Eberswalde (MOZ) Bodo Ihrke . hat gestern die Landrats-Stichwahl gewonnen - und doch verloren. Er vereinte 18 048 Stimmen (58,8 Prozent) auf sich und damit 17,6 Prozent mehr als seine Kontrahentin von den Linken, Margitta Mächtig. Dennoch reichte es für Ihrke nicht zur Wiederwahl. Er verpasste das gesetzlich vorgeschriebene Quorum von 15 Prozent aller Wahlberechtigten. Das wären 22 737 Stimmen gewesen. Insgesamt hatten an der Stichwahl aber nur 30 692 Frauen und Männer teilgenommen. Das heißt: Acht von zehn Wahlberechtigten blieben zu Hause.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dennoch: Kaum jemand hatte im Vorfeld der gestrigen Stichwahl daran geglaubt, dass sich die Wahlbeteiligung gegenüber dem ersten Urnengang vor zwei Wochen erhöhen würde. So war die Überraschung auch nicht groß, als auf der Leinwand im Saal des Paul-Wunderlich-Hauses kurz nach 19.30 Uhr das vorläufige Endergebnis eine Quote von 20,5 Prozent auswies. An die 3500 Barnimer, die am 10. Januar noch ihre Stimme abgegeben hatten, waren nun zur Stichwahl zu Hause geblieben und hatten sich in das große Heer der Nichtwähler eingereiht.
"Ich bleibe dabei: Die Allianz aus vier Parteien für Bodo Ihrke, und auch unserer Partei für Margitta Mächtig hat es nicht geschafft, ein Quorum zusammenzukriegen", kommentierte der Kreisvorsitzende der Linken, Lutz Kupitz, nüchtern. Und Landratsbewerberin Margitta Mächtig stellte mit einem Seitenblick auf den, sich ab heute im Ruhestand befindenden, Amtsinhaber Bodo Ihrke fest: "Die Stichwahl hat uns beiden kein Glück gebracht".
Der nahm die Tatsache, dass er das Quorum nicht geschafft hat, gelassen. "Ich freue mich, dass ich gegenüber dem ersten Wahlgang noch einmal an Stimmen zugelegt habe", sagte er. Und für ihn steht außer Frage, dass er sich nun, da seine Stelle deutschlandweit ausgeschrieben werden muss, bewerben wird. "Ich habe immer gesagt: Auch ein Landrat muss sich bestätigen lassen - ob durch eine Direktwahl oder die indirekte Wahl im Kreistag", so Ihrke.
Der Unterstützung seiner Partei kann er sich dabei sicher sein. "Unser Kandidat ist auch weiter Bodo Ihrke", sagte SPD-Unterbezirkschefin Petra Bierwirth. Treu den Sozialdemokraten zur Seite steht die Barnimer CDU. "Wir unterstützen weiter Bodo Ihrke", betonte auch Kreisparteichef Thomas Jakobs gestern.
Damit nimmt er einer seit ein paar Wochen geführten Diskussion unter den Christdemokraten den Wind aus den Segeln, wurden doch hier und da Überlegungen laut, bei der Ausschreibung einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken.
Mit Vize-Landrat Carsten Bockhardt, der ab heute die vakante Stelle des Verwaltungschefs im Barnim besetzen wird, hat die CDU schon mal einen Mann "vor Ort". Doch der Zepernicker selbst hebt abwehrend die Hände. "Ich stehe zu Bodo Ihrke", bekräftigte er, hatte dieser doch dafür gesorgt, dass Bockhardts Amtszeit als Erster Beigeordneter für weitere acht Jahre noch vor der Landratswahl vom Kreistag verlängert wurde.
Die Linken werden am Mittwochentscheiden, ob sie einen Kandidaten in die Ausschreibung schicken.
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