pflegeversicherung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und das Deutsche Studentenwerk fordern einen vier Prozent höheren BaföG-Satz und fünf Prozent höhere Elternfreibeträge, damit sich mehr Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Elternhäusern für ein Hochschulstudium entscheiden. Die Hälfte des BAföG-Betrags stellt ein zinsloses Darlehen dar, das nach Studienende zurückgezahlt werden muss. Laut Lothar Korallus vom Studentenwerk Frankfurt nimmt der Anteil der BAföG-Empfänger an der Viadrina stetig zu. Waren es im Jahr 2007 noch knapp 16 Prozent der Studierenden, die BAföG bezogen, sind es in diesem Jahr bereits über 18 Prozent.

Pawel studiert im ersten Semester und erhält ein Start-Stipendium der Viadrina: "Da bekomme ich 150 Euro im Monat, meine Eltern zahlen die etwa knapp 100 Euro Miete im Slubicer Studentenwohnheim und geben mir zusätzlich noch einmal 100 Euro zum Leben". Von dem Geld geht er ins Schwimmbad, ins Kino, kauft Bücher und leistet sich zweimal im Monat eine Fahrt nach Hause.

Pawel erhält das Start-Stipendium aufgrund seiner guten Abiturnote. Fünfzig solcher Stipendien vergibt die Europa-Universität an polnische Studenten im ersten Studienjahr. Anschließend könnte Pawel ein Sozialstipendium für Mittel- und Osteuropäer beantragen, bei dem sowohl das Elterneinkommen als auch die Studienleistungen berücksichtigt werden. Dieses Stipendium werde auch hauptsächlich an Polen vergeben, so Renate Franzen von der Stipendienstelle der Viadrina. Getragen würden die Stipendien durch private Spender, Stiftungen und Unternehmen, der Umfang sei in den vergangenen Jahren gleich geblieben.

Der Jurastudent könnte sich aber auch am Collegium Polonicum um ein polnisches Stipendium bewerben. Die maßgeblichen Einkommensgrenzen wie auch die Höhe der verschiedenen Stipendien sind im Nachbarland nicht einheitlich geregelt, sondern werden von den Hochschulen in einem bestimmten Rahmen selbst festgelegt. Am Collegium Polonicum beträgt das Stipendium für besonders gute Studienleistungen zwischen 70 und 140 Euro. Liegt das monatliche Familieneinkommen unter 120 Euro netto pro Person, kann auch ein Sozialstipendium beantragt werden. Dieses liegt bei 70 Euro, für die Miete kann man rund 45 Euro und für Verpflegung 30 Euro im Monat erhalten. "Dieses steht auch polnischen Viadrina-Studenten zu, die gleichzeitig am Collegium Polonicum polnisches Recht studieren", heißt es aus dem Referat für studentische Angelegenheiten.

Agata erinnert sich: Am Anfang ihres Studiums stand sie regelmäßig um fünf Uhr morgens auf, um zu einem Verpackungsunternehmen unweit von Frankfurt zu fahren und dort für kaum mehr als fünf Euro pro Stunde Kartons zu packen. "Leider arbeiten immer noch viele polnische Studenten zu niedrigen Stundenlöhnen in Frankfurt", so die Jura-Absolventin.

In Deutschland verdienen 63 Prozent der Studierenden eigenes Geld, ein Drittel ist zwingend auf den Nebenjob angewiesen. Dass das Thema Studienfinanzierung - gerade auch in Anbetracht des strafferen Studienplans in den Bachelor- und Masterstudiengängen - an Brisanz zunimmt, belegen die Sozialberatungsstellen der Studentenwerke. Hier stieg der Beratungsdedarf 2008 um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Während in Deutschland die Studierendenschaft streikt und die "Ökonomisierung" des Studiums kritisiert, bereitet das polnische Wissenschaftsministerium eine umfassende Hochschulreform vor:

Hochschulen sollen in Zukunft mehr Autonomie erhalten, intensiver mit der Wirtschaft zusammenarbeiten und ihren Haushalt verstärkt nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben führen. Einen Bildungsstreik gibt es in Polen derzeit nicht.

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