Potsdam . Die Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) freut sich über ein "Topergebnis" bei Forschung und Entwicklung. Die Zahl der Ansiedlungen aber ging im Krisenjahr 2009 zurück - und ist regional sehr unterschiedlich verteilt.
Die Erleichterung war deutlich spürbar: "Besser als erwartet" sei man durch "ein sehr schwieriges Jahr" gekommen, so Detlef Stronk, der zum Monatsende in den Ruhestand gehende Vorsitzende der Geschäftsführung der Zukunftsagentur. Und Geschäftsführer Steffen Kammradt, der ab 1. Februar die ZAB leitet, freute sich über ein "außergewöhnlich starkes Innovationsjahr 2009". Märkische Firmen hätten in der Krise für die Zeit nach der Krise vorgesorgt - und in Forschung und Entwicklung investiert. 140 Millionen Euro seien dafür aufgewendet worden - mehr als das Doppelte des Jahres 2008. Weshalb Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) betonte, als eine der ersten Amtshandlungen Geld in seinem Haushalt umgeschichtet zu haben, um für ausreichend Mittel zur Technologieförderung zu sorgen.
Im Gegensatz zum "Topergebnis" bei Forschung und Entwicklung lag man bei Ansiedlungen und Betriebssicherungen mit 95 Projekten im Schnitt der Vorjahre und merklich unter dem Vorjahresergebnis (125). Für Stronk angesichts der sehr besonderen Umstände "eine gute Zahl". So sei man zu Beginn des Krisenjahres 2009 davon ausgegangen, mit Hilfe der Zukunftsagentur 1500 Arbeitsplätze neu schaffen oder stabilisieren zu können. Geworden seien es jedoch 2698 (2008: 3301). Wie dramatisch die Situation zum Teil war, machte Stronk daran deutlich, dass man "sechs wichtigen Firmen" beim Überleben helfen konnte: "Wenn nicht, wären 796 Arbeitsplätze verschwunden."
Gelungen ist das nicht immer. Wie etwa bei Ebay in Dreilinden (Potsdam-Mittelmark), wo das Internet-Auktionshaus 400 Mitarbeiter entlässt. "Hier habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass Ebay nicht umzustimmen ist", sagte Ralf Christoffers. Er bedauere das außerordentlich. Aber der Minister machte auch klar, dass man nicht verschwenderisch mit Steuermitteln umgehen will, um eine Firma zu halten. Dreilinden jedenfalls sei ein hervorragender Standort und er hoffe auf neue Ansiedlungen an dieser Stelle.
Wobei hilfreich sein könnte, dass die Zeiten "beleuchteter Felder" vorbei sind. Die Gewerbegebiete im Land seien gut ausgelastet, nur noch Frankfurt (Oder) habe nennenswerte Flächen. Man müsse sich, so der Minister, langsam über neue Gewerbegebiete Gedanken machen, um für Investoren attraktiv zu bleiben.
Nicht hilfreich bei der Investorensuche, bekannte Christoffers, war die wochenlange Stasi-Debatte in Brandenburg. Er könne als Linken-Politiker da nur mit sachlicher Arbeit um Vertrauen werben. Detlef Stronk jedenfalls konstatierte bemerkenswerterweise eine "vollständige Kontinuität in der Wirtschaftspolitik" - vor Christoffers war ja Ulrich Junghanns (CDU) Wirtschaftsminister.
Zu den bedeutendsten Direktinvestitionen zählten laut ZAB eine Bioethanolanlage in Premnitz (Havelland) mit 95 Stellen, eine Produktionsstätte für Windrad-Flügel in Brandenburg/Havel mit 15 Beschäftigten und eine Logistikzentrale in Großbeeren (Teltow-Fläming) mit 148 Arbeitsplätzen.
Deutlich wird bei der Förderbilanz erneut das wirtschaftliche Ungleichgewicht im Land: Bei den Investitionen liegen Potsdam sowie die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark, Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Oberhavel deutlich vor den anderen Regionen. Bei der Innovationsförderung sieht es ähnlich, wenn auch nicht ganz so deutlich aus.
Für Minister Ralf Christoffers ist das ein Grund, eine Änderung bei der Fördermittelvergabe ins Auge zu fassen. Er möchte einen Teil der EU-Mittel abkoppeln von der normalen Förderung und in Form eines Regionalfonds den Kreisen und Kommunen zur eigenverantwortlichen Verwendung übertragen. Das allerdings könnte erst in der 2013 beginnenden neuen Förderperiode der EU greifen. Wenn es überhaupt von Brüssel akzeptiert wird. Der Linken-Politiker plädierte neben der angestrebten engen Kooperation mit Berlin auch für weitere länderübergreifende Konzepte. So bei der Wasserinitiative Nord mit Mecklenburg-Vorpommern und bei der Lausitzer Seenlandschaft mit Sachsen.
Detlef Stronk verwies darauf, dass auch einstige "Sorgenkinder" wie Wittenberge und Forst mittlerweile eine bemerkenswerte Entwicklung nehmen würden. "Und für den Barnim besprechen wir gerade einige interessante Projekte." Steffen Kammradt meinte, dass man sich etwa in Märkisch-Oderland und Oder-Spree verstärkt fragen müsse: Wo will die Region hin? Wie kann man Kräfte bündeln? Und Detlef Stronk erinnerte schließlich daran, dass sich vor wenigen Jahren wohl kaum jemand vorstellen konnte, dass Frankfurt (Oder) einmal eine international beachtete Solar-Hochburg werden würde. "Das Wirtschaftsleben ist eben voller Überraschungen."
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