Der Verein ehemaliger Heimkinder . Sie wurden geschlagen und geknechtet: Bis in die 70er Jahre hinein hatten viele Heimkinder in Deutschland Schlimmes zu erdulden - in staatlichen wie kirchlichen Einrichtungen. Die katholische Kirche startet an diesem Mittwoch eine Telefon-Hotline für Menschen, die in ihren Heimen misshandelt wurden. Damit sende die Kirche ein klares Signal, dass sie sich den Vorwürfen stelle, sagte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Hans Langendörfer, am Montag in Köln.
Die DBK bedaure zutiefst, dass in den 50er und 60er Jahren "auch in katholischen Heimen Kindern und Jugendlichen Unrecht sowie seelische und körperliche Gewalt angetan wurde", erklärte Langendörfer. "Katholische Organisationen haben in diesen Fällen dem christlichen Auftrag, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern und ihre Würde zu schützen, nicht entsprochen." Dies sei eine schmerzliche Erkenntnis.
Die Hotline wird zunächst für ein Jahr eingerichtet und von zwei speziell geschulten Mitarbeitern der Lebensberatung des Kölner Erzbistums betreut. Anrufer können dort von ihren Heim-Erfahrungen berichten. Auf Wunsch vermitteln die Mitarbeiter therapeutische Hilfen oder Kontakte zu den Trägern der Einrichtungen. Auch eine Onlineberatung sei möglich.
sieht in dem Angebot nur "einen Tropfen auf den heißen Stein" und bewertet die Erfolgsaussichten skeptisch. "Bei den Betroffenen herrscht ein großes Misstrauen gegenüber kirchlichen Institutionen, deshalb wird es eine Hemmschwelle geben dort anzurufen", sagte VEH-Sprecher Dirk Friedrich der dpa.
Er selbst habe jahrelang in einem katholischen Kinderheim gelebt. "Wir wurden bis aufs Blut zusammengeschlagen. Manchmal hat die Gruppennonne einem im Vorbeigehen ins Gesicht geklatscht - einfach so." Viele Vereinsmitglieder berichteten von ähnlichen Misshandlungen oder Zwangsarbeiten wie Torfstechen in eisiger Kälte, sagte Friedrich. Wer so etwas erlebt habe, wolle mit der Kirche oft gar nichts mehr zu tun haben.
Langendörfer sagte, die Idee der Hotline sei aus Gesprächen des DBK-Vorsitzenden Erzbischof Robert Zollitsch mit ehemaligen Heimkindern geboren worden. Demnach gebe es bei vielen Betroffenen sehr wohl das Bedürfnis, mit der Kirche in Kontakt zu kommen. Schwester Sara Böhmer sagte als Vertreterin der Deutschen Ordensgemeinschaften, es sei verständlich, wenn jemand die Hotline nicht nutzen wolle, "aus Angst, gewissermaßen wieder an die zu geraten, die ihnen das damals angetan haben". "Aber wie sollen wir sonst Angebote machen - wir können das ja nur als Katholiken tun", meinte sie.
Langendörfer und Böhmer betonten erneut, es sei wichtig, dass ehemalige Heimkinder Einsicht in ihre Akten bekämen, um ihre Biografie aufarbeiten zu können. Auch die wissenschaftliche Untersuchung des Themas laufe. "Die Lebensgeschichten der betroffenen Heimkinder sind auch unsere Lebensgeschichten", sagte Böhmer. Denn viele der Heime wurden von Orden getragen.
An diesem Donnerstag und Freitag tagt in Berlin erneut der "Runde Tisch Heimerziehung" - Vertreter von Politik, Betroffenen und Verantwortlichen, die sich mit dem Schicksal der Heimkinder beschäftigen und auch über mögliche Entschädigen beraten. Nach der Sitzung werde das Gremium voraussichtlich einen Zwischenbericht über seine bisherige Arbeit veröffentlichen, sagte der DBK-Vertreter Johannes Stücker-Brüning.
Die Telefon-Hotline ist montags, mittwochs und freitags von 9 bis 18 Uhr unter der Nummer 0180 4100400 erreichbar.
Internet: www.heimkinder-hotline.de
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